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Märchenhafter Genuss mit allen Sinnen: Opus Arte gibt Picknick-Konzert in Halle

Ziegenkäse mit Bacon und Barcarole

Halle (WB). »Es war einmal im Dezember«, singt Manuela Brenker-Scholz sehnsuchtsvoll als legendäre Zarentochter Anastasia, die im gleichnamigen Musical vor der russischen Oktoberrevolution flieht. Mitten im Juni verzaubern sie und ihre Mitstreiter von Opus Arte beim Picknick-Konzert im Schulzentrum Masch die Zuhörer.

Petra Kramp

Ein Märchenbuch in der Hand haltend leiht Manuela Brenker-Scholz der legendären Zarentochter Anastasia ihre Stimme. Nach eindrucksvollen Musical-Darbietungen widmet sich der zweite Teil des Picknick-Konzertes der Oper. Foto: Petra Kramp

In ihrer wunderbaren lilafarbenen Robe schlüpft die Solistin sodann in die Rolle des Ballettmädchens Christine, das vom Phantom der Oper gefangen gehalten wird. Mit heller, glockenklarer Stimme erzählt sie im Lied »Angel of music«, wie ihr der Engel der Lieder das Singen lehrte. Und märchenhaft geht es weiter. Ute Meager mit ihrem roten Luftballon verkörpert die alte »Vogelfrau« aus Mary Poppins und rührt mit ihrer Aufforderung, zwei Penny für Vogelfutter zu spenden. »Wohl mir, dass ich Jesum habe«, singt der Chor mit mächtigem Timbre eindrucksvoll die bekannte Bachkantate.

Von einer Rolle in die nächste

Rund 250 Picknick-Konzertbesucher, die sich trotz des parallel laufenden Deutschland-Spiels im Schulzentrum Masch in Halle eingefunden haben, applaudieren anhaltend. Und genießen mit allen Sinnen: Die wunderbaren Stimmen, die zu Herzen gehenden Melodien, die rauschenden Roben, die mitgebrachten Picknick-Köstlichkeiten auf festlich geschmückten Tischen. Die Rechnung von Tausendsassa Reiner Beinghaus, Countertenor und Begründer von Opus Arte Opera und Ideengeber des Picknick-Konzertes, geht zum wiederholten Male auf.

Nachdem Solistin Larissa Kern, in ihrem richtigen Leben Grundschullehrerin und bereits seit zehn Jahren Ensemblemitglied, als getarnte Päpstin im »einsamen Gewand« angstvoll und zugleich tapfer ihr gut gehütetes Geheimnis besingt und thematisch passend Ralf Sczensny verzweifelt-anklagend Xavier Naidoos »Sie sieht mich nicht« anstimmt, ist die erste Pause angesagt. Der Opernteil folgt und es wird – Verdi lässt grüßen – italienisch.

Der Maestro erklimmt die Bühne

Horst-Dieter Schuhmacher und Manuela Heinrich überzeugen in diesem Teil als Solisten. Beachtlich ist auch die Textsicherheit der Chormitglieder, zählt Italienisch doch sicher nicht bei jedem zum allgemeinen Sprachschatz. Beim Lobgesang der Jungfrau aller Engel, »La vergine degli angeli«, aus Verdis Oper »Die Macht des Schicksals«, erklimmt der Maestro selbst die Bühne.

Soeben noch hinten vom Mischpult seine Truppe dirigierend, im schwarzen, ebenfalls selbstgeschneiderten, gerüschten Gehrock mit Pelzüberwurf, lässt er zur Freude der Konzertbesucher seinen voluminösen, unverwechselbaren Counter-Tenor erklingen, der bis in die höchsten Stimmlagen zu verzaubern versteht. Chor und Solist verschmelzen einmal mehr zu einer genussvollen Einheit. Mit wohlbekannten, leichten Operettenmelodien und zwei Zugaben klingt der wunderbar-märchenhafte Abend aus.

Wiederholung in Werther

Es war einmal? Nein, Ziegenkäse mit Bacon und Barcarole, also Walzerklänge aus Hoffmanns Erzählungen mit Fingerfood können am 11. August noch einmal in Werther kombiniert werden. Karten für den »Wertheraner Opernsommer« gibt es in der dortigen Buchhandlung Lesezeichen.

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