Fachbereichsleiterin informiert über Lage der Flüchtlinge in Halle – viele haben Arbeit bei Amazon in Rheda-Wiedenbrück gefunden

Sprachkurse sind derzeit ein echtes Problem

Halle

Was die Unterbringung angeht, hat sich die Lage für Flüchtlinge in Halle verbessert. Auch haben einige Arbeit bei Amazon gefunden. Doch ein großes Problem sind die Sprachkurse für Flüchtlinge, von denen die meisten ausfallen oder, wenn sie online durchgeführt werden, viele Flüchtlinge keine Technik dafür haben.

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Solche Sprachkurse für Flüchtlinge sind in der Pandemie in Halle kaum möglich, unter anderem weil für Onlineunterricht Flüchtlingen technische Möglichkeiten fehlen. Foto: Krammenschneider

Regina Höppner, Fachbereichsleiterin im Haller Rathaus, hat wegen des Corona-bedingt abgesagten Sozialausschusses in dieser Woche die Kommunalpolitiker in einem Newsletter ausführlich über die aktuelle Lage der Flüchtlinge in Halle informiert. Als besonderes Problem schildert Höppner dabei insbesondere den Ausfall von Sprachkursen, was bereits seit vielen Monaten in der Pandemie zu beklagen ist.

In städtischen Unterkünften sind noch 112 weitere Plätze frei.

Wie Höppner ausführt, leben in den städtischen Unterkünften derzeit 159 Personen, davon 40 Frauen und 57 Kinder. Bei einer Gesamtbelegung wären maximal 112 Plätze in den Unterkünften frei. Von den 159 Personen sind 27 Personen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit und 132 Personen als ausländische Flüchtlinge untergebracht. Wie die Fachbereichsleiterin ausführt, leben mittlerweile 362 ausländische Flüchtlinge in privat angemieteten Wohnungen, überwiegend im Bestand der Kreiswohnstättengenossenschaft (KWG).

Große Familien haben weiterhin Probleme, Wohnungen zu finden.

Die Wohnsituation in den städtischen Unterkünften hat sich weiter entspannt, da laut Höppner für mehrere Personen privater Wohnraum vermittelt werden konnte. Jedoch mangele es weiter an bezahlbarem Wohnraum, gerade für größere Familie und Einzelpersonen. Familien, die bereits in privaten Wohnraum leben, erwarteten weiteren Nachwuchs und bräuchten demnach auch größere Wohnungen, so die Fachbereichsleiterin.

Ausführlich nimmt Höppner zum Problem der Sprachkurse Stellung, von denen wegen der Pandemie viele nicht stattfänden. Zwar würden einige Sprachkurse online durchgeführt. Problem beim flächendeckende Online-Unterricht aber sei, dass viele der Teilnehmer keine passende technische Ausrüstung haben. Auch gestalte sich zum Beispiel die Alphabetisierung per Online-Unterricht schwierig, so Höppner.

Alphabetisierungs-Kurse funktionieren online nicht.

„Durch die fehlenden Sprachkurse und die damit verbundene fehlende Praxis verschlechtern sich die Sprachkompetenzen der geflüchteten Personen“, warnt Regina Höppner. Auch gehe durch den fehlenden Sprachkurs die Tagesstruktur verloren. Es sei sehr viel freie Zeit vorhanden, die nicht selten ungenutzt im Sinne eines konstruktiven Tagesverlaufes verstreiche.

Positiv sei, merkt Höppner an, dass die Volkshochschule plant, Sprachkurse wieder aufzunehmen. Im Hinblick auf die Durchführbarkeit und Hygienekonzepte unterstütze die Stadtverwaltung beratend. Die Flüchtlingsberater und die ehrenamtlich engagierten Bürger versuchten die Herausforderungen durch Angebote, Gespräche so gut als möglich abzufedern, lobt die Fachbereichsleiterin.

Abschließend informiert Höppner darüber, dass einige der noch im Asylverfahren befindlichen als auch der anerkannten Flüchtlinge bei Amazon (in Rheda-Wiedenbrück) eine Beschäftigung gefunden haben. Wenn sie kein Auto hätten, dann nähmen sie dafür einen zeitintensiven Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Kauf. Das Unternehmen Amazon komme ihnen hinsichtlich günstig gelegener Schichten entgegen, informiert Höppner. Die Arbeitsverhältnisse seien bisher meist befristet. Auch ist es nach Einschätzung der Behördenvertreterin sehr positiv, dass viele der jungen meist afghanischen Männer bereits seit mehreren Jahren in einem festen Arbeitsverhältnis stehen.

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