OP-Schwester ist sehr wahrscheinlich infiziert – Plan für wieder ein normalisiertes Operations-Geschäft ist aktuell nicht umsetzbar

OP-Team am Klinikum Halle muss in Quarantäne

Halle (WB). Bislang hatte sich die Corona-Lage am Haller Klinikum insgesamt so günstig entwickelt, dass eine langsame Öffnung hin zu mehr Normalität im Klinikablauf angestrebt wurde. So plante der Chefarzt für Allgemeinchirurgie und neue Ärztliche Direktor des Haller Klinikums, Dr. Michael Feltkamp, bereits für die nächsten Tage die allmähliche Wiederaufnahme auch von den Operationen, die wegen der Konzentration auf die Corona-Krise zunächst hintenan gestellt worden waren. Doch jetzt kommt alles anders. Denn der Covid-19-Blitz hat jetzt doch noch mitten in die Haller Operationsmannschaft eingeschlagen. Und das hat unschöne Konsequenzen.

Stefan Küppers

An dem Klinikum in Halle ist eine OP-Schwester sehr wahrscheinlich mit dem Covid-19-Virus infiziert. Aus diesem Grund muss nun der größte Kollegen aus dem Operationsteam am Klinikum in eine zweiwöchige Quarantäne. Foto: Stefan Küppers

Chirurgie-Chefarzt muss sich einige Zeit behelfen

Wie Dr. Michael Feltkamp dem WB erläuterte, steht eine in Melle wohnhafte OP-Schwester unter Verdacht, mit dem Corona-Virus infiziert zu sein, weil sie zum einen Symptome zeige und zum anderen ihr Lebensgefährte eine bestätigte Corona-Erkrankung habe. Die Folge fürs Klinikum ist unerfreulich. Denn als Kontaktpersonen zur mutmaßlich erkrankten Schwester müssen laut Feltkamp drei Viertel der OP-Mannschaft (acht Personen) in eine zweiwöchige Quarantäne gehen.

„Ich muss nun zusehen, dass ich mit den verbliebenen zwei Kollegen und einer weiteren Honorarkraft aus Bielefeld die nächsten Wochen über die Runden komme“, informierte er. Er selbst habe mit besagter OP-Schwester auch einmal am OP-Tisch gestanden. Doch wegen der vorhandenen Schutzanzüge und der besonderen Luftverhältnisse im OP-Saal, die eine Viren-Verbreitung noch einmal zusätzlich unterdrückten, sei in Absprache mit den Gesundheitsbehörden entschieden worden, dass er selbst unter Beobachtung stehe, aber im Dienst bleiben könne, berichtete Feltkamp.

„Notfall-Versorgung am Klinikum ist immer sichergestellt“

Der aktuelle Personalmangel verhindert also, dass kurzfristig wieder mit den sogenannten elektiven Operationen in Halle gestartet werden kann. Das sind ausgewählte Eingriffe, wie zum Beispiel Gallensteine, die zuletzt bewusst zurückgestellt worden waren, um Kapazitäten für die Bewältigung der Corona-Krise zu schaffen. Dringende Notfälle hingegen seien auch über die Corona-Krisenzeit hinweg am Klinikum Halle behandelt und operiert worden, wie Dr. Feltkamp betont. Wichtig ist ihm herauszustellen, dass Patienten sich bei Erkrankungen nicht unnötig zurückhalten und damit zum Beispiel einen Blinddarm-Durchbruch riskieren, wie es schon vorgekommen sei. „Die Notfall-Versorgung am Klinikum Halle ist immer sichergestellt. Schwerkranke sollten auch in der aktuellen Situation nicht warten mit dem Melden, damit sie nicht gleich intensivpflegerisch versorgt werden müssen“, appelliert der Ärztliche Direktor. Derzeit gibt es am Klinikum Halle nur drei bestätigte und drei Covid-19-Verdachtsfälle auf den Stationen.

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