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Kommentar zur Haller Schulpolitik und ihren Hintergründen

Politische Dickköpfigkeit und langfristige Folgen

Halle

Die abermals sehr enttäuschenden Anmeldezahlen für die Gesamtschule Halle haben ihre Hauptursache in der Fehleinschätzung des politisches Lagers im Stadtrat, das vor Jahren die neue Schule gegen alle Widerstände durchgesetzt hat, meint der WB-Kommentator.

Stefan Küppers

Die Gesamtschule Halle hat jetzt nur 67 Anmeldungen für die neuen fünften Klassen (bei einer Aufnahmekapazität von 108) erhalten und droht in eine dauerhafte Dreizügigkeit abzusinken, was insbesondere Probleme später für den Schülerbesatz in der Oberstufe mit sich bringen kann. Foto: Küppers

Im jüngsten „Flockdown“ wird es vielen Bürgern womöglich nicht aufgefallen sein: Aber auch politisch hat es in Halle einen Wintereinbruch gegeben. Was das heißt, wird die Ratssitzung am Mittwoch zeigen, wenn über den Haushalt abgestimmt wird. Hier könnte es passieren, dass nicht nur die CDU als größte Fraktion, sondern auch Bürgermeister Tappe seinen ersten eigenen Haushalt selbst ablehnen wird. Der Streit um den Alleestraßen-Umbaus sowie die möglichen Gefahren für den Verlust von Millionen-Fördergeldern bei ISEK-Projekten ist hier mehrfach dargestellt worden. Wichtig an all dem ist vor allem das politische Signal, dass sich die alte Gestaltungsmehrheit von Grünen, SPD und UWG unterhakt und zeigt, wie durchsetzungsstark sie sein kann.

Diese Durchsetzungsstärke hat das Dreierbündnis übrigens schon mal bei der Gründung der Haller Gesamtschule gezeigt, als es sich selbst von Klagen der Nachbarkommunen nicht aufhalten ließ. Die Spätfolgen dieser Kopf-durch-die-Wand-Politik zeigen sich heute. Die kleine Schule droht trotz hoher Investitionen gar in eine strukturelle Dreizügigkeit abzusinken. Der Gesamtschule selbst die Schuld für diese Entwicklung zu geben, greift viel zu kurz. Hauptursache ist die ideologisch motivierte Fehleinschätzung der damaligen Ratsmehrheit, welche Schulen Haller Eltern für ihre Kinder auf lange Sicht bevorzugen würden. Die Anmeldeerfolge der Realschule Steinhagen sprechen Bände.

Für die damalige Dickköpfigkeit in Sachen Gesamtschule haben Grüne, SPD und UWG bis heute keine politische Verantwortung übernommen. Was Fragen für das politische Hier und Jetzt provoziert: Kann es sein, dass es den Überzeugungstätern aus diesem Lager an Urteilsvermögen mangelt? Und was bedeutet es für Halle, wenn die Verkehrspolitik langfristig genauso verunfallt wie die Schulpolitik dieses Lagers?

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