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Bei Mehrfamilienhaus-Sanierung investiert die KWG in Mauersegler-Schutz

Untermieter zahlen keinen Cent

Halle (WB). Die eleganten Mauersegler verbringen ihr Leben weitgehend im Flug. Doch ganz ohne Kinderstube geht es auch bei ihnen nicht. Weil viele Nistplätze heute durch Gebäudesanierungen verloren gehen, ist der Vogel des Jahres in Wohnungsnot. Die KWG in Halle will abhelfen – auch wenn von diesen Untermietern wohl nie ein Cent zu erwarten ist.

Klaudia Genuit-Thiessen

Für die KWG ist der Artenschutz ein spannendes Thema. Unser Bild zeigt Vorstand Sven Eisele (links) und Ralf Tiemann, Technischer Leiter, mit künstlichen Nisthilfen – rechts für den Mauersegler, links für Mehlschwalben. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Als echter Kulturfolger richtet der Mauersegler seine Wohnstuben gern unter den Dächern von Altbauten und in Gebäudenischen ein. Und weil er so anpassungsfähig ist, hat sich der rasante Flieger eigentlich gut vermehrt. Dennoch hat der Nabu den Apus apus, so sein zoologischer Name, bereits auf die Vorwarnliste der »Roten Liste« gefährdeter Brutvögel gesetzt. Nicht nur, weil in den gepflegten Gärten hierzulande für ihn immer weniger Insekten und Spinnen auf dem Tisch stehen. Auch Renovierungen und Neubauten ohne Nischen machen den Höhlenbrütern, die sich gern in hohen Gebäuden einnisten, das Leben schwer.

Mauersegler-Pärchen nistet am Ulmenweg

Kein Wunder, dass Vogelfreund Hartmut Lüker aufmerksam wurde, als am Doppelhaus der Kreiswohnstättengenossenschaft am Ulmenweg 35 bis 37 die Handwerker anrückten. Im Februar hatte er schon einen ersten Hinweis gegeben, dass ein Pärchen unter der Dachtraufe nistet. Da war natürlich noch nichts zu sehen von dem eleganten Vogel, der von Mai bis August mit schrillem »Srih« um die Häuser fegt.

Ein weiterer Anruf und Erkundigungen beim Umweltbüro der Stadt und beim Kreis Gütersloh allerdings machten KWG-Vorstand Sven Eisele und sein Team sensibel. Beim Ortstermin an den Häusern, in denen es 14 Wohnungen für Zweibeiner gibt, fanden sich Spuren gefiederter Mitbewohner. Unter der Dachkante nisten zwei Mauersegler-Pärchen. Zudem lebt in Schlitzen im Mauerwerk eine Kolonie Spatzen. Alte Nester von Mehlschwalben wurden auch gefunden.« Sven Eisele: »Für uns ist das auch ein ganz neues Thema, spannend und lehrreich.«

Artenschutz-Experte für Sanierung hinzugezogen

Auf den Rat des Kreises zog Ralf Tiemann, der Technische Leiter der KWG, einen Artenschutz-Experten hinzu, um die umfassende energetische Sanierung baubiologisch zu begleiten: Wärmedämmung, neue Fenster, neue Dacheindeckung sowie neue Heizung mit Solarthermie. Die Wohnungen im Erdgeschoss werden barriere-arm. Balkone statt Terrassen – und das Erdgeschoss ist  auch mit dem Rollator zu erreichen.

Für die Arbeit des Baubiologen muss einiger Aufwand betrieben werden. Denn damit er mit dem Endoskop in die Nester schauen kann, ob das Brutgeschäft noch läuft, muss extra ein Hubsteiger geordert werden. Der Fachmann entscheidet dann, was in welchem Rahmen passieren darf, ohne die Vögel zu beeinträchtigen.

Künstliche Nisthilfen als Ersatz-Wohnstuben

So will die KWG an ihren Nachbarhäusern Ulmenweg 31 bis 33 künstliche Nisthilfen als Ersatz-Wohnstuben montieren, später auch an den Gebäuden, die jetzt saniert werden. Ralf Tiemann: »Da richten wir uns ganz nach den Vorgaben«. Eine Artenschutzprüfung ist auch für die Immobilien am Künsebecker Weg in Auftrag gegeben. Dort will man ebenfalls Nisthilfen anbringen.

Mit dem ganzen Umbau will die KWG ihre Mieter so wenig wie möglich belasten. »Aber es ist doch auch für die Bewohner schön, wenn sie diese äußerst nützlichen Tiere an den Häusern beobachten können«, meint Sven Eisele. Auch Hartmut Lüker ist mit dem Gang der Dinge sehr zufrieden. »Schön, dass die KWG das Dach nicht mit brachialer Gewalt abgenommen hat oder wie anderswo Nester von Mehlschwalben wegen Malerarbeiten von den Wänden geschoben hat. In Halle hat man begriffen, dass es auch anders geht.«

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