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Kommentar zu Erweiterungsplänen in Halle

Politischer Spagat zu Storck

Am Mittwoch sind 160 Bürger ins Eventcenter geströmt, um eine mehr als vierstündige Sitzung zur Storck-Erweiterung zu verfolgen. Man darf feststellen: Viele Haller sind interessiert und haben Lust auf Politik. Das ist gut so. Dabei lief an dem Abend die politische Auseinandersetzung fair und gesittetet ab. Und es war interessant zu beobachten, dass beim Storck-Termin selbst aus den Reihen der Kritiker nicht die Aufregung erzeugt wurde, wie sie Halle bei früheren Konflikthemen (A33!) erlebt hat.

Stefan Küppers

Die Erweiterungspläne von Storck und die daraus resultierenden Wasserrechtsfragen finden ein großes öffentliches Interesse, wie der Andrang während der jüngsten Sitzung im Eventcenter zeigt. Foto: Stefan Küppers

Womöglich lag es daran, dass von Seiten des Unternehmens in ungewöhnlich offener Form über Hintergründe der konfliktträchtigen Punkte Wald und Wasser informiert wurde. Derartige Erklärungsbereitschaft von Unternehmen ist eher selten. Viele Kritiker werden nun womöglich trotzdem bei ihrer ablehnenden Position bleiben und dies weiterhin mit Klimawandel oder „Grenzen des Wachstums“ begründen.

Doch auch diese Kritiker müssten eigentlich zugeben, dass angesichts der Fülle von Unterlagen und differenzierten Erläuterungen entscheidende Fragen eben nicht mehr wirklich offen sind. Gerade die als sensibel empfundenen Wasserfragen sind so umfänglich erklärt worden, dass das Handeln von Storck mindestens nachvollziehbar erscheint.

Als Bühne für ein emotionalisiertes Wahlkampfthema taugt die Storck-Erweiterung jedenfalls nicht. Den Grünen, die sich ausweislich ihres Abstimmungsverhaltens nicht einig sind, ist mehrfach bedeutet worden, wie sensibel Wirtschaftsfragen an einem wirtschaftsstarken Standort gesehen werden. Die grüne Bürgermeister-Kandidatin hat dies bei der Podiumsdiskussion unter der Woche bei Jäckel (hier kam Ravenna-Park II zur Sprache) als auch in der Storck-Sitzung erfahren, wo der einstigen Wirtschaftsfördererin sowohl von CDU als auch pointiert von der SPD die politischen Leviten gelesen wurden. Die Kandidatin hat gezeigt, dass sie sich wehren kann. Doch man darf gespannt sein, wie die Grünen bis zum Wahltag ihren Storck-Spagat mit den Umweltverbänden hinbekommen wollen.

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