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Dr. Michael Hanraths, Ärztlicher Direktor des Klinikums Halle, geht in den Ruhestand

Kleines Haus fit gemacht für die Zukunft

Halle (WB). „Patienten, die mit einem Schalke- oder Dortmund-Trikot im Bett liegen, kann ich schlecht aushalten“. Als „manischer Borussia Mönchen-Gladbach-Fan“ verzieht Dr. Michael Hanraths bei seinem Bekenntnis keine Miene. Der Ärztliche Direktor des Klinikums Halle ist ein ernsthafter Mensch – aber mit (nieder-)rheinischem Humor. Nach 14 Jahren als Chefarzt in Halle und sechs Jahren am Krankenhaus Versmold wird der Internist mit dem Zusatz Sportmedizin am 21. Februar offiziell in den Ruhestand verabschiedet, zwei Tage vor seinem 65. Geburtstag.

Klaudia Genuit-Thiessen

Nur einmal hat Dr. Michael Hanraths vis-à-vis der Lofoten selbst zur Kamera gegriffen. Das Bild hat der Ärztliche Direktor des Haller Krankenhauses, der demnächst noch intensiver reisen möchte, in seinem Büro aufgehängt. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Nachfolge ist geregelt

Dr. Hanraths geht beruhigt. Denn die Nachfolge für das 180-Betten-Haus ist geregelt. „Eine Zusage haben wir schon. Es ist wichtig, dass ich mich darauf verlassen kann, weil ich natürlich am Haus hänge“, sagt er mit Blick auf sein Spezialgebiet: Für das Klinikum habe man jemanden gesucht, der zwar kein ausgewiesener Gastro-Enterologe sei, doch neben dem Allgemeinen Inneren mit dem Appendix Geriatrische Komplexbehandlung federführend und fachübergreifend auch in diesem Bereich Fachwissen habe. „Davon profitieren auch die Allgemeine und die Unfallchirurgie“.

Als kleines Haus habe man ein Problem, wenn es nur Spezialisten gebe, ergänzt der Chef des Krankenhauses im Hinblick darauf, dass sich Halle unter seiner Leitung breiter aufgestellt hat. Das Haus verfügt über geriatrisch ausgebildete Fachärzte und kann deshalb auch älteren Patienten, die nach der Hüft-OP vielleicht eine Lungenentzündung bekommen, eine wohnortnahe Rehabilitation bieten.

Die kurzen Wege im Klinikum sieht Dr. Hanraths auch wegen der fachübergreifenden Zusammenarbeit als Vorteil. Für ebenso überlebensnotwendig hält er noch im Nachhinein die Fusion mit Bielefeld-Mitte. „Fälle, die hier nicht zu behandeln sind, können wir zeitnah im Mutterhaus vorstellen“. Das gilt im Hinblick auf die immer höheren Ansprüche an die Qualität und an das Fachpersonal für Hygiene, Transfusion, Transplantation. Standortübergreifend könne man gegenüber den Kassen als ein Haus auftreten, damit sich eine vernünftige Medizin mit schwarzen Zahlen betreiben lasse.

Visite mit dem Computer

Für die Wirtschaftlichkeit wichtig ist die Auslastung der OP-Säle, weiß der Ärztliche Direktor. Zu den etwa 25 Ärzten in Halle rechnet er mindestens fünf Belegärzte aus Gütersloh, Melle und Halle hinzu. Auf der Höhe der Zeit sei das Krankenhaus zudem in puncto Digitalisierung. Visite am Krankenbett läuft selbst in Halle längst fast nur noch mit Computer statt Krankenakte. „Unsere Stationen arbeiten inzwischen fast papierlos. Wir können Röntgenbilder und Laborwerte direkt am Bett sehen. Und wenn wir ein eigenes, gesichertes Netzwerk haben, auch online. Das ist die Zukunft“.

Nach 20 Jahren als Ärztlicher Direktor und Chefarzt – zwei davon sogar mit der Doppelbelastung Versmold und Halle – will Dr. Hanraths demnächst mindestens ein halbes Jahr „nichts mit der Medizin zu tun haben“. Der dreifache Vater und Großvater von drei Enkeln aus Viersen, den es mal über Düsseldorf und Neuss nach Ostwestfalen verschlagen hat, will mit seiner Ehefrau in Versmold bleiben. „Ich bin jetzt froh, wenn ich die Verantwortung in andere Hände geben kann. Ich kann mir ein Leben ohne die Medizin vorstellen. Dat gibbet auch,“ sagt er schmunzelnd in rheinischem Tonfall. Langeweile fürchtet der Ausdauersportler, Segler und Fernreisende als Mann mit vielen Interessen sicher nicht für seinen Ruhestand.

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