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Komplizierte und aufwendige Sicherungsmaßnahmen im Steinbruch Hesseln erforderlich

Rutschgefahr soll gebannt werden

Halle-Hesseln

Vor mittlerweile neun Jahren war es im Hesselner Steinbruch Dieckmann zum Abrutschen von Felsmassen aus einer 65 Meter hohen Böschungswand gekommen, wobei sogar ein Bagger begraben wurde.

Stefan Küppers

Blick aus der Vogelperspektive auf den Steinbruch Diekmann und die Felswand, an der weitere Rutschungen durch Sicherungsmaßnahmen verhindert werden sollen.Dazu soll der Kuppenbereich durch Abtragen von Steinmassen entlastet werden, indem durch die geschützten Waldbereiche eine Zuwegung für Bagger geschaffen wird. Foto: Ulrich Fälker

(WB). Obwohl in dem fraglichen Bereich nunmehr seit Jahren nicht mehr gearbeitet und auch das Unternehmen Dieckmann dem Vernehmen nach den Steinbruch nur noch eine überschaubare Zeit überhaupt nutzen wird, soll eine weitere Hangrutschung unbedingt verhindert werden. Zu dem komplexen Problem hat der Haller Umweltausschuss jetzt eine Stellungnahme im Rahmen eines gemeindlichen Einvernehmens zu einem Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz abgegeben.

Landschaftsarchitekt Rainer Brokmann führte dem Ausschuss die Gefährdungslage vor Augen. Demnach gibt es Gefahrenpotenzial sowohl im Steinbruch selbst als auch in angrenzenden Bereichen. Rutschungen gebe es von der Bergkuppe bis zur unteren Berme (unterer Absatz in der Böschung). Im Kuppenbereich sei eine fortschreitende Rissbildung zu beobachten. Und: Weitere Gebirgsabgänge sind zu erwarten. Das Fazit des Fachmanns: „Zur geplanten Hangsicherung besteht keine Alternative!“.

Nach der bisherigen Planung sollen die Sicherungsmaßnahmen in zwei Stufen erfolgen. Zunächst sollen durch Baumfällungen noch in diesem Winter ein Zuwegung für Bagger geschaffen werden, sodass der gut 2200 Quadratmeter große gefährdete Kuppenbereich für erste Sicherungsmaßnahmen zugänglich wird. Im zweiten Schritt, der drei bis fünf Jahre später erfolgen soll, ist eine dauerhafte Sicherung der Kuppe insoweit vorgesehen, dass bis zum vorhandenen Riss in der Wand ein Zwischenplateau mit terrassenförmiger Abstufung (zwischen 190 und 216 Meter über NN) geschaffen wird, um durch das Vermindern von Druck künftiges Felsabrutschen zu verhindern. Damit der Gefahrenbereich nicht mehr betreten werden kann, sind auch neue Einzäunungen Teil der Maßnahmen.

Komplex und naturschutzrechtlich relevant ist das Problem, mit dem die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis Gütersloh maßgeblich befasst ist, unter anderem auch deshalb, weil von dem instabilen Hang auch ein FFH-relevanter Waldmeister-Buchenwald auf insgesamt rund 1600 Quadratmeter betroffen ist. Für die Sicherung des Artenschutzes sollen Fledermausnistkästen in benachbarten Buchenwäldern angebracht sowie Uhu-Niststellen in den Felswänden gesichert werden.

Im Ausschuss entwickelte sich schließlich eine sehr rege Diskussion, ob es nicht doch Alternativen zu der aufwendigen und für die Natur eingriffsintensiven Sicherungsmaßnahme im Kuppenbereich gibt. Ausschussvorsitzender Dieter Jung (Grüne) erinnerte an die Baumfällungen und Bodenverdichtungen durch Befahren mit schweren Gerät. Er hinterfragte die Gefährlichkeit von Arbeiten mit einem tonnenschweren Bagger im Kuppenbereich. Ulrike Niemeier-Müller (SPD) brachte mögliche Erdaufschüttungen an der Böschungswand ins Gespräch, um den Hang dauerhaft vor weiteren Felsrutschungen zu bewahren. Dazu müsste Boden wie auf einer Bodendeponie aus dem Kreis und darüber hinaus angekarrt werden.

Fachplaner Reinhard Brokmann wies darauf hin, dass sich der Kreis Gütersloh als Genehmigungsbehörde ein solches Anschüttungsverfahren zu Hangsicherung nicht vorstellen kann. Fachbereichsleiter und Bauamtschef Jürgen Keil überschlug grob, dass bei der vorhandenen Breite des gefährdeten Hangs und einer aufzuschüttenden Höhe von 80 Metern mindestens 800.000 Kubikmeter Boden herbeizuführen seien. „Wie viele Lkw-Ladungen sind das wohl“, hinterfragte Keil und riet ab.

Am Ende fasste Umweltausschuss folgenden Beschluss: „Das gemeindliche Einvernehmen für den ersten Räumungsabschnitt zur Sicherung des Kuppenbereiches und der Hangrutschung (...) wird erteilt. Vor dem zweiten Räumungsabschnitt ist eine Prüfung alternativer Sicherungsmaßnahmen durchzuführen. Der Eingriff und der Materialabtrag sind durch eine ökologische und ingenieurgeologische Baubegleitung in enger Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde möglichst gering zu halten. (...)“.

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