Haller Politik berät über einen ungewöhnlichen neuen Supermarkt iim Ortsteil Künsebeck

„Tante Emma“ wird jetzt digital

Halle-Künsebeck

Mehr als 20 Jahre lang sucht die Stadt Halle vergeblich einen Marktbetreiber für den Ortsteil Künsebeck. Jetzt scheint eine ungewöhnliche Lösung greifbar: ein digital betriebener „Tante-Emma-Laden“ mit vielen Extras, der 24 Stunden geöffnet hat.

Stefan Küppers

Mit ausschließlich digital betriebenen Tante-Emma-Läden Foto: Emma's Markt

Ein Supermarkt für Künsebeck? Das Thema steht seit mehr als 20 Jahren auf der politischen Tagesordnung in Halle. Das Problem: Große Supermarkt-Betreiber hätten immer schon gerne einen Standort an der viel befahrenen B68 genommen, was aber die Stadt Halle wegen des Schutzes ihrer Märkte im Stadtzentrum nicht wollte. Umgekehrt wollte sich über viele Jahre kein Marktbetreiber im Innenbereich von Künsebeck (3500 Einwohner) wegen der Sorge um genügend Käuferfrequenz ansiedeln. So ist man einer Lösung für Künsebeck nie wirklich nahe gekommen. Das könnte sich jetzt ändern.

In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Mittwoch, 14. April, 17.15 Uhr in der Sporthalle Masch wird ein voll digitaler Supermarkt vorgestellt, der mit einem Minimum an Personalkosten, stattdessen aber einem Maximum an Öffnungszeit (24 Stunden) auskommt. Ein möglicher Betreiber hat für die Politik eine Präsentation zusammengestellt, die über das Bürgerinformationssystem bereits abrufbar ist.

Die erste Anregung für den digitalen Markt kam von den Haller Grünen

Die Idee, mit digital und kostengünstig betriebenen Supermärkten Versorgungslösungen für kleinere Ortsteile zu finden, war bereits im Kommunalwahlkampf von Bürgermeister-Kandidatin Dr. Kirsten Witte vorgetragen worden. Friederike Hegemann, Co-Fraktionschefin der Grünen, hat aus der Anregung einen ordentlichen Antrag gemacht, der nunmehr in eine Verwaltungsvorlage und in Kontakten zu der bereits erfahrenen Betreiberfirma Tag- und Nachtmarkt GmbH gemündet ist.

Der voll digitalisierte und mit Videoanlagen überwachte Markt, in den bekannte Kunden zu jeder Zeit mit ihrem Smartphone oder einer Chipkarte gelangen und über diese auch bezahlen können, soll dabei mehr als eine reine Kaufgelegenheit sein. Die Waren sollen nach den Bedürfnissen der Bevölkerung vorgehalten werden, die Rede ist von immerhin 1200 Produkten des täglichen Bedarfs. Was in Regalen fehlt, wird automatisiert neu bestellt. Zum Konzept gehören insbesondere auch Waren regionaler Anbieter. Der Supermarkt wird dabei zudem als ein Kommunikations- und Anlaufpunkt im Ort verstanden, der zum Beispiel auch mit einer Pack - und Abholstation für Pakete, digitalen Infostationen der Kommune, einem WLAN-Hotspot und einer automatischen Cafébar wertiger gestaltet werden kann. Im politischen Raum gibt es auch schon Überlegungen hier Dienstleistungen der hiesigen Kreditinstitute zu ermöglichen.

Wenig mobile Menschen im Dorf bekommen einen neuen Anlaufpunkt

Insbesondere auch für die älteren Dorfbewohner, die nicht mehr so mobil sind, um regelmäßig in die großen Supermärkte im Stadtzentrum zu fahren, soll so ein „Emma‘s Tag- und Nachtmarkt“ zu einer attraktiven Alternative werden. Für die Betreiberfirma ist eine der Voraussetzungen, dass die Kommune ein Grundstück zur Verfügung stellen kann. Das ist in Künsebeck der Fall. Weiterhin wäre ein städtischer Zuschuss von 150.000 Euro zu tragen. Im Gegenzug würde sich der Tag- und Nachtmarkt zum Bau und den Betrieb über 20 Jahre verpflichten. Nach den 20 Jahren kann das Gebäude dann Eigentum der Stadt übernommen werden. Ein Vertreter der möglichen Betreiberfirma hat das vorgesehene Areal bereits besichtigt. Die Lage im Ortskern und die unmittelbare Nähe zum Bahnhof Künsebeck, wodurch ebenfalls weitere Käuferfrequenz erzeugt werden könnte, spricht für das Projekt an dieser Stelle.

Vorbehaltlich der Beratungen im Haupt- und Finanzausschuss sieht der Beschlussvorschlag bereits die Beantragung von Fördermitteln für einen digitalen Supermarkt vor.

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