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Lidl lehnt mehrgeschossigen Neubau und Tiefgarage rigoros ab

»Wohnungen lohnen nicht«

Halle (WB). Lidl lohnt sich? Mietwohnungen auf einem Neubau in Halle kommen für den Discounter nicht in Frage. »Die Kombi von Handel und Wohnungen ist hier nicht wirtschaftlich und aus Betreiber- und Mietersicht nicht umsetzbar«, lehnte ein Vertreter des Unternehmens eine Anfrage der Stadt rigoros ab.

Klaudia Genuit-Thiessen

Lidl will in Halle neu bauen. Aber der Discounter lehnt für seinen neuen Markt Vorgaben wie ein mehrgeschossiges Gebäude oder eine Tiefgarage knallhart ab: »ein händlerisches No Go«, wie ein Lidl-Vertreter sagte. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

»Der Mietspiegel gibt uns nicht die Möglichkeit. Das rentiert sich nur in hochverdichteten Räumen«, sagte Lidl-Prokurist Matthias Sontheimer als Bereichsleiter der Immobilienabteilung am Dienstag im Planungsausschuss auf Nachfrage von Jochen Stoppenbrink (die Grünen). Er machte unmissverständlich klar, dass das Unternehmen gar nicht am Standort investiert, wenn die Stadt auf dieser Vorgabe bestehen würde.

Miete wie im Penthouse zahlt niemand

Bekanntlich lässt die Stadt wegen Wohnungsnot und Flächenversiegelung auch für den Aldi-Neubau prüfen, ob mehrgeschossig gebaut werden sollte – einer der Prüfaufträge, zu dem Matthias Sontheimer jetzt Stellung nahm. »Unten ein Markt und oben schreiben Sie rote Zahlen. Das kommt für uns nicht in Frage, rechnete er vor, dass solch ein Neubau bei einem Quadratmeterpreis von ca 2360 Euro und einem Mietspiegel, der 6,78 Euro ausweist, unwirtschaftlich ist. »Dann müssten wir eine Miete wie im Penthouse fordern und mindestens viergeschossig bauen. Da steigen uns die Bürger aber tatsächlich aufs Dach«. Auch die Belastungen durch Verkehr und den Betrieb des Marktes, der zu handelsüblichen Zeiten zwischen 8 und 21 Uhr geöffnet werden solle, seien für Bewohner nicht hinnehmbar. Sontheimer: »Das schnürt den Händler für die Zukunft in ein Korsett ein.«

Schlechte Erfahrungen mit Tiefgaragen

Auch für andere Prüf-Wünsche der Politik lieferte der Lidl-Vertreter Gegenargumente. So hält der Discounter auch an der Absicht fest, das neue Gebäude mit einer Schaufensterfront an der Bielefelder Straße hin auszurichten. Die offene Fassade der Schokoladenseite mache den Verkaufsraum licht und schließe städtebaulich eine Baulücke, argumentierte er auch im Hinblick auf einen Schallschutz-Gürtel zur Nachbarschaft.

Auch eine zusätzliche Parkebene auf dem 6300 Quadratmeter großen Grundstück, wo 86 Stellplätze vorgesehen sind (baurechtlich erforderlich sind 69) lehnte Sontheimer ab. Damit habe das Unternehmen nur schlechte Erfahrungen gemacht, ebenso wie mit einer Tiefgarage.

Abteilungsleiter Michael Flohr wies darauf hin, dass die neue Lidl-Planung ein großes Problem der Vergangenheit löse: Lärm durch Schneckenverdichter und Mulden-Absetzer wird es nicht mehr geben. Die Planung geht jetzt in die frühzeitige Bürgerbeteiligung.

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