1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Halle
  6. >
  7. Kostenschock in Gartnisch

  8. >

Umbau oder Neubau einer Grundschule in Halle kostet fast acht Millionen Euro

Kostenschock in Gartnisch

Halle (WB/SKü). Die Redewendung vom »erstmal schlucken müssen« ist in der Sitzung des Schulausschusses gleich mehrfach gefallen. Es war die verbreitete Reaktion auf eine Planung, die die Verwaltung für die Behebung baulicher Probleme an der Grundschule Gartnisch vorstellte. Demnach kosten notwendige Umbauten mindestens 7,5 Millionen Euro. Ein Neubau käme da mit 7,9 Millionen unwesentlich teurer.

Die Grundschule Gartnisch hat erst vor fünf Jahren einen neuen Verwaltungstrakt bekommen, der rund 800 000 Euro kostete. Bei einem kompletten Neubau, der eine von drei Varianten ist, würde auch dieser noch junge Anbau mit abgerissen. Foto: Stefan Küppers

Ein Gutachten hatte die energetischen Probleme der Schule offenbart. Die Verwaltung war mit der Entwicklung eines Handlungskonzeptes beauftragt worden. Ausgeführt wurde dies von dem Architekturbüro Heitmann (Gütersloh), das bereits den neuen Verwaltungstrakt der Grundschule geplant hatte, der 2012 fertig wurde und 800 000 Euro kostete.

Heitmann stellte den ob der Bausummen sichtlich überraschten Schulpolitikern drei Alternativen vor. Bei zwei Umbau-Varianten im Bestand wären nach dieser fortgeschrittenen Grobplanung Bauzeiten von drei Jahren erforderlich, zu realisieren in drei bis vier Bauabschnitten von 2019 bis 2022. Um die 7,5 Millionen Euro wären für diese Lösungen aufzubringen, wobei das alte Gartnischer Schulgebäude von 1912, in dem derzeit die Ganztagsgruppen untergebracht sind, als abgängig gilt. Für dieses Altgebäude müsste in jedem Fall ein Ersatzbau mit Mensa geschaffen werden. Auch einen Neubau hat Architekt Heitmann durchgerechnet. Er kommt für eine dreizügige Grundschule, die räumlich auch den Anforderungen eines gebundenen Ganztags entsprechen würde, auf Kosten von 7,9 Millionen Euro.

Auf 50 Jahre gerechnet ist ein Neubau günstiger

Großer Vorteil: Ein Neubau wäre in nur 14 Monaten zu realisieren, er könnte schon 2020 bezogen werden. Unterm Strich, so rechnete der Planer anhand einer Lebenszykluskostenberechnung vor, komme ein Neubau auf 50 Jahre gerechnet die Stadt kostenmäßig günstiger.

Von günstig mochte CDU-Fraktionschef Hendrik Schaefer freilich nicht sprechen. »Mit acht Millionen Euro Kosten wäre das die größte Einzelinvestition der letzten Jahre, teurer selbst als das Lindenbad«, stellte er fest. Er bezeichnete das ganze Verfahren als »völlig offen«, es habe noch keine Richtungsentscheidung gegeben. Wenn, dann brauche man auch einen Architektenwettbewerb.

Fachbereichsleiterin Regina Höppner betonte, dass auch die Verwaltung von den Kosten überrascht sei, man wolle auch keine große Eile an den Tag legen.

Schulleiterin Kristina Niemeyer sagte dem WB, dass trotz des erschreckenden Energiegutachtens, oft auftretender Wasserschäden und einer nicht optimierten Heizungsanlage die Schule gut weiterlaufe. Stadtarchitekt Johannes Brockbals erläuterte dem WB, dass für die zweizügig konzipierte Schule in Gartnisch in der Umbau- und Neubauvariante nun eine Dreizügigkeit geplant sei, weil dies wegen des starken Zuzuges in Neubaugebiete als notwendig eingeschätzt wird. Entsprechend des Raumprogramms und der Vorgaben nach dem »Kölner Modell« (mit Differenzierungsräumen) ergäben sich die vorgelegten Kosten.

Startseite