Letzter Schritt vor Satzungsbeschluss: Politik berät nächste Woche 329 Seiten Vorlage

Storck-Erweiterungsplanung biegt auf Zielgerade ein

Halle

Es sind diesmal 329 Seiten Vorlage, mit denen sich die Haller Politik vor dem Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan für die Storck-Erweiterung befassen soll. Laut Storck-Vertretern investiert das Unternehmen rund zehn Millionen Euro in verschiedenste (auch Umwelt-)Maßnahmen, bevor eine erste neue Produktionshalle gebaut werden kann.

Stefan Küppers

Mit dieser Ansicht von Altgebäuden (grau), jüngeren Neubauten (türkis) erfolgten Nachverdichtungen (lila) sowie geplanten Neubauten (in weiß) im Zuge der Erweiterung will Storck darlegen, dass zur Verfügung stehende Räume bestmöglich genutzt werden Foto: Storck

Das große Planverfahren für die Erweiterung des Süßwarenriesen Storck geht in seine finale Phase. Kommende Woche Dienstag, 20. April, 17.15 Uhr tagt der Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss, dem eine 329 Seiten lange Vorlage zum Abschluss des zweiten Schrittes zur Öffentlichkeitsbeteiligung (der Offenlage) vorgelegt wird. Der Stadtrat kann dann am 28. April einen Satzungsbeschluss fassen, womit der B-Plan rechtsverbindlich würde.

Stadt schreibt sehr ausführliche Erwiderungen auf kritische Einwendungen.

Auch während der Offenlage sind zahlreiche Einwendungen vorgetragen worden, zuletzt auch noch im Zusammenhang mit der Waldbesetzung im März, die bekanntlich ohne Räumung beendet worden war, weil insbesondere Storck von der Durchsetzung von Rechten mit Polizeigewalt absehen wollte. Auf den 329 Seiten Vorlage sind neben Stellungnahmen von Behörden auch teils sehr ausführliche Einwendungen von einzelnen Bürgern oder auch Gruppen dokumentiert. Hierzu gibt es auch sehr ausführliche Entgegnungen seitens der Stadt Halle, nachzulesen über das Bürgerinfoportal der Stadt (www.hallewestfalen.de). Bei einem Pressegespräch nutzten Jürgen Keil und Michael Flohr als Vertreter der Haller Bauverwaltung sowie Prokurist Boris Bödecker und Technischer Direktor Dr. Marc Lörcher die Gelegenheit, einige Punkte der Planung und Zusammenhänge herauszustellen. Wenn der Bebauungsplan endlich umsetzbar wäre, hat sich die vorbereitende Planungsarbeit auf mittlerweile rund fünfeinhalb Jahre summiert. Wie Marc Lörcher erwähnt, hat Storck dann runde zehn Millionen Euro in die verschiedensten vorbereitenden Maßnahmen investiert, von denen die Verlegung und zugleich ökologische Aufwertung des Laibaches nur eine ist, ohne dass schon eine neue Werkhalle gebaut worden wäre, was etwa ab Herbst 2022 im Fokus ist.

Obwohl Storck die Flächen, auf denen das Unternehmen erweitern will, selbst gehören, müssen Lörcher zufolge rund 100 Euro für jeden Quadratmeter aufgebracht werden, bevor es mit den eigentlichen Investitionen in Produktionsstätten losgehen kann. Der Storck-Direktor verweist beispielhaft auf einen großen Online-Händler, der im Lippischen für ein neues Verteilzentrum gerade mal 25 Euro für den Quadratmeter Grund zahlen muss. Will heißen: Storck macht für die Umwelt deutlich mehr als viele anderen Industrieunternehmen.

Von rund 120 Hektar Storck-eigenem Wald sollen knapp sieben Hektar Wald weichen.

Tatsächlich gehen durch die geplante Storck-Erweiterung knapp sieben Hektar Wald verloren. Boris Bödecker verweist in diesem Zusammenhang auf weitere Zahlen. So verfügt Storck in Halle zwar über etwa 40 Hektar Betriebsgelände, zugleich aber auch über etwa 120 Hektar betriebseigenen Wald, den das Unternehmen zu großen Teilen auch noch selbst angepflanzt hat. Ein Teil davon wird nun davon in Anspruch genommen. Andererseits wird eine mehr als fünf Hektar große planerische Gewerbefläche nördlich der Margarethe-Windhorst-Straße als Wald belassen, die laut Gutachter sogar als ökologisch wertvoller gilt. Insgesamt verbleibe dauerhaft eine Waldfläche von 13 Hektar an der Margarethe-Windthorst-Straße, was der Vernetzung zum Teuto diene.

Weil die Waldbesetzer eine fristgerechte Entnahme von einzelnen Bäumen für die Verlegung des Laibaches bis Ende Februar verhindert hatten, können die notwendigen Arbeiten dafür erst im Herbst erfolgen. Bödecker machte deutlich, dass Storck gedenkt sich auch weiterhin an festgelegte Spielregeln zu halten. Durch verschiedene Verzögerungen ist nun aber nicht mehr möglich, dass Storck noch vor Verlegung der Amprion-Stromtrasse über das Werksgelände mit dem Bau eines ersten Produktionsgebäudes beginnen kann. Dies hat dem Vernehmen nach zur Folge, dass die geplanten Bauhöhen wegen des Verbotes bestimmter Kranhöhen unter der Leitung nicht erreicht werden können. Eine von sonst üblichen vier Ebenen-Höhen werde daher verloren gehen.

Flächenausgleich für Haller Projekt findet bislang vorwiegend in Werther statt.

Apropos Dächer: Die Storck-Vertreter haben deutlich gemacht, dass Dachbegrünungen und entsprechender Tierbesatz mit den scharfen hygienischen Anforderungen an ein Lebensmittelunternehmen nicht vereinbar sind. Gleichwohl bemühe sich Storck um die Entwicklung von Grünflächen, verwiesen die Storck-Vertreter auf umfassende Baumpflanzungen.

Die Erweiterungsflächen werden nunmehr insbesondere in Werther ausgeglichen, wo zum einen eine Fläche entlang der Warmenau ökologisch entwickelt wird sowie weiterhin ein Areal in Isingdorf, wo eine landwirtschaftliche Fläche aufgeforstet wird, die aber aufgrund ihrer Lage und Beschaffenheit für Landwirtschaft als nicht so wertvoll angesehen wird. In Halle selbst sind bislang keine passenden Ausgleichsflächen gefunden worden.

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