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Umweltschützer kritisieren Storck und andere Süßwaren-Hersteller

Zu viel Verpackung

Köln/Halle (dpa/WB/in). Wenige Tage vor Beginn der Süßwarenmesse ISM 2020 in Köln haben Umweltschützer einen „Systemwechsel“ bei der Verpackung der Süßigkeiten gefordert – hin zu kompostierbaren Verpackungen und Möglichkeiten zum unverpackten Einkaufen. „Der Umbruch muss jetzt stattfinden“, fordert die Verpackungsreferentin bei Greenpeace, Viola Wohlgemuth. Es gebe einen Interessenkonflikt, denn: „Die Industrie will verpacken. Verpackung ermöglicht mehr Werbung.“

Das möchten Umweltschützer gern öfter sehen: Süßwaren werden unverpackt in mitgebrachte Behältnisse abgefüllt und verkauft. Einzel verpackte Bonbons sind ihnen ein Graus. Foto: dpa

Im Visier hat Greenpeace auch den Marktführer aus Ostwestfalen, Storck. Ihm kreiden die Umweltschützer an, dass vielfach jedes Bonbon einzeln verpackt sei. Storck hält aber die Kunststoff-Verpackungen für die Hygiene und Haltbarkeit der Süßigkeiten für unverzichtbar. Indessen achte man auf Wiederverwertbarkeit, hieß es in Halle.

Süßwarenindustrie: Qualität ohne Plastik schwer beizubehalten

Unterstützung erhält Storck von Bastian Fassin, dem Vorsitzenden des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie: „Wir hatten nie sicherere Süßigkeiten, als wir es heute haben.“ Auch sei es in vielen Fällen schwer möglich, die Qualität der Produkte ohne Plastik beizubehalten. Bonbons verklebten, Schokolade laufe weiß an – „und statt Chips hätten sie nur noch Labberchips“. Trotzdem wolle man dem Bedürfnis entgegen kommen und arbeite mit Hochdruck an anderen Lösungen.

Greenpeace: Politiker müssen handeln

Nach Ansicht Wohlgemuths von Greenpeace müssen jetzt die Politiker handeln: „Es muss Rechtssicherheit geschaffen werden, damit unverpacktes Einkaufen einfacher wird.“ Bislang stelle die sogenannte Beweislast, mit der Händler ihre ausreichenden Hygienestandards für unverpacktes Verkaufen nachweisen müssen, ein großes bürokratisches Hindernis für viele dar. Für Verbraucher spielt es laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Nielsen mittlerweile eine Rolle, wie Waren verpackt sind: 71 Prozent der Befragten aus 11.000 deutschen Haushalten gaben an, beim Einkaufen darauf zu achten, dass möglichst wenig Verpackung auf dem Band liegt – das sind den Forschern zufolge zehn Prozentpunkte mehr als vor drei Jahren.

Süßwarenmesse ab dem 2. Februar in Köln

Auf der Süßwarenmesse, die ab dem 2. Februar in Köln stattfindet, präsentieren Süßwaren- und Snack-Hersteller einem Fachpublikum Trends und Neuheiten. Darunter sind zurzeit etwa Süßigkeiten mit vielen Proteinen und aus natürlichen Zutaten – wie auch Linsen oder Bohnen – besonders gefragt. Weiterhin hoch im Kurs stehen Snacks für unterwegs. Die Süßwarenbranche hielt ihren Umsatz 2019 in Deutschland mit rund 12,5 Milliarden Euro recht stabil Sorgen machen die erheblich gestiegenen Preisen für Rohstoffe wie Kakao. Sie könnten 2020 zu höheren Preisen etwa bei Lebkuchen und Printen führen.

Storck auf Platz drei

Die weltweit größten Süßwarenhersteller sind Ferrero und Mars. August Storck als erstes deutsches Unternehmen belegt bei der Statistik des Kölner EHI Retail Institute Platz 3. Haribo (Bonn) folgt auf dem fünften, Intersnack (Düsseldorf) auf dem sechsten, Lambertz (Aachen) auf dem achten, Ritter (Stuttgart) auf dem neunten und Balsen (Hannover) auf dem zehnten Rang.

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