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Politiker wollen bei Kunstrasen an der Masch auf Granulatverfüllung verzichten

Kein Mikroplastik auf dem Sportplatz

Halle (WB). So manch Hobbykicker dürfte bei dieser Nachricht aus allen Wolken fallen – aber nicht mehr gern auf seinen Kunstrasen. Denn nach dem Abpfiff schleppt er das Granulat an Schuhen und Trikot in die Umkleide. Von dort wird das Zeug in die Dusche oder durch die Waschmaschine gespült: Mikroplastik, das irgendwann im Meer landet.

Klaudia Genuit-Thiessen

Das Vereinsheim des SC entsteht neben der geplanten Sportanlage. Über die Kunstrasenfüllung muss man noch sprechen. Denn auch natürlicher Kork hat Nachteile. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Für die neuen Kunstrasenplätze in Halle kommt dieser Füllstoff damit kaum in Frage. Allerdings ist wohl auch Kork keine Alternative und Quarzsand besser. In puncto Spielkomfort müssen allerdings noch die Vereine überzeugt werden.

Fachplaner empfehlen Sand

Die Leichtathletikanlage am künftigen neuen Sportzentrum an der Masch stand im Mittelpunkt des Ausschusses für Schule und Sport: Neben der Verfüllung der Kunstrasenplätze ging es um die Beleuchtung. Wegen des Umweltrisikos hatten die Grünen in einem Antrag natürlichen Kork ins Spiel gebracht. Denn in Norwegens Fjorden ist das Gummigranulat schon zweitgrößte Emissionsquelle – nach dem Reifenabrieb durch den Straßenverkehr. Eine Überraschung für Nicht-Fachleute: Auch in Deutschland liegt es schon auf Platz vier und ist damit ein weit größeres Problem als die Verwendung in Kosmetika, wie Frank Winter für die Grünen erklärte. Natürlicher Kork statt Granulat sei vielleicht auch nicht die optimale Lösung, aber immer noch besser als Mikroplastik. Der SC Halle, der die Plätze überwiegend nutze, habe zugestimmt, obwohl die Laufeigenschaften eines mit Kork verfüllten Rasens vielleicht ein wenig schlechter seien. Frank Winter: »Wir stellen hier nicht den Bau eines Kunstrasenplatzes an sich in Frage.«

Landschaftsarchitekt Markus Illgas vom Fachbüro Ulenberg/Illgas bestätigte die Bedenken der Grünen. Er wies darauf hin, dass schon viele Städte wegen des Abriebs umschwenken. Illgas: »Wir empfehlen den Kommunen deshalb Sandverfüllungen, auch wenn die Sportler das nicht so gerne haben«. Noch gebe es keinen Qualitätsstandard, verwies der Sportstättenplaner auf die Gefahr bei Starkregen: Wenn das Wasser den Kork nach oben drückt oder er mit den Schuhen der Sportler abgetragen wird, muss man ihn mühselig wieder einarbeiten. Neben dem höheren Pflegeaufwand fehlen noch Langzeiterfahrungen mit dem Material. Illgas: »Ein Vollkunststoff, wie er beim Hockey eingesetzt wird, ist leider deutlich teurer.« Reinen Quarzsand könne man später jedoch mit einem anderen Füllstoff ersetzen. »Damit verbauen wir uns nicht die Zukunft.« Die Bauanträge sind sind jetzt eingereicht. Das Gelände muss angefüllt werden.

Spielkomfort spielt eine Rolle

Für die CDU machte Elke Rosenthal klar, dass für Halle ein Gummigranulat keinesfalls in Frage kommt. Sie sprach sich dafür aus, mit dem Sport-Club, der den Sand vehement abgelehnt haben soll, noch mal zu sprechen. Denn eine Rolle für den Spielkomfort soll auch die Faserlänge über dem Sand spielen.

»Ich habe mich ja nicht getraut, den Sand vorzuschlagen«, freute sich Frank Winter über die Zustimmung aus den CDU-Reihen. Vor einer Entscheidung sollen noch Informationen zusammengetragen werden: Materialbeständigkeit, Pflegeaufwand, Aufheiz-Eigenschaften, Erfahrungen anderswo. Zudem will man mit allen Vereinen sprechen, die die Kunstrasenplätze künftig nutzen.

LED-Strahler sollen Sportanlagen ausleuchten

Die Politiker waren sich schnell einig: Die neue Sportanlage soll mit LED-Technik beleuchtet werden – und zwar mit insektenverträglichem warmweißen Licht.

Für den ersten Sportplatz sind sechs Masten mit 16 LED-Strahlern geplant. Für den zweiten, parallel liegenden Platz würden später noch einmal zwei weitere Masten mit acht Strahlern hinzukommen. Die Kosten für eine LED-Lichttechnik betragen rund 85.000 Euro, gut 40.000 Euro mehr als für eine konventionelle Anlage. Allerdings altern LEDs bedeutend langsamer und könnten deshalb auf eine Dauer von zehn Jahren auch wirtschaftlich sein.

»Ich bin ernsthaft überrascht, dass überhaupt etwas anderes erwogen worden ist«, sagte CDU-Ratsfrau Elke Rosenthal. Licht ist nicht gleich Licht: Michael Koch (UWG) wies auf kritische Stimmen zur mehrfarbigen Beleuchtung des Gerry-Weber-Stadions hin. Die Stadt wolle an der Masch sicher kein neues »Rotlichtviertel wie vor Jahren in Künsebeck«, spottete Elke Rosenthal und erkundigte sich nach Lärmschutz. Wegen des Abstands zur Siedlung sieht Planer Markus Illgas keine Probleme. Allerdings fehle für einen Erdwall auch genügend Platz. Den braucht man für Regenrückhaltebecken und Parkplätze.

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