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Halle wird bei bundesweitem Wettbewerb gewaltbereiter Linksextremer vorne geführt

Waldbesetzungen als sportlicher Wettkampf

Halle

Eine persönliche Aufforderung von Bürgermeister Thomas Tappe an die Besetzer, den Wald bei Storck zu räumen, hat nicht zum Erfolg geführt. Unterdessen wird bekannt, dass die Besetzung in Halle bei einem bundesweit durchgeführten Wettbewerb von gewaltbereiten Linksextremen auf einem vorderen Platz geführt wird.

Stefan Küppers

Beim so genannten Riot Award gibt es unter anderem Punkte (Flames) für Waldbesetzungen, „brennende Baufahrzeuge“ oder „kompletten Abzug der Cops“. Die Aktion im Haller (Steinhausener) Wald liegt auf Platz 2. Foto: Bluhm-Weinhold

Bürgermeister Thomas Tappe hat am Mittwoch gemeinsam mit Fachbereichsleiter Jürgen Keil den Waldbesetzern am Steinhausener Weg einen Besuch abgestattet und diese dabei zur freiwilligen Räumung des Waldes aufgefordert. Tappe räumte dabei eine Frist bis Mittwochabend ein. Die Antwort kam prompt: Die Waldbesetzer zogen in einem Protestzug vom Storck-Wald in Richtung Sporthalle an der Masch, wo die Sitzung des Stadtrates stattfand. Die Wortführer riefen lautstark dazu auf, den Wald weiterhin in Beschlag zu nehmen.

Bürgermeister appelliert an Fairness

Der besetzte Wald gehört zu einem kleineren Teil der Stadt Halle, zu einem größeren dem Unternehmen Storck. Tappe argumentierte, dass die Besetzer nun über vier Tage eine Bühne hätten nutzen können. Er erwarte allein im Sinne einer Fairness, dass nun auch andere zu ihrem Recht kämen und die Besetzer den Wald wieder verlassen, bevor es zu einer Räumung komme. Wie berichtet ist geplant, für die genehmigte Verlegung des Laibaches einige Bäume zu fällen. Das muss laut Bescheid bis zum 28. Februar erfolgen.

Obwohl die Waldbesetzer die Gewaltfreiheit ihrer Aktionen in ihren öffentlichen Erklärungen immer wieder herausstreichen, wirken offenbar mindestens einzelne Teilnehmer dennoch an regelrechten Gewalt-Wettbewerben mit, die in der linksautonomen Szene bundesweit unter dem Stichwort Riot Awards (übersetzt: Preis für Aufstand) ausgetragen werden. Auf der Homepage der Besetzer unter dem Stichwort „Storck stoppen jetzt“ gelangt man zu Twitter-Nachrichten, in denen solidarisch gesinnte Kampfgenossen aus einem Protestcamp im Dannenröder Forst in Hessen grüßen. Dort läuft eine Besetzung gegen einen Autobahnbau und von dort wird anerkennend mitgeteilt, dass die Haller Besetzer im aktuellen Riot Award aktuell mehr Punkte als sie selbst gesammelt haben und im Ranking bundesweit auf Platz 2 gekommen sind. Schaut man sich auf der Homepage dieses Riot Awards um, erfährt man dass bundesweit 13 Aktionsgruppen in der Wertung sind und Halle auf Platz 2 liegt.

Regel im Riot Award: „Friedliche Aktionen/Demonstrationen werden nicht gewertet.“

Aufschlussreich sind die Spielregeln für Riot Award: Als „Faustregel“ ist dort zu lesen: „No riot, no flames“. Und weiter: „Friedliche Aktionen/Demonstrationen werden nicht gewertet, auch dann nicht wenn etwas Rauch in der Luft liegt.“

Gepunktet wird beim Riot Award mit Flames (Flammen). Bei den sogenannten „Green Riots“ in der Natur, die sich von Stadtkämpfen (Urban Riots) unterscheiden, werden für verschiedene Aktionen Flames verteilt. Im Direct Fight (direktem Kampf) gibt es für „brennende, entglaste oder bunte Polizeiautos“ zwischen 50 und 100 Flames. Eine „Gefangenenbefreiung“ bringt schon 200 Flames. Brennende oder beschädigte Baufahrzeuge zählen 100 bis 150 Punkte, während Barrikaden (ob einfach, schwer oder brennend) mit 50 bis 100 Flames für den Award zu Buche schlagen. Besonders attraktiv ist für die Teilnehmer am Riot Award eine Waldbesetzung (500 Flames) und „kompletter Abzug der Cops“ (1000 Flames, Cops gleich Polizei).

Das Lager „Steinhausener Wald“ in Halle wird in den Riot Awards mit 650 Punkten auf Platz zwei geführt knapp hinter Leipzig (gemeint ist mutmaßlich das Unruheviertel Connewitz) und punktgleich mit dem „Team Garzweiler“. Es folgen zehn weitere Brennpunkte, auf Platz vier der Dannenröder Forst.

Barrikaden über Tage immer weiter ausgebaut

Die Barrikaden der etwa 30 Besetzer in Halle sind in den vergangenen Tagen immer weiter ausgebaut worden. Dazu sind einzelne Bäume besetzt worden, die untereinander teilweise auch verbunden werden, damit Besetzer bei einer polizeilichen Räumung auch in der Höhe ausweichen können. Die örtliche „Fridays for Future“-Bewegung hat sich mit der Besetzung solidarisiert und betreibt in unmittelbarer Nähe zum Wald (unter der Brücke der Westumgehung) eine „Mahnwache“, die zugleich als Versorgungspunkt mit Speisen und Getränken fungiert. Die FFF-Mahnwache ist als Versammlung angemeldet.

Die Waldbesetzung selbst ist nicht angemeldet. Und auch wenn auf der Homepage der Besetzer versichert wird, ein Corona-Hygienekonzept zu beachten, hat es die Haller Ordnungsbehörde ein solches Konzept noch nicht gesehen, wie Abteilungsleiter Benjamin Potthoff auf Anfrage mitteilt. Ohnehin hat die Ordnungsbehörde keine Möglichkeit unter den gegebenen Umständen gegen eventuelle Corona-Verstöße vorzugehen.

Der WB-Kommentar zum Thema

Vielleicht liegt es ja daran, dass wir in unserer Kleinstadt Halle mit Linksextremismus und seinen Erscheinungsformen bislang wenig zu tun hatten: Aber was sich auf der Homepage der Waldbesetzer und deren Umfeld finden lässt, macht einfach nur noch fassungslos. Da wird das Haller Waldlager tatsächlich in einem bundesweiten Wettbewerb von linken Gewalttätern gelistet und das auch noch auf den vorderen Plätzen. Dass bei „Riot Award“ tatsächlich aus Angriffen auf die Polizei und Beschädigung von Sachen ein sportlicher Wettkampf mit Punktsystem gemacht wird, zeigt den ganzen Zynismus, der in Teilen dieser Szene gelebt wird.

Auch wenn es im Storck-Wald bislang „friedlich“ zuging, dann eben nur, weil sich die Polizei bei der Durchsetzung von Recht und Gesetz zurückgehalten hat. Die jungen, idealistischen Umweltaktivisten der Bewegung „Fridays for Future“ hingegen sollten sich fragen, ob sie sich mit ihrer Solidarisierung nicht auch zu nützlichen Helfershelfern von einigen Akteuren machen, die politische Motivation propagieren, aber letztlich auch in einem kriminellen Fahrwasser unterwegs sind. Stefan Küppers

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