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Storck-Einsatzkräfte sind wieder anerkannt als Betriebsfeuerwehr

Profis auch im Pumpensumpf

Halle (WB). Beim Unfall mit Chlorgas retten die Brandbekämpfer in der Bonbonfabrik Verletzte und evakuieren ganze Abteilungen. Aber die Profis aus der Betriebsfeuerwehr haben womöglich auch schon den letzten Kammmolch im Tatenhausener Wald befreit – nämlich aus dem Pumpensumpf unter einem Sprinkler.

Klaudia Genuit-Thiessen

Antreten zur Einsatzübung: Neun mal im Jahr treffen sich die Betriebs-Blauröcke zu Übungen im Werk. Dazu gehört natürlich auch die alte Oberwelland-Villa.

Die eher drollige als dramatische Aktion gehört für die Einsatzkräfte beim »Süßen Riesen« Storckin Halle zum Alltag. Sie sind die ersten auf dem Werksgelände, die Katastrophen verhindern und im Ernstfall helfen. Sie streuen Ölspuren ab, löschen kleinere und größere Brände. Sie sind gefragt bei ABC-Lagen wie dem Chlorgasunfall vor Jahren und wenn Kollegen Hilfe brauchen. Seit wenigen Monaten sind die Storckianer wieder anerkannte Betriebsfeuerwehr: eine organisierte und schlagkräftige, 28 Mann starke Truppe.

Voll auf der Höhe der Ausbildung

Bei Storck sind sie Feuer und Flamme für die Feuerwehr: Leute aus dem Zentrallager und der Produktion, aus der Zentral- und Werktechnik, aus dem Labor, dem IT-Bereich und sogar aus der Verwaltung. Und voll auf der Höhe in Sachen Ausbildung und Wissen.

Jeder von ihnen ist auf dem Wissensstand eines Freiwilligen Feuerwehrmannes, berichtet Dieter Barzik nicht ohne Stolz. Der 62-Jährige hat reichlich Erfahrung. Im Löschzug Halle war er zweiter Mann, bei der ABC-Einheit des Kreises sogar Leiter. Der Chef der Storck-Wehr ist gleichzeitig standortübergreifender Brandschutzbeauftragter des Unternehmens. »Die Hälfte unserer Kollegen ist parallel in der öffentlichen Wehr«, sagt auch Frank Peperkorn. Der 53-Jährige, der bei Storck in Zentraltechnik/Tischlereiarbeitet und in Werther stellvertretender Löschzugführer ist, steht Barzik als Vize zur Seite.

Vor 40 Jahren hat man in Sachen Feuerwehr noch vom »ozeanischen Löscheffekt« gesprochen. Die Zeiten sind längst vorbei. Der Arbeitgeber hat weder an Ausbildung noch an Ausrüstung gespart. Storck stellt ein Gerätehaus zur Verfügung, zwei Fahrzeuge und Gerätschaften von Gasmessgeräten über Stromerzeuger, Atemschutz und Hochrucklüfter bis hin zur einem Höhenrettungssatz und Chemikalienschutzanzügen. Jeder Feuerwehrmann ist Ersthelfer und zusätzlich fit in allen Herausforderungen, die bei der Produktion von Riesen, Mamba und Campino, Toffifee und Lachgummi auftreten: beim Umgang mit Gaslöschanlagen, Sprinklern, beim Freimessen von Räumen und Behältern, ja sogar bei der Rettung vom fast 30 Meter hohen Hochregallager.

»Wir sind keine chemische Industrie«

Neben Zucker, Sahne und Nüssen hat man es im Betrieb vorwiegend mit Putzmitteln und Ammoniak für die Kühlung zu tun. Es gab zwar vor Jahren schon mal ein Leck an einer Salzsäure-Übergabestation. Vor allem geht es für die Werkswehr aber um die Wartung von Melde- und Sprinkleranlagen und den vorbeugenden Brandschutz. »Glücklicherweise sind wir ja keine chemische Industrie«, sagt Dieter Barzik.

Störungen irgendwo im Betrieb sind an der Tagesordnung. Wenn nicht gerade ein Kühlschrank im Entwicklungslabor einen Brand auslöst wie vor 20 Jahren oder ein Lkw am Werkstor flüssigen Kunststoff verliert wie 2014, dann piept vielleicht ein hoch empfindlicher Sensor unterm Sprinkler. Zum Beispiel wenn ein Schwanzlurch »Froschalarm« auslöst. Dieter Barzik: »Wir rücken dann einfach zur Tierrettung aus und wildern den Molch im Ruthebach aus.«

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