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Initiative will an NS-Opfer in Halle erinnern

Hier sollen »Stolpersteine« verlegt werden

Halle (WB). Auch in Halle sollen Spaziergänger künftig an »Stolpersteinen« im Pflaster hängen bleiben – zumindest mit den Augen. Eine Initiative von Bürgern, die damit die Erinnerung an Opfer der NS-Gewaltherrschaft wach halten wollen, hat im Kulturausschuss grünes Licht für die Verlegung auf dem Gehweg an der Langen Straße bekommen.

Klaudia Genuit-Thiessen

An der B68 in halle stehe Häuser, in denen früher jüdische Mitbürger zuhause waren. Sie sind unter der Nazidiktatur entweder geflohen oder sie wurden verschleppt und ermordet. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Konkret sollen die quadratischen Betonwürfel mit der glänzenden Messingoberfläche vor den Häusern Lange Straße 25, 61 und 63 an die früheren Bewohner erinnern. Genannt werden darauf Namen, Geburtstag sowie – soweit bekannt – Datum und Ort des Todes. »Damit sollen die Passanten gedanklich über ein menschliches Schicksal stolpern«, heißt es in dem Antrag der Initiative, die mit der Aktion des Künstlers Gunter Demnig auch in Halle ein Zeichen der Erinnerung setzen will und zwar als Ergänzung zum Mahnmal für Opfer des Nationalsozialismus auf dem von-Kluck-Platz sowie zum Mahnmal auf dem Jüdischen Friedhof Werther.

Projekt findet in der Politik positiven Widerhall

Das Projekt »Stolpersteine« hat der Künstler im Jahr 2000 ins Leben gerufen. In 1099 Orten in Deutschland und 20 Ländern Europas erinnern die Steine inzwischen an die Vertreibung und Vernichtung von Juden, Zigeunern, politisch Verfolgten, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und Euthanasie-Opfern. Obwohl sie auch innerhalb der jüdischen Gemeinden nicht unumstritten sind, wie SPD-Ratsfrau Ulrike Müller erwähnte. Als »großartige Ergänzung der Haller Erinnerungskultur« wertete Lea Witteborg das Projekt im öffentlichen Raum. Zudem sei es eine gute Möglichkeit, Jugendliche neben der Holocaust-Gedenkfeier einzubeziehen.

Für das Kreisgymnasium freute sich die Almut Hage als Lehrerin im Ruhestand darüber, dass die Fachgruppe Geschichte Patenschaften für die Stolpersteine übernehmen will, für die Gesamtschule begrüßte Frauke Kessner die Bereitschaft der Schüler. Die heute in Israel lebende Tochter von Hans Isenberg, Eve Isaacson, die mehrfach in Halle zu Gast war, befürwortet die Absicht, »Stolpersteine« zum Andenken an ihre Angehörigen zu verlegen.

Historikerin Dr. Katja Kosubek stellte übrigens klar, dass die »Stolpersteine« keine Haller anprangern, die damals von der Deportation ihrer jüdischen Mitbürger profiert haben könnten: »Alle Familien haben nach 1945 Entschädigungen gezahlt.« Laut der Initiativgruppe haben sich schon mehrere Personen gefunden, die jeweils einen Stein im Wert von 120 Euro spenden wollen.

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