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Auf nassen Wiesen hat Bio-Station neben Kiebitz-Durchzüglern 800 Blässgänse gezählt

Wintergäste machen sich reisefertig

Halle (WB). Vereinzelt ist in den Hörster Feuchtwiesen und im Versmolder Bruch schon das typische Flöten des Großen Brachvogels zu hören – die Vorhut des Rote-Liste-Watvogels, der deutschlandweit vom Aussterben bedroht ist. »Noch sind nur wenige Exemplare hier. Wenn das Wetter mild bleibt, kommen die Brachvögel aber Anfang März«, sagt Bernhard Walter.

Klaudia Genuit-Thiessen

Im Niederungsgebiet von Aabach, Ziegenbach, Hessel liegen im Versmolder Bruch ausgedehnte Wiesen und Weideflächen, die im Winter und Frühling blank stehen. 28 Kleingewässer sind dort angelegt worden. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Das Vor-Frühlingswetter hat auch schon andere Wiesenvögel in den Altkreis Halle gezogen: Schätzungsweise 800 Kiebitze hat der Leiter der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld bisher auf den Wiesen im Bruch gesehen, relativ viel für hiesige Verhältnisse. Bernhard Walter: »Das sind allerdings Kiebitze, die hier nur auf dem Weiterflug in ihre Brutgebiete Station machen«.

»Spotter« mit Fernglas

Das 265 Hektar große Naturschutzgebiet Versmolder Bruch, in dem jetzt schon wieder die Vogel-»Spotter« gezielt per Fernglas gefiederte Bewohner und Gäste beobachten, und die sogar 531 Hektar großen Hörster Feuchtwiesen hatten im vergangenen Jahr nicht nur den sehr trockenen Sommer zu verkraften, sondern auch ein regenarmes Frühjahr. Keine guten Bedingungen für die heimischen Wiesenvögel, wie Bernhard Walter weiß. Er hofft deshalb für diesen Frühling auf mehr Niederschlag.

Arktische Gänse überwintern

Der dürfte die gefiederten Wintergäste nicht stören, die erst in einigen Wochen in ihre Brutgebiete im Norden aufbrechen. Die nassen Wiesen zwischen Hörste, Kölkebeck, Oesterweg und Peckeloh werden bei ihnen seit Jahren immer beliebter:   Wie die Silberreiher, deren weißes Gefieder von Jahr zu Jahr häufiger auf Wiesen und Äckern  zu sehen ist, haben auch die Blässgänse und Saatgänse die Region als Winterquartier entdeckt. »Wir haben vielleicht 800 Blässgänse und gut 200 Saatgänse in wechselnden Gruppen gezählt. Neben den üblichen Grau-, Nil- und Kanadagänsen haben wir damit echte arktische Gänse hier. Und die sind nicht etwa auf dem Durchzug«, sagt Bernhard Walter.

Gras auf dem Speisezettel

Enorm wichtig für diese Arten seien nämlich ruhige Überwinterungsgebiete, in denen die Vögel wenig gestört werden. Der Tisch ist jedenfalls gedeckt: Als Grasfresser können sie sich hier gut für ihre Reise in den Norden präparieren. »Und wir liegen hier genau zwischen klassischen Gebieten wie dem Niederrhein und dem Dümmer«, sagt der Ornithologe.

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