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Polizei nennt Unfallzahlen – Sollte auf Radwege wirklich verzichtet werden?

Skepsis wegen Tempo-30-Zone Alleestraße

Halle(WB). Ist eine Tempo-30-Zone, die keine eigenen Radwege oder Radfahrstreifen vorsieht, die bessere Lösung für Radfahrer? Aus Sicht der Polizei wird diese Frage skeptisch bewertet, gerade auch im Hinblick auf die künftige Gestaltung der Alleestraße.

Stefan Küppers

So voll ist es oft auf der Alleestraße. Würde sie Tempo-30-Zone, müssten Radfahrer die Straße mitbenutzen. Foto: Klaus-Peter Schillig

Die Diskussion um mehr Verkehrssicherheit an der Alleestraße geht weiter. Unfallzahlen der Kreispolizeibehörde untermauern, dass im Zuge dieser wichtigen Ortsdurchfahrt Probleme für Radfahrer und Fußgänger gelöst werden sollten. Einen regelrechten Unfallhäufungspunkt gibt es dort allerdings nicht.

32 Verkehrsunfälle in dreieinhalb Jahren, aber kein Unfallhäufungspunkt

Polizeihauptkommissar Lutz Peisker von der Führungsstelle Verkehrsdirektion hat auf Anfrage die Unfallzahlen für die Alleestraße beziehungsweise untere Bahnhofsstraße (zwischen den Aufmündungen Schlammpatt und Kättkenstraße) zusammengestellt. Danach gab es zwischen Januar 2014 und Juli 2017 in dem Streckenabschnitt 32 Verkehrsunfälle mit vier Schwer- und 20 Leichtverletzten. Bei diesen Unfällen wurden elf Radfahrer verletzt. Drei Radfahrer waren laut Polizeistatistik selbst Unfallverursacher, zwei davon waren alkoholisiert. Wie der Sachbearbeiter weiter mitteilt, waren unter den zehn verletzten Fußgängern drei, die ihren Unfall selbst verursacht hatten.

Bei regelrechten Unfallhäufungspunkten werden Polizei und Straßenverkehrsamt meistens schnell tätig. Eine Voraussetzung dafür ist, dass ein artgleicher Unfall an einer Stelle mindestens drei Mal im Jahr vorkommt. Ein solcher Unfallhäufungspunkt ist an der Alleestraße/Bahnhofsstraße laut Hauptkommissar Peisker nicht registriert. Dennoch gebe es kritische Stellen für Radfahrer beispielsweise an den Einmündungen Kaiserstraße und Goebenstraße sowie am Bahnhof.

Kleinere Umbauten für mehr Sicherheit waren schon immer geplant

Wegen der allgemein empfundenen Unübersichtlichkeit gerade an den Straßenaufmündungen hat es schon seit Jahren immer wieder Überlegungen zur Verbesserung der Situation an der Alleestraße gegeben. Bereits vor Jahren waren für eine Umgestaltung der Straßennebenanlagen etwa 700 000 Euro in den Haushalt eingestellt worden. Für eine solche kleine Lösung für mehr Verkehrssicherheit könnte es Fördermittel des Landes geben, hieß es stets aus dem Rathaus.

Nunmehr ist ein großer Umbau der Alleestraße (vom Bahnhof bis zum Schlammpatt) für 2,8 Millionen Euro im Gespräch. Für die untere Bahnhofsstraße kämen weitere etwa 650 000 Euro hinzu. Eine solch grundlegende Straßenerneuerung wäre nach bisheriger Einschätzung der Verwaltung auch von Anliegern mitzufinanzieren, weil durch Verbesserungen eine Beitragspflicht entstünde.

Radfahrer ausgerechnet auf Hauptverkehrsstraße runter von den Radwegen?

Gefragt nach seiner persönlichen Einschätzung beurteilt Hauptkommissar Peisker zwei Varianten als besonders sicher für Fahrradfahrer: zum einen Radwege in beide Richtungen als Nebenanlage, zum anderen Radfahrstreifen im Fahrbahnbereich, die besonders markiert sind. Dadurch werde die Fahrbahn zwar schmaler, aber es seien gute Erfahrungen gemacht worden, weil die Radfahrer so sichtbarer würden.

Der bislang geplante Umbau der Alleestraße in eine große Tempo-30-Zone hingegen würde Radwege und Radfahrstreifen hinfällig machen. Weil nur noch maximal 30 km/h gefahren werden darf, wird eine reguläre Straßenmitbenutzung durch Radfahrer als zumutbar eingeschätzt. Hauptkommissar Peisker macht aus seiner Skepsis keinen Hehl. Denn die Alleestraße sei als eine der wichtigen Ortsdurchfahrten stark befahren. »Ich weiß nicht, ob man damit dem Verkehrsfluss gerecht werden kann«, sagt er. Am 11. Oktober soll der Öffentlichkeit die von Verkehrsplaner Dr. Kaulen entwickelte Planung für die Alleestraße vorgestellt werden.

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