1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Halle
  6. >
  7. Über den Müll soll Gras wachsen

  8. >

Vollständige Renaturierung in Künsebeck angestrebt – viel Interesse an Führung

Über den Müll soll Gras wachsen

Halle-Künsebeck (WB). Der Steinbruch und die ehemalige Mülldeponie sind für die meisten Künsebecker ein beinahe alltäglicher Anblick. Die Anlage selbst ist vielen Anwohnern jedoch fremd, deshalb war das Interesse groß, als sich die Teilnehmer der GNU-Exkursion auf der Mülldeponie umschauen durften.

Sara Mattana

Blick auf die Künsebecker Deponie. Der untere Deponieteil ist bereits renaturiert. Der große Mittelabschnitt soll später genauso aussehen, hinten ist der Steinbruch Müller. Foto: Fälker/GEG

Etwa 30 Besucher machten sich am Samstag unter der Leitung von Ralph Engelhard auf den Weg in Richtung Steinbruch. Der ehemalige Mitarbeiter der Entsorgungsgesellschaft des Kreises Gütersloh gab ihnen dabei sowohl Einblicke in die Geschichte als auch in die Zukunft des Geländes. Denn obwohl die Deponie bereits im Jahr 2000 geschlossen wurde, ist die Renaturierung noch nicht vollständig abgeschlossen.

Kalkmagerrasen als Kulturlandschaft wird von Schafen gepflegt

»Kalkmagerrasen ist eine Kulturlandschaft und muss deshalb dauerhaft gepflegt werden«, sagte Ralph Engelhard. So muss das Gelände zweimal im Jahr von Schafen abgefressen werden, während auch das Wachstum von Büschen und Bäumen kontrolliert werden muss. »Wir verhindern so eine Verschattung, die zu Veränderungen des Geländes führen würde«, erklärte Ralph Engelhard, dessen Kollegen außerdem das Grundwasser und die Entgasung überwachen.

Denn obwohl der erste Deponieabschnitt bereits im Jahr 1982 geschlossen und

Tourismus auf einer Deponie

Eine Mülldeponie als Ausflugsziel? Das ist kein Witz. Weil man auf den höchsten Punkten der Künsebecker Deponie bis weit ins Münsterland blicken kann, sehen Experten tatsächlich ein touristisches Entwicklungspotenzial für diesen besonderen Ort. Vertreter der GEG, der Stadt Halle, des Kreises und des Planungsbüros DTP aus Essen haben schon im vergangenen Jahr die Lage für mögliche Wanderwege und Aussichtspunkte erkundet. Nun sollen die Umsetzbarkeit und Förderchancen eruiert werden.

renaturiert wurde, erfolgte die Endabdichtung der gesamten zweigeteilten Anlage erst im Jahr 2015. Nachdem in den 80er-Jahren mit Tonabdichtungen gearbeitet wurde, erfolgte im Jahr 1999 die temporäre Abdichtung des zweiten Abschnitts mit einer Basis aus Asphalt. »Das war damals der aktuelle Stand der Forschung«, sagte Ralph Engelhard.

200 Hektar große Fläche wird über langen Zeitraum renaturiert

Im Jahr 2000 stand nach der Schließung der Anlage dann die Oberflächenabdichtung an, deren Ziel es war, das Sickerwasser zurückzuhalten. »Von 40.000 Kubikmetern Sickerwasser waren danach nur noch 8.000 Kubikmeter übrig«, sagte Ralph Engelhard. Während der Endabdichtung wurden dann eine Bentonitmatte aus Ton- und Mineralgewebe sowie eine Drainagematte unter einem Meter kalkhaltigem Boden angebracht.

Durch die konstante Pflege der Landschaft möchte die Entsorgungsgesellschaft eine endgültige Renaturierung der etwa 200 Hektar großen Fläche erreichen, auf der seit 1966 der Großteil des Abfalls der Stadt Halle entsorgt wurde, bevor später auch der Kreis Gütersloh die Deponie zur Entsorgung des Hausmülls nutzte.

Startseite