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Kirchenkreis Halle bedankt sich bei allen Ehrenamtlichen

Magischer Überraschungsgast

Halle (WB/jog). Es sollte der Höhepunkt im Jahr des Reformationsjubiläums werden. Und bei vielen der 1000 geladenen Gäste im Alter zwischen sechs und 86 Jahren hat er einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das lag am Überraschungsgast, dem Magier und Hypnotiseur Thimon von Berlepsch.

Der Magier Thimon von Berlepsch ist der Überraschungsgast bei der Feier zum Reformationsjubiläum. Er versetzt hier Imke, Carola und Lukas (von links) in einen tiefen hypnotischen Schlaf und beeinflusst scheinbar ihr Handeln. Foto: Johannes Gerhards

Zunächst war Geduld gefragt, denn am Eingangstunnel bildete sich eine lange Besucherschlange. Superintendent Walter Hempelmann begrüßte die Besucher als wichtigen Teil der kirchlichen Bewegung. Seit 500 Jahren mache diese Art, Kirche zu sein, keinen Unterschied zwischen Klerikern und Laien. »Die Reformation ist das Ja zur Veränderung. Auch wenn derzeit mehr in Bewegung ist, als wir verkraften können, wissen wir, dass Gott diese Welt so nicht will. Wir stehen auf gegen die Angst vor Veränderung«, sagte Hempelmann.

Der Superintendent beschwor den Zusammenklang vielfältiger Stimmen im Kirchenkreis Halle mit seinen acht Gemeinden. Diesen Klang ließen Kreiskantorin Annette Petrick und das Publikum gleich mit einem vierstimmigen Kanon ertönen. Pfarrer Dirk Leiendecker aus dem Organisation­team stellte unterdessen das Menü gegen »die Leere im Magen« vor. Umgehend bildeten sich erneut Warteschlangen, diesmal an den fünf Essensausgabestellen.

Ohne Trump und Helene Fischer

Conférencier Leiendecker lüftete das Geheimnis, um wen es sich beim Überraschungsgast handeln sollte. Helene Fischer habe sich angeblich beworben. Selbst der »bescheiden und sympathisch« daher kommende Donald Trump wäre wohl gerne gekommen, wenn es denn einen geeigneten Landeplatz für sein Dienstflugzeug gegeben hätte, meinte Leiendecker in seiner Anmoderation für einen Künstler, »der alles mitbringe, um ein gemischtes Publikum zu faszinieren«.

Thimon Alexander von Berlepsch hat nach eigenen Angaben im Alter von 13 Jahren auf dem Dachboden einen Reisekoffer mit Zauberutensilien und das Buch »Moderne Salonmagie« gefunden. Seitdem ließen den 39-Jährigen die Leidenschaft für Kartentricks, Mentalmagie und Hypnose nicht mehr los. »Magie ist die universelle Sprache« lauten die Erfahrungen seiner Reisen durch Südamerika und Asien. Seine Spezialität ist es, das Publikums einzubeziehen, das er immer wieder in tiefer Verblüffung zurück lässt.

Zerrissene Spielkarte kommt in einer Zigarette zum Vorschein

So wunderte sich Raucher Frank, dass die eben von ihm eigenhändig zerrissene Spielkarte in seiner Zigarette zum Vorschein kommt. Scheinbar kann der Magier Gedanken von Friedhelm, Jutta, Wolfgang und Hertha, die eigentlich ganz anders heißt, lesen, nicht aber ihren wirklichen Namen herausfinden. Seine Mischung aus Taschenspielertricks und Suggestionsmethoden, bei denen die Probanden unbewusst genau das tun, was der Magier vorgibt, kam jedenfalls gut an.

Sogar Massenhypnose scheint bei besonders empfänglichen Personen zu funktionieren. Sie konnten ihre ineinander verschränkten Hände erst nach des Meisters Erlösung wieder bewegen. Schließlich saßen Imke, Carola und Lukas auf der Bühne und wurden zu scheinbar willenlos steuerbaren Menschen mit fast übernatürlichen Kräften. Der Magier erklärte die Tatsache, dass Carola eine gekennzeichnete Fünf-Cent-Münze in der Hand verbiegen konnte, mit dem Phänomen der »hysterischen Stärke«.

Jedes Gedankenspiel ist ein Befehl ans Unterbewusstsein

Viele Menschen würden diese Kräfte unbewusst vergeuden oder gegen sich selbst wenden. »Jedes Gedankenspiel ist ein Befehl ans Unterbewusstsein, negative Erlebnisse hinterlassen tiefe Spuren und beeinflussen unser Handeln entsprechend«, behauptet von Berlepsch. Ob seine Experimente wirklich etwas bewirken, muss wohl jeder selbst entscheiden. Auf einige Besucher wirkte die Bühnenshow fast beängstigend. Die kirchliche Gemeinschaft hat sich wohl tatsächlich »eine Offenheit für unerwartete Begegnungen bewahrt«. So lautete jedenfalls Walter Hempelmann These.

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