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Am Fridays-for-Future-Stand gibt es Unterstützung für Waldbesetzer und der Bürgermeister erlebt medialen Großkampftag

Von Support und Legendenbildungen

Halle

Die Besetzung des Storck-Waldes in Halle sorgt für kontroverse Diskussionen in Halle. Besetzer selbst loben die große Unterstützung. Bürgermeister Thomas Tappe hingegen will bei seinen zahlreichen Pressestatements an Tag zwei der Besetzung Legendenbildungen nach seinen eigenen Worten vorbeugen.

Stefan Küppers

Szenen aus dem besetzten Storck-Wald in Halle, wo zwei Besetzer neben einer provisorischen Barrikade auf dem Steinhausener Weg auf einem Stapel von gefällten Bäumen die Sonne und den Vorfrühling genießen. Foto: Küppers Foto:

Wie soll man mit der Besetzer-Szene im Storck-Wald umgehen? In Halle wird das ziemlich kontrovers in den sozialen Medien diskutiert. Und manch ein Haller bemüht dabei auch kräftigere Ausdrücke, um seine Abneigung gegen die Aktion auszudrücken, die sich ausgerechnet gegen eines anerkanntesten und sozialsten Unternehmen in Halle richte. Es gibt aber auch Stimmen wie die der Grünen-Ratsdame Ingrid Diekmann-Vemmer, die in einer Facebook-Diskussion schreibt: „Ob die radikale Vorgehensweise richtig ist, vermag ich nicht zu sagen, ich erkenne aber an, dass hier ein hohes Maß an sozialer Verantwortung zu dieser Aktion führt. Hätte der Umweltschutz gestern schon mehr Erfolg gehabt, wären heute drastische Maßnahmen nicht mehr nötig.“ Vor Ort rund um den Steinhausener Weg ist von Kritik an den Besetzern gar nichts zu hören.

Am Stand von Fridays for Future werden Besetzer auch mit Essen versorgt

Die örtliche Fridays-for-Future-Bewegung (FFF) solidarisiert sich mit „den mutigen Umweltaktivisten im Wald“ und hat unter der Brücke der Haller Westumgehung einen Stand aufgebaut, den sie in einer Presseerklärung als 24-Stunden-Mahnwache über eine Woche beschreibt. Ein paar Meter weiter beginnt das Besetzer-Land. An dem FFF-Stand gibt es ein Kommen und Gehen von Angehörigen aus der Besetzer-Szene. Einige werden mit Speisen und Getränken versorgt. „Es gibt hier riesigen lokalen Support“, lobt einer die Unterstützung.

Tatsächlich hat sich zum Beispiel ein Rentner aus Halle, der ganz in der Nähe wohnt, zu dem FFF-Stand begeben und schmiert Butterbrote, eine Dame schenkt Kaffee aus. Er ist selbst ein Kritiker der Storck-Erweiterung und hat auch eine Eingabe gemacht, ohne Erfolg.

Insgesamt bleibt die Stimmung entspannt. Viele Spaziergänger laufen auf dem Steinhausener Weg durch die provisorischen Eingangsbereiche der Besetzer, die sogar ein „Willkommen“-Transparent aufgehängt haben. Begrüßt werden auch zahlreiche Medienvertreter, die über die Besetzung im Storck-Wald berichten.

Bürgermeister stellt in Medien das rechtsstaatliche Verfahren heraus

Für Bürgermeister Thomas Tappe ist der Montag ein medialer Großkampftag. Für den WDR gibt er ein Radio-Interview und auch Fernsehteams von SAT 1 und WDR versucht Tappe Hintergründe und Zusammenhänge der Storck-Erweiterungsplanung zu vermitteln, am Abend ist er Gast in der WDR-Lokalzeit. Zugleich will Tappe, wie er sagt, Legendenbildungen vorbeugen. Es ist dem Bürgermeister wichtig zu erläutern, dass trotz manch emotionaler Diskussion und der Besetzungsaktion für die Storck-Erweiterung über Jahre ein rechtsstaatliches Verfahren durchlaufen wurde und die dazu gehörigen Beschlüsse mit großen Mehrheiten in den politischen Gremien gefasst wurden.

Wie es nun weitergehen kann, ist auch dem Bürgermeister unklar. Eigentlich sollten bis Ende Februar eine Reihe von Bäumen im Zuge der beschlossenen Laibach-Verlegung gefällt werden. „Dabei können übrigens wesentlich mehr Bäume erhalten werden als ursprünglich geplant“, informiert Tappe. Tatsächlich gibt es laut dem Bürgermeister jetzt einen offiziellen wasserrechtlichen Erlaubnisbescheid des Kreises Gütersloh für die Laibach-Verlegung. Doch im Moment bleiben die Durchsetzung und ihr Zeitpunkt unklar.

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