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Nach der Auflösung: MGV Ravensberg übergibt Noten samt Schrank

Musikschule tritt das Erbe an

Halle (WB). Was bleibt, wenn der letzte Ton verklungen ist? Viele Erinnerungen der Sangesbrüder, vor allem aber stapelweise Notensätze. Der MGV Ravensberg, der sich nach 151 Jahren Anfang des Jahres aufgelöst hat, hat am Montag sein Erbe an die Musikschule Halle übergeben.

Margit Brand

Dem MGV ist eine Last genommen, die Musikschule nimmt das Erbe dankend entgegen: Zur Übergabe trafen sich Montag (von links) Birgit Schröter, Gerhard Heitkämper, Friedemann Engelbert, Christa Wille-Möller, Dieter Baars und Gerhard Wißmann. Foto: Margit Brand

Der Verein, der in Halle Geschichte geschrieben hat, ist nun selbst Geschichte. Dieter Baars, seit seinem 23. Lebensjahr im MGV Mitglied und zuletzt dessen Vorsitzender, gehört gemeinsam mit Gerhard Heitkämper und Gerhard Wißmann dem Liquidationsvorstand an. Ihnen fiel damit die undankbare Aufgabe zu, den Verein abzuwickeln. »Das war nach so vielen Jahren nicht immer einfach«, räumt Baars freimütig ein.

Die letzten 400 Euro

Der Musikschule das verbleibende Vermögen in Höhe von 400 Euro zu überweisen, damit es gemeinnützigen Zwecken zukomme, fiel nicht sonderlich schwer. Das gab die Satzung, die 2001 erstellt worden war, schließlich auch klar vor. Aber die Notenschränke in der Destille des Bürgerzentrums? Sich von Unterlagen zu trennen, die der MGV seinerseits von anderen aufgelösten Sängergemeinschaften übernommen hatte, sei noch möglich gewesen. »Aber unsere eigenen Noten, die uns über so viele Jahre lang begleitet haben, in den Müllsack stecken? Nein, das haben wir nicht übers Herz gebracht.«

Also hat der MGV auch die Aufgabe des (Aus-)Sortierens an die Musikschule vererbt. 300 bis 400 Notensätze sind sorgsam archiviert. Zum Teil sind sie sehr alt, selbst wenn sie nicht bis in die Gründungsphase nach 1868 zurückreichen.

Was für Tenöre und Bässe arrangiert ist, lässt sich zwar nicht ohne weiteres für Musikschüler verwenden, aber trotzdem ist Vorsitzende Christa Wille-Möller dankbar für das, was der MGV überlässt. »Das Volkslied als Kernzelle ist schließlich bis heute von Bedeutung und gehört durchaus ins Repertoire von Kinderchören«, sagt sie. Und dass Singen – zumal in Gemeinschaft – die Musikalität fördere, stehe außer Frage.

Ehrenplatz für den Notenschrank

Gemeinsam mit ihren Musikschul-Kollegen Friedemann Engelbert und Christa Schröter versicherte sie den zuletzt verbliebenen 18 Sangesbrüdern, dass das Erbe gut aufgehoben sei. Für den kunstvollen Notenschrank sehen die drei schon einen Ehrenplatz in den neuen Räumlichkeiten der Musikschule.

Das Möbel ist in der Tat ein besonderes Erbstück. Außen ist es mit der Aufschrift MGV Ravensberg verziert, innen haben einige Chormitglieder kunstvoll weiter gearbeitet und ihm ein durchdachtes Innenleben verpasst. Allein 40 Mini-Schubladen lassen sich aufziehen. Für eine geordnete Übergabe genau das Richtige.

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