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Junger Haller forscht am Polarkreis – Vortrag beim Jahresempfang der Grünen

Wie der Klimawandel in Sibirien wirkt

Halle (WB/mk). Zahlreiche Gäste waren am Sonntagvormittag der Einladung zum Jahresempfang Grünen in das Bauerncafé Beuken Schmedt gefolgt. Gemeinsam diskutierten die politisch interessierten Bürger bei einem ausgedehnten Frühstück aktuelle Themen und kamen in den Genuss zweier Vorträge, die deutlich machten, wie sehr sich die Grünen den Klimaschutz politisch auf die Fahnen geschrieben haben.

Beim Jahresempfang (von links): Jochen Stoppenbrink (Fraktionsvorsitzender), Wibke Brems (Landtagsabgeordnete), Referent Lutz Beckebanze und Frank Winter (Sprecher). Foto: Krammenschneider

Die Klimawandel-Folgen in Sibirien waren Thema des Vortrages von Lutz Beckebanze, der in Bokel aufgewachsen ist. Der Sohn des Sprechers der Haller Grünen, Frank Winter, ist inzwischen wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hamburg und arbeitet seit einiger Zeit in der Polarforschung. Bereits vier Mal reiste er für mehrere Wochen ins sibirische Lena-Delta, um auf der Russisch-Deutschen Forschungsstation »Samoylov« zu untersuchen, wie viel CO2 und Methan durch die zunehmende Erderwärmung aus dem Permafrostboden entweicht.

Schmelzender Permafrostboden soll den derzeitigen CO2-Ausstoß bis 2100 nahezu verdoppeln

Bis er die »Samoylov« erreicht, vergeht allerdings eine Weile, denn sie liegt in völliger Abgeschiedenheit ca. 100 Kilometer Nord-Ost von der sibirischen Siedlung Tiksi. Dort herrschen im Winter Temperaturen von bis zu Minus 40 Grad Celsius. »Wir fahren mit dem LKW teilweise über zugefrorene Seen. Es gibt dort keine Infrastruktur«, erklärte Lutz Beckebanze, der vor Ort mit sündhaft teuren Messgeräten hantiert und dabei besorgniserregende Beobachtungen gemacht hat.

»Der jährliche CO2-Ausstoß der Menschheit liegt derzeit bei etwa 32 Gigatonnen. Wir erwarten, dass durch den schmelzenden Permafrostboden bis zum Jahr 2100 insgesamt mindestens 30 Gigatonnen hinzukommen«, erklärte der 27-jährige Beckebanze. Seinen Worten zufolge wachsen in der Tundra inzwischen immer größere Pflanzen. »Die kürzeren Winter machen sich auch hier bemerkbar. Klimaerwärmung ist nämlich ein Prozess, der sich selbst verstärkt«, sagte Beckebanze, der sich bereits jetzt schon auf den September freut. Denn dann steht seine nächste Reise zum Polarkreis an.

Wiebke Brems gibt sich kämpferisch mit Blick auf die Europawahl

Bevor Lutz Beckebanze über seine Erfahrungen sprach, hatte die Grünen-Landtagsabgeordnete Wibke Brems über Themen gesprochen, die aktuell den Landtag in Düsseldorf bewegen, wie zum Beispiel die Organisation eines sozial verträglichen Kohleausstiegs. Doch besonders lag es Brems am Herzen auf die richtungsweisende Bedeutung der anstehenden Europawahlen hinzuweisen. »Die europakritischen Fraktionen gewinnen an Zulauf. Wir müssen etwas dagegen unternehmen und alle vor Augen führen, wie wichtig es ist zur Wahl zu gehen.«

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