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Ausflug auf die A33: Sportler und Familien nutzen am Wochenende die unbefahrene Trasse

Wir fahr’n, fahr’n fahr’n auf der Autobahn

Halle (WB). Die A 33 verwandelt sich an Wochenenden in ein beliebtes Ausflugsziel. Sobald die Bauarbeiter verschwunden sind, erobern Läufer, Radfahrer und Skater die künftige Trasse. Offiziell ist dies allerdings nicht erlaubt.

Malte Krammenschneider

Mit den Inlineskates die A33 erkunden: Vitali Haladko und seine Tochter Alessia haben dabei sichtlich Spaß. Foto: Malte Krammenschneider

Kurz vor der künftigen Schnatweg-Ausfahrt der im Bau befindlichen A 33 tritt Pierre-Yves Locher noch einmal kräftig in die Pedale. Ganz zur Freude von Sohnemann Lois, der im kleinen Fahrradanhänger sitzt und sichtlich Spaß dabei hat, mit seinem Papa über die bereits fertiggestellten Streckenabschnitte der künftigen Autobahn zu fahren.

Wie die beiden Steinhagener nutzen derzeit an nahezu jedem Wochenende viele Ausflügler und Hobbysportler die vergängliche Gelegenheit, die Autobahntrasse aus nächster Nähe zu erkunden. »Wir fahren fast an jedem Sonntag hier hin. Es ist schon etwas ganz Besonderes. Dem Kleinen macht es großen Spaß«, sagt der gebürtige

Franzose Pierre-Yves Locher, der seit einigen Jahren in Steinhagen lebt und die Fortschritte des Autobahnbaus stets verfolgt.

Nun, da der Streckenabschnitt von Ummeln bis nach Künsebeck bereits asphaltiert ist, bittet ihn Sohnemann Lois regelmäßig, auf der »großen, leeren Straße« vorbeizuschauen und die riesigen Bagger zu bestaunen. Ein Wunsch, den der junge Vater seinem Schützling nur schwer ausschlagen kann. Zumal Pierre-Yves Locher selbst die entspannten Radtouren auf der Autobahn genießt. So geht es auch Karin Isenberg. Die sportliche Dame aus Brockhagen nutzt den sonnigen Tag für eine Tour mit ihrem Rennrad. »Ich fahre immer von Künsebeck nach Quelle und zurück. Das ist schon geil«, sagt Isenberg, die sich gleich darauf wieder auf ihren Drahtesel schwingt und davon braust.

Begeistert vom Erlebnis, auf der Autobahn mit dem Rad unterwegs zu sein, zeigen sich auch all jene, die es lieber gemächlich angehen. Sie nehmen sich Zeit, die landschaftlichen Veränderungen sowie den Baufortschritt zu beobachten. Wie Bärbel Landwehrmann aus Bielefeld, die mit ihrem Mann in Höhe Quelle auf die Autobahn fährt und beeindruckt ist, wie schnell das Asphaltband in jüngster Zeit gestalt angenommen hat. »Wir wollten uns das heute mal angucken. Bald können wir ja mit dem Fahrrad hier nicht mehr fahren«, sagt die Bielefelderin. Sie weist darauf hin, dass Radfahrer sich insbesondere in der Nähe der Brücken vor Glasscherben in Acht nehmen sollten. Neben den vielen Radfahrern sind auf der Autobahn auch Inlineskater unterwegs. Sogar eine Läufer-Gruppe nutzt die seltene Chance, ihrem Hobby auf einer Strecke der etwas anderen Art zu frönen.

Aufenthalt auf der A33 offiziell nicht erwünscht

Bei all den fröhlichen Gesichtern, in die man schaut, und der zweifelsohne einladenden Möglichkeit, auf einer »leeren« Autobahn unterwegs zu sein, müssen sich Radler, Skater und Jogger darüber im Klaren sein, dass der Aufenthalt auf der A33 offiziell nicht erwünscht ist. »Es handelt sich um eine Baustelle, auf der Bagger herumstehen, Eisenrohre herumliegen und Löcher gebohrt wurden. Das kann mitunter sehr gefährlich sein«, erklärt Sven Johanning von Straßen NRW in Bielefeld. Er gesteht

gleichzeitig ein, dass die Behörde keine Handhabe darüber habe, was am späten Abend oder am Wochenende auf der Autobahn geschehe.

Die befragten Familien und Hobbysportler, die die Autobahn-Trasse für sich entdeckt haben, fühlen sich sicher und wollen sich den Spaß nicht nehmen lassen.

Bald ist dieser ohnehin vorbei. Laut den Planungen soll die Autobahn Ende des Jahres bis zum Schnatweg freigegeben werden. Dann sollten Fußgänger und Radfahrer die Autobahn-Fahrbahn tunlichst meiden.

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