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Haller Delegation besucht aufstrebende Partnerstadt in Lettland und will den Austausch ausweiten

Warum Valmiera alles für Kinder tut

Halle/Valmiera

Der im März gegründete Freundeskreis Halle-Valmiera hat seinen ersten Auslandseinsatz hinter sich. Eine zwölfköpfige Reisegruppe beteiligte sich am Stadtfest der lettischen Partnerstadt und machte beim großen Umzug und mit einem Stand Werbung für Halle.

Als fröhliche Truppe präsentierte sich der Freundeskreis Halle beim Umzug den vielen tausend Zuschauern entlang der mehr als einen Kilometer langen Strecke durch Valmiera. Foto: Klaus-Peter Schillig

Am Morgen nach der nächtlichen Ankunft stand erst einmal ein Empfang im Rathaus an. Janis Baiks, nach dem Zusammenschluss mit den umliegenden Gemeinden nicht mehr Bürgermeister der Stadt, sondern Vorsitzender des Bezirksrates, zeigte stolz die neueste Präsentation über Valmiera, die die rasante Entwicklung seit der Unabhängigkeit von der ehemaligen Sowjetunion deutlich macht. Die Wirtschaft wächst dank kommunaler Anstrengungen so rasant, dass es inzwischen in der Stadt mehr Arbeitsplätze als Arbeitskräfte gibt. Viele pendeln deshalb ein, und suchen Wohnungen, auch weil Valmiera für gute Lebensbedingungen sorgt. „Das ist wichtig für junge Familien, wir tun alles für Kinder,“ sagt Baiks. Der Erfolg und die Anziehungskraft wird im alltäglichen Straßenbild und vor allem beim Stadtfest deutlich. Es wimmelt von jungen Familien mit zwei oder drei Kindern. Die Kehrseite des Erfolgs: „Wir haben zur Zeit nur eine einzige Wohnung, die zu vermieten ist.“ Die Stadt steigt deshalb selbst ein als Bauherr.

Sportler kamen in ihren Trikots, die Mitarbeiter des Museums in historischen Gewändern, darunter auch Agnese Gedusova (von rechts) und Liene Rokpelne, die beide schon mehrmals in Halle waren. Foto: Klaus-Peter Schillig

Feiern bis in die Nacht

Wie ein Magnet wirkt Valmiera auch auf ambitionierte Sportler – mit gleich zwei Olympiazentren. Das erst in diesem Jahr fertig geworden neue Leichtathletik- und Fußball-Stadion mit der daneben liegenden Leichtathletik-Halle mit 200-Meter-Bahn samt 100-Betten-Hotel genügt internationalen Ansprüchen, ebenso die Schwimmhalle, die Trainings- und Spielstätten für Eishockey und Basketball sowie die aufsehenerregende BMX-Anlage, auf der 2023 sogar ein Weltcup-Lauf stattfinden soll. Fördergelder der EU und des Staates sowie verschiedener Sportverbände haben all das möglich gemacht. Das hat auch viele Flüchtlinge aus der Ukraine nach Valmiera gezogen. 400 sind es zurzeit, darunter zahlreiche junge Sporttalente, die sich hier auf einen längeren Aufenthalt einrichten – und optimal trainieren können.

Blick in das neue olympische Zentrum mit leichtathletischen Anlagen in Valmiera, in das dank EU-Unterstützung rund 22 Millionen Euro investiert wurden. Foto: Küppers

„Sport und Erholung sind unsere Schwerpunkte, die Leute sollen in Bewegung bleiben,“ sieht Janis Baiks die Anstrengungen auf diesem Gebiet nicht nur an Hochleistungssportler gerichtet, sondern an die gesamte Bevölkerung. Man habe jetzt wieder das beste Sportzentrum im ganzen Baltikum, wirbt der Chef der Verwaltung und erwähnt, dass Valmiera schon 1938 einmal das größte Stadion im Baltikum hatte.

Janis Baiks, Bürgermeister von Stadt und Bezirk Valmiera in Lettland

Vom sportlichen und ebenfalls vielfältigen kulturellen Angebot profitieren auch die Touristen am östlichen Ende des Gauja-Nationalparks, bekannt nach dem durch Valmiera fließenden längsten Fluss des Landes. Auf dem kann man auch entspannen, nämlich auf der „einzigen Gauja-Straßenbahn“, wie Eigentümer Toms Treimanis und sein junger Kapitän Rolands Breža (19) stolz verkünden. Die Haller Besucher lassen sich von der Wildwasserstrecke im Norden bis zur futuristischen Straßenbrücke „schippern“ und genießen eine der grünen Lungen der Stadt.

Kinder fahren auf einer großzügigen Pump-Track im Zentrum von Valmiera mit ihren Rollern. Foto: Küppers

Vor den Stadtfest-Aktivitäten erkunden Vize-Vorsitzender Klaus-Peter Schillig, Schatzmeister Axel Reimers, Ina Schmal und Stadtsportverbands-Vorsitzender Reinhard Stricker auch eine mögliche Unterkunft für den im kommenden Jahr geplanten gemeinsamen Jugendaustausch mit Valmiera. Das Jugendheim nahe des Schlosses und des Sees von Burtnieki böte wohl optimale Bedingungen. Der nahe gelegene am Rand sehr flache See bietet Strand und Bootsverleih, an Sommerwochenenden sind hier auch zahlreiche Windsurfer auf dem Wasser. Die Jugendfahrt war eigentlich schon in diesem Jahr geplant, wurde wegen des Krieges in der Ukraine aber wieder abgeblasen.

Beim Stadtfest dann wurde deutlich, wie sehr sich die Menschen in Valmiera mit ihrer Stadt identifizieren. Beim Umzug sind alle Vereine, Gruppen und viele heimische Firmen auf den Beinen und den Rädern, immer wieder erklingt das Valmiera-Lied, mehrere tausend Zuschauer stehen an der „Riga iela“, der Rigaer Straße. Die ist am Folgetag auch Schauplatz des Marktes mit nahezu 300 Ständen. Der Haller Stand fällt auf, denn die Menschen in einheitlich blauen Halle-Shirts ziehen nicht nur die Blicke auf sich, hier gibt es sogar etwas umsonst: Storck-Bonbons für die Kinder, hochprozentige Kostproben von Kisker sowie kleine Präsente der Stadt.

Blick in die Eissporthalle von Valmiera, das etwa als Stadt so groß wie Halle/Westfalen ist und einen klaren Fokus in Sachen Sport und Jugend hat.  Foto: Küppers

Beim Bühnenprogramm – am Freitagabend sind es drei über die Stadt verteilt, am Samstag und Sonntag noch zwei – wird vor allem der jugendliche Geschmack bedient. Die bekanntesten Bands, Djs und Rapper Lettlands geben sich ein Stelldichein, bis zwei Uhr nachts geht die Post ab. Nur im sogenannten Junggesellenpark schwoft Samstagabend die ältere Generation zu etwas gesetzteren Melodien.

Nächste Aktion des Freundeskreises, in dem neue Mitglieder und vor allem Mitwirkende jederzeit willkommen sind ([email protected]), ist der Nikolausmarkt, zum sowohl die Freunde aus Valmiera als auch die aus der französischen Partnerstadt Ronchin wieder präsent sein wollen.

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