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Das Ensemble Brasserie unterhält bei den Haller Bach-Tagen 520 Kinder

Viel Blech aus Bremen

Halle (WB). Für 520 Kinder den Ton anzugeben ist keine ganz leichte Aufgabe. Den Blechbläsern aus dem Ensemble Brasserie ist es gestern geglückt: in Gestalt der Bremer Stadtmusikanten.

Klaudia Genuit-Thiessen

Ohren und Fühler verraten es: Matthias Berkel, Solohornist der Bremer Philharmoniker, gibt den Esel, Tubist Karl Berkel vom Staatstheater Cottbus, die Hummel. Die taucht im Märchen der Brüder Grimm allerdings nicht auf. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Beim Kinderkonzert der 56. Haller Bach-Tage sind die fünf Musiker in Verkleidung geschlüpft. Sie spielen ein musikalisches Märchen auf ganz eigene Art. B wie Blech und B wie Bremen: Zu hören ist zwar eine B-Mannschaft, aber beileibe keine zweite Garnitur.

Denn Blechbläser bilden tatsächlich den historischen Hintergrund der Bremer Stadtmusikanten. Um 1500 spielten dort zwei Trompeter, ein Posaunist und zwei Pfeifer. Mit ihrem spritzigen Bühnenprogramm greifen die Brasserie-Bläser das auf und ergänzen es kindgerecht.

Dicker Brummer am Bass

Denn »Mesut Esel«, »Bob der Hund«, »Donald Trumpet« und »Monsieur Coq au Vin« werden in Halle begleitet von »Hans Hummel«. Das Insekt, das die Brüder Grimm offenbar vergessen haben in ihrer Geschichte und das seltsamerweise Streifen wie eine Wespe spazieren trägt, summt ein wenig tiefer als seinesgleichen. Karl Berkel, Solist am Staatstheater Cottbus, bläst die Tuba. Ein »dicker Brummer« am Bass.

Als »Mesut Esel« steht Matthias Berkel, Solohornist der Bremer Philharmoniker, auf der Bühne der KGH-Aula in Halle. Der Vater von zwei Kindern weiß, dass es so ein Stündchen mit Kindern eine anspruchsvolle Aufgabe ist. Doch tatsächlich lassen sich die leicht abzulenkenden Sechs- bis Elfjährigen immer aufs Neue einfangen.

Auch Esel lieben die Musik

Gekonnt und mit viel Schwung führen die Musiker ihr junges Publikum – nur vereinzelt sitzen Erwachsene in den Zuhörerreihen – durch die Geschichte: »Bob der Hund« und »Donald Trumpet« (alias Trompetenlehrer Björn Bein und Manuel Viehmann, Solotrompeter der Bielefelder Philharmoniker) und Posaunist Konstantin Päßler als »Monsieur Coq au Vin«. In der Hauptrolle: Musik aus den vergangenen drei Jahrhunderten. Wie sagte der Barock-Komponist Georg Philipp Telemann: »Wer die Musik nicht liebt und ehret, der ist und bleibt ein Esel«. Das greift der Stadtmusikant auf, der sich von schweren Säcken ebenso befreien will wie von traurigen Liedern.

Autogramme erwünscht

Bandbreite ist angesagt: Barock, Oper, Oldtime-Jazz und ein bisschen aus dem »Karneval der Tiere«. »Der Hahn, er lebt« singen die Kinder im Kanon mit. Und sie hätten vielleicht sogar gerne noch mehr selbst mitgemacht bei dem Spaß. Denn die Bläser von der Brasserie machen vor keiner Stilrichtung Halt, haben vieles selbst arrangiert und sparen auch keineswegs mit Zitaten. Ob »Bajazzo«, Beethoven oder Bachchoral, Rimsky-Korsakovs »Hummelflug«, die Marseillaise oder der alte Schlager »Aux Champs-Élysée« – sie wollen die Schüler von den Grundschulen Gartnisch, Künsebeck, Hörste, aus Werther-Langenheide und der Violenbachschule Borgholzhausen sowie die Fünftklässler des Kreisgymnasiums mit Musik ansprechen.

Und das gelingt letzten Endes so gut, dass die Musiker noch mit Autogrammwünschen bedrängt werden. Vielleicht auch von dem ein oder anderen Schüler aus der Bläserklasse des Kreisgymnasiums.

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