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Wissenschaftlerin löst für 60 Zuhörer Rätsel der Inschriften auf dem jüdischen Friedhof

Ruhestätten für die Ewigkeit

Halle (WB). Die Inschrift auf dem ältesten Grabstein gilt Sara Goldstein, der Tochter des geehrten Menachem und Gattin von Mosche Goldstein. Mit 52 Jahren ging sie ein in das ewige Leben. Wann? Dafür verwendete ihre jüdische Familie in Halle eine Formel, die wohl schon viele rätseln ließ: »Wir verbringen unsere Jahre wie Geschwätz«.

Klaudia Genuit-Thiessen

Anke und Paul Erdlen haben Anna Martin (Mitte) vom Steinheim-Institut für einen Vortrag gewonnen.                                                                                              Foto:

Diese hebräischen Buchstaben haben einen Zahlenwert, der addiert – und ein wenig korrigiert – zum Jahr 1845 hinführt. Einer von drei Buchstaben des Chronogramms sei nicht richtig gezeichnet, sagte Anna Martin vom Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte am Dienstag in der Remise.

Gut 60 interessierte Zuhörer nutzten im Bürgerzentrum die Gelegenheit, sich auf Einladung der Initiatoren Anke und Paul Erdlen über die jüdische Bestattungskultur im Allgemeinen und den jüdischen Friedhof an der Moltkestraße im Besonderen zu informieren. Wie berichtet ist das Areal mit den 46 erhaltenen Grabsteinen seit kurzem wissenschaftlich dokumentiert und über die Datenbank Epidat nutzbar. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Essener Instituts hat Anna Martin die Daten gesammelt und online gestellt. Wobei die Arbeit wie an allen Projekten des Institutes wohl nie abgeschlossen ist. »Korrekturen werden immer noch eingearbeitet. Das hält die Friedhöfe auch lebendig«, sagte die Referentin.

Sparsam verzierte Grabmale

Das Gräberfeld in Halle sei einmal mindestens 25 Meter länger gewesen, erinnerte Heimathistoriker Wolfgang Kosubek. Dort sind erhalten 14 Grabsteine für Männer und 24 für Frauen sowie einige verwitterte, beschädigte oder halb im Boden versunkene Steine. Vermutlich hatten die Grabstätten mal eine Einfassung aus Metall.

Ein jüdisches Grab wird für die Ewigkeit angelegt. Und zwar möglichst noch am Todestag des Verstorbenen. Während vielerorts den Toten nur an weit außerhalb gelegenen und schwer erreichbaren Flecken Ruhe gewährt wurde, liegt der vor 1824 entstandene Haller Friedhof noch recht nahe der Innenstadt.

An den Zeichen auf jüdischen Grabsteinen lässt sich zwar oft mehr ablesen als nur Namen und Daten. Doch die Grabmale in Halle sind nur spärlich geschmückt: hie und da mit Blumen, floralen Ornamenten, mit dem Davidstern und anderen Sternen. Und zwar nicht nur bei denen der Familie Stern, die dort neben den Alexanders und Goldsteins, Wissbruns und Isenberg liegen. »Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des Lebens«. Wer mehr erfahren möchte über die Inschriften findet Informationen unter www.steinheim-institut.de

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