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Schülerin (11) telefoniert mit Hörspiel-Helden: Wie TKKG in Halle auf die Bühne kommt

Klößchen hat es weiter schwer

Halle (WB). In 40 Jahren haben die Nachwuchsdetektive von TKKG mehr als 200 Fälle gelöst. Mit mehr als eine Million Streams pro Tag – zusätzlich zu den ungezählten CDs – ist die Hörspielreihe bis heute Kult nicht nur im Kinderzimmer. Was sonst im Studio aufgenommen wird, kommt am Sonntag, 17. November, auch im Gerry Weber Eventcenter live auf die Bühne. Leona Brand (11) hat mit den Hörspielhelden telefoniert, deren Stimmen sie sonst nur aus dem Lautsprecher kennt: Sascha Draeger (52) alias »Tim« und Tobias Diakow (29) alias »Karl«.

Plötzlich klingen die Hörspiel-Stimmen durch den Telefonhörer: Kinderreporterin und TKKG-Fan Leona Brand interviewt »Tim« und »Karl«. Foto:

Sascha Draeger, Sie haben 1981 schon die allererste Folge von TKKG gesprochen. Waren Sie damals überhaupt schon im Stimmbruch?

Sascha Draeger: Nein, da war ich gerade 14. Ich habe neulich die alten Folgen wieder hervor gekramt und habe mich selbst fast nicht wiedererkannt.

Hat sich Ihre Stimme nach dem Stimmbruch überhaupt nicht mehr verändert oder trickst da die Technik?

Draeger: Tatsächlich muss da technisch nicht viel gemacht werden. Da ist ohnehin viel Fantasie im Spiel. Die Rolle, die ich verkörpere, ist nun einmal die eines Jugendlichen. Und wenn ich dort mit Freunden oder eben einem Lehrer spreche, dann ordnet der Zuhörer das in seinem Kopf einfach so zu. Das wirkliche Alter meiner Stimme ist da nicht so entscheidend.

Warum heißt Tim eigentlich nicht mehr Tarzan wie früher«?

Draeger: Tja, da gibt’s zwei Versionen. Die offizielle« ist, dass der Tim einmal einen Film von Tarzan im Dschungel gesehen hat und es ihm überhaupt nicht gefiel, wie diese Figur genannt zu werden. Seitdem lässt sich Peter Tim Carsten bei seinem zweiten Vornamen rufen. Die zweite Erklärung ist weniger romantisch. Da ging es wohl um viel Geld wegen der Roman- und Filmfigur und möglichen Verwechslungsgefahr.

Als Judo-Kämpfer holt Tim immer noch gerne aus, wenn es darum geht, Verbrecher auszubremsen. Meine Mutter findet das manchmal blöd, obwohl sie als Kind TKKG auch cool fand.

Draeger: Diese Kritik kommt tatsächlich immer wieder auf – immer mal mehr, mal weniger. Am Anfang gab’s in den Hörspielen die meisten körperlichen Auseinandersetzungen, dann wurde das etwas zurückgenommen. Aber auch der »weich gespülte« Tim kam nicht überall gut an. Insgesamt hat sich die Haltung durchgesetzt, dass es wenig schlau ist, immer alles mit Gewalt und Judo zu lösen.Tobias Diakow: Die heutigen Fälle sind deutlich weniger brutal. Jetzt lösen wir Dinge, die nicht immer nur mit bösen Gangstern zu tun haben, sondern oft psychologisch tiefer gehen.

Müsst Ihr eigentlich immer so auf Klößchen rumhacken, nur weil er Übergewicht hat? Ich glaube auch, dass Gabi gar nicht beschützt werden muss, nur weil sie ein Mädchen ist...

Draeger: Das ist wenigster geworden. In den ersten Folgen war es gesellschaftlich noch so verankert, dass Mädchen nicht ganz so taff sind wie Jungs und sich nicht in jedes Abenteuer stürzen. Heute wie man – endlich und zum Glück! – dass das nicht so ist. Gabi darf sich also in Gefahr begeben wie wir alle. Aber Klößchen werden wir weiterhin aufziehen mit seiner vielen Schokolade!

Tobias Diakow, Sie sind erst seit 2016 als Karl »Computer« Vierstein dabei. Wie war das, plötzlich mit den Hörspielhelden der eigenen Kindheit im Studio zu sitzen? Oder haben Sie etwa nie TKKG gehört?

Diakow: Doch – und zwar intensiv! Dieser Job ist natürlich Wahnsinn, eine große Ehre. Die ersten Aufnahmen waren total verrückt: Plötzlich habe ich die Chance, die Rolle auf meine Art zu gestalten. Ein tolles Gefühl.

Wie lange dauert es, bis eine Folge aufgenommen ist?

Diakow: Meist sind wir als TKKG gut einen halben Tag im Studio. Insgesamt sind es knapp zwei Tage Aufnahme. Und dann kommt noch die Nachbearbeitung dazu.

Gab es mal eine lustige Panne? Bekommt einer mal einen Lachanfall?

Draeger: Andauernd! Besonders bei Versprechern. Das wäre doch mal eine Anregung: Wir sammeln alles, was heraus geschnitten wurde, und veröffentlichen es. Diakow: Da könnte man einige CDs füllen...

Und demnächst können wir TKKG also erstmals live auf der Bühne sehen. Wie muss ich mir das vorstellen? Lesen Sie einfach ein Manuskript vor?

Diakow: Ein Geräuschemacher ist auch noch mit dabei und ein Erzähler. Wir lesen, wir spielen – das ist schon mehr, als wir sonst im stillen Kämmerlein tun.Draeger: Das wird deutlich mehr sein als eine Lesung. Aber es wird nicht so opulent wie ein Theaterstück. Bei uns hat das einen privaten Rahmen. Die Fans können sehr nah dran sein.

Kommt Oskar, der Hund, auch mit auf die Bühne?

Diakow: Da müssen wir noch mal mit dem Tierschutz sprechen... keine schlechte Idee!

Für wen ist die Show gedacht? Nur für Kinder? Oder gibt es auch heute noch Erwachsene, die TKKG hören?

Diakow: Das ist für alle. Generationenübergreifend.Draeger: Es gibt sich noch eine Menge Erwachsene, die uns hören. Vielleicht sind ein paar mehr bei den Drei ??? hängen geblieben, weil sie die in ihrer Kindheit doch meist als letztes gehört haben. Mein Autohändler aber erzählt mir immer, dass er und seine Frau abends im Bett TKKG hören. Dabei ließe es sich gut einschlafen.

Haben Sie persönlich eigentlich Ähnlichkeit mit Tim und Karl? Der eine sportlich und cool, der andere ein Nerd mit Brille?

Draeger: Unser neuer Karl hat tatsächlich eine Brille. Er ist sehr schlank und der größte Größte von uns. Er ist auch extrem schlau – das passt. Man wird ihn auf der Bühne sofort als Karl erkennen. Diakow: Bei Sascha ist das ähnlich. Er ist sportlich und optisch gar nicht so weit weg von Tarzan. Draeger: Ich habe auf jeden Fall mit ihm gemein, dass ich sehr viel Rad fahre. Da würde ich die Kollegen vermutlich sofort abhängen und sagen: »Nun mal zügig und nicht jammern!«

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