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Lernen auf Distanz

„Wie effektiv es ist, zeigt sich später“

Halle

„Gefühlt läuft es gut“, sagt Maik Evers, Leiter der Lindenschule beim Stichwort Distanzlernen. Schiebt aber gleich hinterher: „Noch ist das aber vom Schreibtisch aus schwer einzuschätzen.“ So geht es den meisten Haller Schulleitern.

Kerstin Eigendorf

In vielen Mehrgenerationen-Familien hilft dann auch schon einmal die Oma der Enkelin beim Lernen. Oma schreibt vor und die Erstklässlerin schreibt nach. Foto: Eigendorf

Die Abläufe funktionieren ganz gut, hier und da ruckelt es, aber es läuft. „Wie effektiv es ist, zeigt sich ohnehin erst später“, betont Gesamtschulleiterin Almuth Burkhardt-Bader.

An den Haller Grundschulen wird jede Woche Arbeitsmaterial ausgegeben. Ergänzt werden diese Arbeitsblätter durch Videokonferenzen alle zwei bis drei Tage sowie Sprechstunden per Video, wo die Kinder zum Teil auch selber anrufen. „Oft ist die Erwartungshaltung von Eltern, dass wir den kompletten Unterricht digital machen. Das ist aber nicht sinnvoll in der Grundschule“, sagt Evers. Dennoch sei es faszinierend, wie die Kinder in der aktuellen Situation Kompetenzen erlernten, die oft alltagstauglicher seien als manch klassischer Unterrichtsstoff. Seine Lehrer hätten sich aus der Not heraus vieles selbst beigebracht, es gebe viele Versuchsballons. „Alle Lehrer sind jetzt Autodidakten.“

An den weiterführenden Schulen in Halle läuft nahezu alles digital. Arbeitsblätter werden hochgeladen, 50 Prozent der Unterrichtszeit findet per Videokonferenz statt, die andere Hälfte sind Einzelarbeitsphasen. Und so macht KGH-Schulleiter Markus Spindler zwei Stunden Unterricht per Videokonferenz mit 23 Schülern. „Erst per Video 30 Minuten Frontalunterricht, dann wird hochgeladenes Material bearbeitet“, sagt er. Der Laptop sei sein ständiger Begleiter. Feierabend wird langsam zum Fremdwort.

Worauf es beim Distanzlernen ankommt, weiß Lisa-Marie Supply, Schülersprecherin am Kreisgymnasium, genau. „Es ist entscheidend vor allem in der Oberstufe, wie gut man sich selbst organisieren kann“, sagt die 16-Jährige. Könne man das nicht, sei man aufgeschmissen. So habe es in der ersten Woche Kritik von einigen Schülern gegeben, dass das Pensum zu viel gewesen und der zwischenmenschliche Kontakt zu den Lehrern leider durch die Fülle an Stoff weniger gewesen sei. „Insgesamt klappt das Distanzlernen aber gut, auch wenn der direkte Kontakt natürlich fehlt und Schüler, die weiter außerhalb wohnen, gelegentlich technische Probleme haben.“

Die Schwierigkeiten hatte auch Milan Bültmann. Der 17-jährige Schülersprecher der Gesamtschule konnte sich erst nicht auf der Arbeitsplattform anmelden. „Beim Test in der Schule ging es, zu Hause nicht.“ Aber solche Kinderkrankheiten gehörten einfach dazu, Abläufe müssten erst zur Routine werden, betont der Zehntklässler. „Das ruhige Arbeiten zu Hause sehe ich als Vorteil, und es ist schön, wenn wir Schüler in Sachen Technik auch den Lehrern mal Tipps geben können“, sagt er lachend.

Auch Schulleiterin Almuth Burkhardt-Bader sieht ihr Team gut auf das Distanzlernen vorbereitet: „Wenn eine Familie keinen Drucker hat, haben wir einfach Aufgabenpäckchen gepackt.“ Dennoch macht sie sich Sorgen, dass „wir einige Schüler doch nicht erreichen, die nicht das häusliche Umfeld haben, in Ruhe zu arbeiten“. Das sei der große Nachteil bei Unterricht auf Distanz.

Die Notbetreuung nutzen an der Gesamtschule sechs von 706 Schülern, an der Lindenschule sind es 25 von 250, am Kreisgymnasium einer von 730 und an der Grundschule Gartnisch sind es 46 von 206.

Kristina Niemeyer, Leiterin in Gartnisch, betont daher, wie wichtig die Schulsozialarbeiter momentan sind. „Es ist nämlich schon so, dass wir einige Kinder nach wie vor an die Hand nehmen müssen, und da ist es wertvoll, dass die Schulsozialarbeiter den engen Kontakt zu den Familien im Distanzlernen suchen.“

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