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Verkehrsclub und Fahrradclub widersprechen der Bürgerinitiative Alleestraße

Verbände fordern: Radler auf die Straße

Halle (WB). Für ihre Forderung nach separierten Radwegen bekommt die Bürgerinitiative Alleestraße Gegenwind von zwei Interessenverbänden. Die Kreisverbände des VCD und ADFC sprechen sich für eine Führung der Radverkehrs auf der Alleestraße aus.

Stefan Küppers

Bei den zwei Fahrraddemos auf der Alleestraße vor wenigen Wochen wurden Mitglieder der Bürgerinitiative noch von der Polizei begleitet – aus Gründen der Verkehrssicherheit. Foto: Küppers

In der Sitzung des Bau- und Verkehrsausschusses am Mittwoch, 6. Juni, steht eine Anregung der Bürgerinitiative zur Diskussion. »Neueste Erkenntnisse zur objektiven Sicherheit sowie zum Sicherheitsempfinden der radfahrenden und zukünftig radfahrenden Bürgerinnen und Bürger lassen eine vom motorisierten Verkehr getrennte Führung von Radfahranlagen sinnnvoll erscheinen.«

In der Vorlage sind Stellungnahmen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), Kreisverband Gütersloh, sowie des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), vertreten durch Bernd Küffner vom Kreisverband OWL, beigefügt. Auf Anfrage des WB äußert Küffner sein Unverständnis darüber, dass die Bedingungen für Radwegebau in Halle offenbar nicht ausreichend dargestellt worden seien. Die in NRW verbindlichen »Empfehlungen für Radverkerkehrsanlagen 2010« gäben den Rahmen vor. Und demnach seien die derzeit abgetrennten Radwege im Seitenraum viel zu schmal. »Das ist eindeutig«, so Küffner. Und auch für die Breite von Fußgängerwegen gebe es klare Vorgaben, die einzuhalten seien. Über Sicherheitsrichtlinien könne man nicht demokratisch abstimmen.

Angesichts der zur Verfügung stehenden Breite der Alleestraße sieht Küffner im Grunde keine Alternative zur Führung der Radfahrer im Verkehrsraum einer Tempo-30-Zone. Bei Tempo 30 bringe eine Separierung keine Vorteile. Küffner verweist auf die Straßenverkehrsordnung, wonach Kinder ab 10 Jahren grundsätzlich auf der Fahrbahn fahren sollen. »Man tut Schülern keinen Gefallen, wenn man ihnen vermittelt, dass sie nur auf einem separierten Radweg sicher fahren können«, so Küffner.

Der ADFC Gütersloh widerspricht »vehement der von der Bürgerinitiative aufgestellten These und verwehrt sich gegen die ungerechtfertigte Behauptung, der ADFC hätte Erkenntnisse, dass die getrennte Führung von Fahrrädern und motorisiertem Verkehr sinnvoll sei«. Die aktuell vorhandenen Radwege an der Alleestraße entsprächen schon lange nicht mehr dem Stand der Technik, seien als sehr unsicher und unkomfortabel einzustufen. Auch für die Umsetzung des Konzeptes »Protected Bikelane« erscheine die Alleestraße wegen ihrer vielen Einmündungen und Kreuzungsbereiche denkbar ungeeignet.

So reagiert die Bürgerinitiative

»Mich wundert, welchen Aufruhr unser Bürgerantrag erzeugt hat und wie hier diskutiert wird«, sagt Helmut Rose, Sprecher der Bürgerinitiative Alleestraße. »Wir sind keine Verkehrsingenieure und wollen uns nicht auf das Planungsgebiet begeben. Doch eindeutig ist aus unserer Sicht der Mehrheitswille der Bevölkerung, dass der Radverkehr eben nicht auf die Alleestraße geführt wird. Man darf die Radfahrer nicht dazu zwingen, wovor sie sich am meisten fürchten. Sie wollen vor dem Autoverkehr geschützt werden«, argumentiert Rose. Man dürfe nicht eine Baupolitik gegen den Willen der Menschen durchsetzen, anstatt sie versuchen einzubeziehen und als Verbündete zu gewinnen, sagt Rose dem WB. Insbesondere die Vorstellung, dass große (womöglich undisziplinierte) Schülergruppen von Gesamtschule und Gymnasium demnächst über den Straßenraum mit den Fahrrädern geschickt werden, findet Rose beunruhigend. Über die Verwaltungsvorlage für den Ausschuss ist er verärgert. Denn dort sei von »aufgestellten Behauptungen« (der Bürgerinitiative) die Rede. Rose: »Hier wird versucht uns Argumente in den Mund zu schieben, die wir gar nicht benutzt haben.«

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