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Auch im Altenzentrum Eggeblick spitzt sich Situation zu – Viele Qualifizierungsangebote

»Kaum noch Personal zu finden«

Halle (SKü). Wer das Altenzentrum Eggeblick betritt, der sieht sofort, dass die Gewinnung von Pflegekräften in der Senioreneinrichtung am Tiefen Weg ein Riesenthema ist. Denn auf dem Fußboden im Eingangsbereich sind gut sichtbar Werbebotschaften aufgeklebt. Marion Westerbarkei, die Leiterin des Altenzentrums mit 102 Plätzen, warnt davor, dass der Personalmangel sich immer weiter zuzuspitzen droht.

Stefan Küppers

Eggeblick-Leiterin Marion Westerbarkei und Pflegedienstleiter machen auf die Personalmisere aufmerksam. Foto: Stefan Küppers

Sie weiß, dass man manchmal ungewöhnliche Wege gehen muss, um einerseits auf ein Problem aufmerksam zu machen, andererseits für einen schönen und erfüllenden Beruf in der Pflege zu werben. Mit Pflegedienstleiter Bastian Siewig war Marion Westerbarkei in diesen Tagen Gast beim SPD-Ortsverein Halle. Und sie nahmen in diesem politischen Rahmen kein Blatt vor den Mund.

Problem droht sich in den nächsten Jahren weiter zu verschärfen

»Bei einer Stellenausschreibung im Pflegebereich gab es vor zehn Jahren noch 15 Bewerber, vor fünf Jahren noch sieben, heute meldet sich niemand mehr. Selbst über Zeitarbeitsfirmen bekommen wir kein Personal für Halle«, schildert die 57-jährige Einrichtungsleiterin. Besonders prekär ist die Lage, weil etwa die Hälfte der 65 Mitarbeiter(innen) im Pflegebereich (40 Vollzeitstellen) älter als 50 Jahre ist, sich mithin das Thema, Planstellen in der Pflege zu ersetzen, in den nächsten fünf bis acht Jahren absehbar verschärfen wird.

Bislang gab es die Mangelprobleme vor allem mit Pflegefachkräften. »Mittlerweile wird es zunehmend schwieriger auch Pflegehelfer zu finden«, sagt Pflegedienstleiter Bastian Siewing. Um dem entgegen zu wirken, tritt man von Seiten des Johanneswerkes (Träger vom Eggeblick) zum einen an den potenziellen Nachwuchs durch Kampagnen oder auch direkt in den Schulen heran. Mit der Gesamtschule Halle gibt es eine etablierte Kooperation. Unter den insgesamt mehr als 100 Mitarbeitern im Haus gebe es eigentlich immer durchgängig neun Pflege-Azubis. Doch hier hält nicht jeder durch oder schafft die anspruchsvollen Prüfungen für eine Pflegefachkraft, die eben viel Wissen haben muss, um später mal auch einen Wohnbereich fachlich gut betreuen zu können.

Für Quereinsteiger gibt es attraktive Förderprogramme

Die konsequente Weiterentwicklung von Personal ist ebenso ein Baustein, um der Misere zu begegnen. Mit Ermutigung und Unterstützung ist aus mancher Pflegehilfskraft eine Pflegefachkraft geworden. Bastian Siewing verweist auf ein besonderes Fördermodell der Arbeitsagentur, mit dem sich Ungelernte und Hilfskräfte qualifizieren können. Wer bestimmte Voraussetzungen erfüllt, dem wird im Rahmen dieses Programms die Ausbildungsvergütung auf rund 2300 Euro verdoppelt. Dies kann ein Anreiz für Quereinsteiger sein.

Ansonsten haben die beiden viele Punkte angesprochen. Beim Gehalt von 3300 Euro Brutto nach drei Jahren Berufserfahrung sei sicherlich »Luft nach oben«. Bei der Pflegedokumentation erhoffen sich die Praktiker Entlastung, damit einfach mehr Zeit für die eigentliche Pflege bleibt. Digitalisierung könne hier viel bringen. »Wenn zum Beispiel ein diktiertes Wort sich selbst verschriftlicht, wäre das eine Riesenzeitersparnis«, sagt Marion Westerbarkei.

Ulrike Sommer, Halles SPD-Vorsitzende, will einige Anregungen der Eggeblick-Leiter in die politischen Kanäle weitergeben,

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