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In Halle wundert man sich, warum ein Erdkabel nicht in Frage kommen soll

Verärgerung über Amprion

Halle (WB/SKü). Warum kann Borgholzhausen auf eine Erdverkabelung statt der Verlegung neuer 380-KV-Freileitungen hoffen, während in Halle die Frage einer Erdverkabelung nicht einmal geprüft werden soll? Im Haupt- und Finanzausschuss ist das Thema Stromleitung, das 2013 schon einmal abgeräumt schien, politisch wieder hochgekocht.

Die neuen Stomautobahnen mit 380-KV-Leitungen, die auch durch Halle führen werden, sind etwa doppelt so hoch und fast doppelt so breit wie die herkömmlichen 220-KV-Leitungen. Foto: dpa

Deutschlands größter Übertragungsnetzbetreiber Amprion war mit gleich drei Experten in den Haupt- und Finanzausschuss gekommen, um die Pläne für den Abschnitt zwischen Gütersloh und dem niedersächsischen Wehrendorf zu erläutern. Doch trotz ausführlicher Erklärungen hörten diese massive Kritik an einer vorgeblichen Ungleichbehandlung

Jörg Finke-Staubach, bei Amprion zuständig für Genehmigungsverfahren, legte dar, dass der Ausbau auf 380-KV-Leitungen zwischen Gütersloh und Wehrendorf in drei Bauabschnitten erfolgen soll. Der erste Abschnitt von Gütersloh bis zum Umspannwerk Hesseln soll als Freileitung erfolgen. Von Hesseln über Borgholzhausen bis Lüstringen soll eine Erdverkabelung geprüft werden, weshalb dieser Abschnitt aus dem laufenden Planfeststellungsverfahren zunächst herausgenommen wird. Der dritte Abschnitt führt von Lüstringen nach Wehrendorf in Niedersachsen.

Beim Thema Strom ist technisch viel zu beachten

Finke-Staubach betonte, dass eine vollständige Erdverkabelung nicht im Sinne des Gesetzgebers sei. Erdverkabelung ist und bleibe ein Pilotprojekt, für das Amprion über längere Strecken und längere Zeiträume erst Erfahrungen sammeln müsse. Dem Ruf nach Erdverkabelung stellten die Amprion-Vertreter ihre Verantwortung für die Aufrechterhaltung einer sicheren Versorgung, inklusive der Vermeidung von Netzstörungen, heraus. Man brauche dafür saubere und sichere Abspannpunkte in Gütersloh und Hesseln. Der Ausschuss wurde über komplexe physikalische Phänomene und Wechselwirkungen sowie Probleme mit sogenannten Resonanzen informiert. Die Botschaft, die überkommen sollte: Es ist technisch alles nicht so einfach und die Erdverkabelung ist kein Allheilmittel.

Bei Fachbereichsleiter Jürgen Keil hielt sich das Verständnis in Grenzen. Mit der partiellen Verlegung der künftigen Strommasten im Bereich der Siedlung Am Forst habe man zwar 2013 einiges erreicht. Aber dass man nun in der Frage der Erdverkabelung mit zweierlei Maß messe, hält Keil für rechtlich bedenklich. Warum werde eine Erdverkabelung nicht zumindest geprüft, und warum werde diese Frage überhaupt von Amprion entschieden? Ähnlich äußerte sich auch CDU-Fraktionschef Hendrik Schaefer. Wolfgang Bölling (SPD) kann sich zwar nur schwer vorstellen, wie ein Erdkabel in dem engen Korridor von A33 und Storck noch geführt werden könnte. Er hält es aber nicht für akzeptabel, dass Kommunen bei der Erdverkabelung gegeneinander ausgespielt würden.

Demnächst soll für den Abschnitt Gütersloh-Halle der Erörterungstermin stattfinden. Finke-Staubach sieht einen klaren Bedarf für die Trasse und hält sie für genehmigungsfähig, Es gebe auch keine Rechtsunsicherheiten.

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