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Geplatzter London-Trip der Realschule Halle beschäftigt nun auch den Stadtrat

Neue Klassenfahrt nach Absage wegen Terror?

Halle (WB). Die wegen Sorgen vor weiteren Terroranschlägen abgesagte Klassenfahrt der Realschulklasse 10d nach London hat auch den Haller Stadtrat beschäftigt.

Stefan Küppers

Szene aus London kurz nach dem Terroranschlag in einer U-Bahn am Freitag. Weil kurzzeitig die höchste Terrorstufe galt, entschied man sich in Halle zur Absage einer Klassenfahrt. Foto: dpa

Auf eine Anfrage aus der CDU-Fraktion hin, ob sich die Stadt als Schulträger nicht an den Kosten für eine neue Klassenfahrt beteiligen könne, zeigte sich Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann grundsätzlich offen. »Wenn hier Unterstützungsbedarf ist und die Schule ein außerordentliches Anliegen hat, muss die Schule an uns als Verwaltung herantreten«, sagte sie.

 Wie ausführlich berichtet (WB vom 19. September), haben der Klassenlehrer und die Eltern der betroffenen Schüler am vergangenen Freitagabend gemeinsam entschieden , dass eine für den darauffolgenden Montag gebuchte einwöchige Klassenfahrt nach London abgesagt wurde. An dem Freitag war in der Londoner U-Bahn ein Sprengsatz gezündet worden, bei dem 22 Menschen verletzt wurden. Noch am Freitag und Samstag hatten die britischen Behörden die höchste Terrorwarnstufe für London ausgegeben, was die Entscheidung von Lehrern und Eltern bestärkte.

Die knapp 400 Euro Reisekosten pro Schüler waren bei einer so kurzfristigen Absage freilich verloren, weil es auch keine offizielle Reisewarnung gab.

Anderes Reiseziel

Vom Reiseveranstalter hat es nach Auskunft von Realschul-Konrektorin Simone Brigas bislang keine weiteren Auskünfte gegeben, ob und wie Reisekosten auf Kulanzbasis vielleicht doch noch erstattet werden.

Auf jeden Fall soll die Fahrt nachgeholt werden, dann aber wohl an einen anderen Ort. Damit die Eltern nicht ein zweites Mal die Kosten aufbringen müssen, will die Realschule, die in zwei Jahren zugunsten der neuen Gesamtschule ausgelaufen sein wird, zunächst prüfen, wo vielleicht noch eigene Finanzmittel zur Verfügung stehen. Weiterhin gibt es Überlegungen, dass die Klasse 10 d ihre neue Klassenfahrt auch mit einem Sponsorenlauf finanzieren könnte.

Weil die 26 Zehntklässler in dieser Woche nicht wie geplant unterwegs waren, sondern die Schulbank drückten, organisierte Klassenlehrer Reinhold Borutta am Donnerstag einen gemeinsamen Kinobesuch. Es sollte ein lustiger Film geschaut werden.

Hinweise vom Schulministerium

Nach dem jüngsten Terroranschlag in London hat das NRW-Schulministerium Hinweise für Schul- und Klassenfahrten nach Großbritannien herausgegeben. Neben Informationen über die gültigen Terrorwarnstufen im Vereinigten Königreich gibt es für Lehrkräfte auch Hinweise der Landesstelle Schulpsychologisches Krisenmanagement. Lehrer sollen demnach sachlich informieren und deutlich machen, dass es sehr unwahrscheinlich sei, von einem solchen Ereignis direkt betroffen zu sein.

»Achten Sie im Kontakt mit Betroffenen darauf, selbst möglichst ruhig und gefasst zu wirken«, heißt es in Richtung Lehrer. Die Aufmerksamkeit der Schüler solle auf positive Aspekte gelenkt werden, auf das, was ihnen Freude mache. Die Lehrer sollten zudem besorgte Schüler zu gemeinsamen Aktivitäten mit wenig besorgten Klassenkameraden anregen. Schließlich empfehlen die Psychologen, Medienberichte auszuwählen und zu dosieren. »Ständige Wiederholungen von Berichten über Terroranschläge verunsichern zusätzlich«, heißt es in dem Papier.

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