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Bernhard Walter hat in Hörste und Versmold erste gefiederte Wintergäste beobachtet

Mit Nordostwind in die Feuchtwiesen

Halle (WB). Ein riesiger Trupp von 48 Störchen hat kürzlich noch über der Wiese am Fleerweg in Hörste in der Thermik Kreise gezogen – wie sonst vor dem Flug über den Bosporus. Jetzt schwirrt gerade ein Trio Wiesenpieper über Bernhard Walters Kopf. Groß wie ein Spatz, aber um einiges graziler ist der kleine Vogel, den der Ornithologe an seinem scharfen „ististist“ erkennt. Der Wiesenpieper ist auf den feuchten Wiesen in Hörste und im Versmolder Bruch sogar Brutvogel. Die Störche waren jedoch auf dem Weg in ihr Winterquartier.

Klaudia Genuit-Thiessen

Mit dem Spektiv unterwegs in den Wiesen „im Fleer“ in Hörste: In den Zeiten von Corona hat Ornithologe Bernhard Walter (61) in den heimischen Naturschutzgebieten viel Zeit mit dem Kartieren verbracht.                                                    Foto:

Das schlagen hierzulande immer mehr und immer häufiger auch Silberreiher auf. Das leuchtend weiße Gefieder der Fremdlinge, die vor 20 Jahren hier noch zu den großen Unbekannten gezählt haben, fällt auf den Wiesen von weitem schon ins Auge, auch in diesem Herbst.

Gänse rufen sich

Auf dem Grünland hierzulande scheint sich der Weiße wohl zu fühlen. Wie die Blessgänse. 1000 von ihnen haben sich vergangenes Jahr im Bruch fett gefressen, dazu kamen noch 150 Saatgänse. Die nassen Wiesen zwischen Hörste, Kölkebeck, Oesterweg und Peckeloh werden „bei den arktischen Gänsen seit Jahren immer beliebter“, sagt Bernhard Walter, der Leiter der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld. Die Vögel, die sonst am Niederrhein oder am Dümmer überwintern, haben die Region in den Wintermonaten für sich entdeckt. Bernhard Walter: „Die Gänse rufen sich. Wo erst eine am Boden sitzt und grast, sind bald viele. Jedenfalls wenn die Ruhe da ist.“ Enorm wichtig für diese Arten seien nämlich ruhige Gebiete, in denen sie wenig gestört werden, weiß der Ornithologe.

Gedeckter Tich unter Eichen

Die Feuchtwiesen in den Naturschutzgebieten Hörste und im Versmolder Bruch seien inzwischen das ganze Jahr über von Bedeutung für die Vogelwelt, sagt er und berichtet von ganzen Trupps von Wacholderdrosseln (bei uns ein Brutvogel) und Rotdrosseln, die oft gemeinsam unterwegs sind. Wo es wie hierzulande in Wiesengebieten Hecken und Gehölzreihen gibt und sie Deckung finden, gefällt es den recht bunten Kurzstreckenziehern, die eine Drossel-Gesellschaft mögen. Neben vielen Eichelhähern, die hierzulande auch brüten, sind derzeit kleine Schwärme von Erlenzeisigen und Bergfinken zu beobachten. „Sie ziehen entlang von Hecken und Baumreihen“, berichtet Bernhard Walter von Eichen und Buchen gesäumten Feldwegen. Wo Autoreifen über Eicheln und Bucheckern rollen, finden sie in diesen Herbsttagen einen gut gedeckten Tisch.

Der kalte Nordost-Wind hat in der vergangenen Woche schon viele nordische Vögel nach Süden getrieben. Bernhard Walter: „Ich habe nicht nur größere Züge von Kranichen gesehen, sondern auch Rotmilane. Im Grenzgebiet Hörste/Borgholzhausen flogen neun von ihnen in niedrige Höhe, aber zügig nach Süden.“

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