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Geplantes Projekt in Tatenhausen stößt auf große Skepsis bei Kirchengemeinden. Im Haller Haupt- und Finanzausschuss wird erst am 13. März über den Antrag beraten.

Keine Mehrheit für Begräbniswald

Halle (WB). Kann der Tatenhausener Forst zum Friedwald werden? Eine Entscheidung darüber soll erst im Haller Hauptausschuss am Mittwoch, 13. März, fallen. Möglicherweise kann Benedikt Freiherr Teuffel von Birkensee seine Pläne aber begraben – obwohl viele Bürger in Tatenhausen schon angefragt haben, ob sie sich schon einen Baum aussuchen können.

Klaudia Genuit-Thiessen

Auf dem Haller Friedhof sind schon längst Bestattungen am Baum und unter Rasen möglich. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Im Vorfeld der Sitzung ist das Thema schon im Friedhofsausschuss beraten worden. Das Gremium von Stadt und Evangelischer Kirchengemeinde hat den Antrag am Montag in nichtöffentlicher Sitzung mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.

Kommunen müssen sicherstellen, dass Verstorbene bestattet werden. In Halle hat die Stadt deshalb schon in den 60er Jahren einen Vertrag mit der Kirche geschlossen, die den Friedhof zwischen Berghof und Bielefelder Straße unterhält. »Wir wollen erst einmal die Voten sammeln, die vom Friedhofsausschuss, aber auch von der katholischen Kirche. Und dann steht ja auch eine Stellungnahme des Kreises noch aus, in der es um die Zulässigkeit eines Begräbniswaldes geht«, sagte Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann. Der paritätisch besetzte Friedhofsausschuss (jeweils fünf Vertreter von Stadt und Kirchengemeinde) habe beschlossen, mit dem Ergebnis noch nicht an die Öffentlichkeit zu gehen.

20 Bestattungen weniger

Gleichwohl hat sich bereits im Vorfeld dieser Sitzung der interne Friedhofsausschuss der Kirchengemeinde eine Meinung zu einem Begräbniswald in Tatenhausen gebildet. Pfarrer Burkhard Steinebel: »Es ist nicht unsere Aufgabe, einen Friedwald abzulehnen. Aber aus Verantwortung für den eigenen Friedhof und seine Nutzer können wir ihn auch nicht befürworten. Das Anliegen von Baron von Teuffel verstehen wir gut.« Ein Friedwald gehe aber auf jeden Fall zu Lasten der bestehenden Friedhöfe. Das bestätige eine Erkundigung bei der Landeskirche. Ein kirchlicher Friedhof müsse sich über die Bestattungs- und Unterhaltungsgebühren selbst tragen und dürfe weder über die Kirchensteuer finanziert werden noch selbst Gewinne abwerfen. Wenn in einem Friedwald 50 bis 100 Verstorbene bestattet werden, bedeute dies ein Minus von zehn bis 15 Prozent für den kirchlichen Friedhof. »Bei etwa 160 Bestattungen im Jahr wären das für uns vermutlich 20 weniger«, rechnet Pastor Steinebel vor.

Die Kirche sieht weder bei Personal noch im Maschinenpark Einsparpotenzial. Die halbe Stelle für die Friedhofsverwaltung im Gemeindeamt sei ebenso notwendig wie die 4,75 Stellen bei der Pflege. »Wir mussten die Stellen erst vor kurzem aufstocken, weil sich die Begräbniskultur ändert und wir immer mehr Urnenbestattungen haben«, erläutert Burkhard Steinebel einen wachsenden Pflegeaufwand. Urnengräber führen zu einem arbeitsintensiven Flickenteppich von Grabstätten und Freiflächen.

Ein Friedwald bedeute, dass die Ausgabenhöhe gleich bleibe, aber die Einnahmen sinken würden. Steinebel: »Um unseren Friedhof weiter finanzieren zu können, müssten wir höhere Gebühren fordern und würden damit eine Kostenspirale anschieben.«

Gräber ohne Pflegeverpflichtung

Burkhard Steinebel: »Wir sind uns bewusst, dass es heute auch andere Bestattungswünsche gibt und dass mehr Menschen unter Bäumen liegen möchten, andere ihren Angehörigen den Pflegeaufwand ersparen wollen. Jetzt kann man bei uns schon an einem Baum oder unter Rasen beigesetzt werden. Damit sind in Halle Bestattungen ohne Pflegeverpflichtung für Angehörige bereits möglich. Um mit der Zeit zu gehen, wollen wir jetzt für Mai einen Friedhofs-Landschaftsgärtner einladen. Es geht um die Frage, wie Gräberfelder gestaltet werden können, damit der Friedhof ein schöner Ort bleibt.«

Diese Frage ist auch für Pfarrer Josef Dieste wichtig. Die Katholische Kirchengemeinde, die den Friedhof in Stockkämpen unterhält, ist bislang noch nicht um eine Stellungnahme gebeten worden. Pastor Dieste sieht allerdings ein großes Interesse an dem Erhalt des Haller Friedhofes. »Es ist ein sehr schöner Friedhof, der viele Bestattungsformen möglich macht«, sagt er im Hinblick auf eine sich verändernde Bestattungskultur. »Persönlich habe ich den Eindruck, dass ein Besuch am Grab nach der Bestattung in einem Friedwald sehr schwierig ist. Es ist sehr zeitaufwändig und viele Wege weder mit einem Rollator noch mit einem Rollstuhl begehbar. Während eine Kapelle wie unsere ein Ort ist, wo sich Himmel und Erde begegnen, wird eine Beerdigung im Friedwald sicher etwas für Begegnungen nach dem Tod etwas verändern«, gibt er zu bedenken.

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