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Familie Goldbecker sucht neue Pächter für das einzige Lebensmittelgeschäft im Dorf

„Hörster wollen den Markt behalten“

Halle-Hörste (WB). „Das ist ja alles sehr überschaubar hier“. Die Kundin blickt sich enttäuscht um. Denn das Warenangebot im Hörster Markt ist wirklich sehr übersichtlich. Das einzige Lebensmittelgeschäft im Dorf, ein Laden „mit dem Charme einer spanischen Bottega“, wie die Kundin meint, schließt Ende Juni seine Tür. Es sei denn, Familie Goldbecker findet bis dahin einen neuen Pächter.

Klaudia Genuit-Thiessen

Christa Goldbecker (hier mit Enkeltochter Frieda und deren Freundin Laryssa, rechts) hofft, dass sich ein neuer Pächter für den „Hörster Markt“ findet. sie ist überzeugt, dass das Geschäft im Dorf laufen kann. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Neben Brötchen und anderem frischen Gebäck wirken die Regale jetzt umso leerer. Ins Auge fallen neben aufgestapelten Getränkekisten und Konserven einige Waschpulver-Kartons, drei Flaschen General, Konfitüre und Honig und Süßigkeiten. 19 Jahre lang haben die Kunden hier alles gefunden, um mindestens einen Tag oder ein Wochenende über die Runden zu kommen.

Der Laden würde laufen

Erst im September 2019 hat noch ein neuer Pächter sein Glück versucht. „Es ist auch sehr gut angelaufen. Aber dann hat es doch nicht funktioniert und Probleme mit der Organisation gegeben“, bedauert Christa Goldbecker (67), dass sich bislang nicht der Richtige gefunden hat. „Es tut mir eigentlich nur leid. Ich bin fest überzeugt, dass der Laden laufen würde. Denn die Hörster wollen ihren Markt behalten“.

Mitarbeiterin Christiane Jäger, die den Laden seit Jahresbeginn schmeißt und sich gerade richtig eingearbeitet hat, würde auch gern bleiben. Denn der Job macht ihr Spaß: Morgens um 6 ist die Welt in Hörste zumeist in Ordnung, wenn sie schon frisch gebackene Brötchen anbieten kann und später den Herrschaften mit Rollator, die an einem der Tische Platz nehmen, einen Kaffee anbieten. Sie besorgt Dinge für ältere Kunden, hat trotz Corona irgendwann auch Mehl und Toilettenpapier aufgetrieben und freut sich, wenn sie für die Hörster Schulkinder ein Eis hat. Und dabei war das noch nicht einmal alles.

Denn im Hörster Markt, der bis mittags um 13 Uhr geöffnet hat (derzeit nur bis 12 Uhr) konnte die Kundschaft auch immer eine herrlich kross gebratene Frikadelle bekommen oder womöglich Christa Goldbeckers Westfälische Linsensuppe. „In Häger gibt es ja den Dorfladen. Aber der liegt an einer Durchfahrtsstraße und wird zudem von der ganzen Dorfgemeinschaft getragen“, bedauert sie, dass man das Erfolgsmodell in Hörste wohl nicht einfach kopieren kann.

Keine Marktkauf-Filiale möglich

Hörste zählte 1645 Einwohner – vor drei Jahren. Ein Lebensmittelmarkt als Filiale des erfolgreichen Marktkaufs in Halle ist bei vielen Kunden zwar auch im Gespräch, wird jedoch eine Idee bleiben. Denn Oliver Speicher winkt auf Anfrage dieser Zeitung ab. „Man braucht auch für einen Nahversorger in einem Ortsteil eine bestimmte Größe. Selbst für Discounter sind aber mindestens 1500 Quadratmeter nötig. Wir müssten einen weiteren Markt als eigenständigen Standort betreiben. Für uns gelten die gleichen Spielregeln wie für andere Betreiber, und die zu erfüllenden Parameter sehe ich einfach nicht“.

Tatsächlich ist der Hörster Markt einschließlich Nebenräumen und Küche gerade einmal 180 Quadratmeter groß. Doch das Geschäft könnte sich tragen, ist Familie Goldbecker überzeugt, die auch zu Renovierungsarbeiten bereit wäre. Ein neuer Pächter könnte sich bestimmt auch hinsichtlich des Inventars mit dem Vorgänger einigen, ist Christa Goldbecker überzeugt. Zu erreichen ist sie über Telefon 05201/9919.

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