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Rund um die 3500 Gräber will Kirchengemeinde deutlich mehr Bäume pflanzen und sucht dafür auch Paten

Haller Friedhof soll eine grünere Oase werden

Halle

Der Haller Friedhof soll noch mehr parkähnlichen Charakter bekommen. „Wir wollen langfristig einen Wald installieren“, sagt Pastor Burkhard Steinebel, so die Idee des Kirchenkreises Halle. Mittels Baumpatenschaften oder -spenden kann jeder interessierte Bürger einen Beitrag dazu leisten.

Von Christina Geis

Friedhofsgärtner Jörg Korte, Dagmar Pahmeyer (Friedhofsausschuss), Pfarrer Burkhard Steinebel und Vorsitzender der Friedhofsausschusses Reinhard Nolte an der Gedenkstele eines Baumgrabstätte, im Hintergrund ein neu gepflanzter Ahornbaum.Wegen des Klimaschutzes und sich wandelnder Bestattungswünsche sollen deutlich mehr B Foto: Chrsitina GeisChristina Geis

Der Wunsch nach einer naturnahen Bestattung nehme immer mehr zu, so Steinebel. Um dem Trend zu neuen Bestattungsformen zu entsprechen und dabei gleichzeitig einen kleinen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten, habe sich die Ev.-Lutherische Kirchengemeinde Halle zum Ziel gesetzt, den Baumbestand auf dem Friedhofsgelände deutlich zu erhöhen. Bereits im Frühjahr wurden auf dem gesamten Friedhofsgelände 35 neue Bäume gepflanzt. Auch in den nächsten Jahren sollen weitere Baumpflanzungen vorgenommen werden, um mittel- und langfristig den Parkcharakter des Friedhofes weiter auszuweiten und gleichzeitig zum Klimaschutz beizutragen. Dazu hat die Friedhofsverwaltung ein Konzept zur Übernahme von Baumpatenschaften und -spenden erarbeitet.

Was ist der Unterschied? „Bei einer Baumspende kann der Spender entweder einen eigenen Baum mitbringen oder aus unserem Angebotskatalog wählen, bei einer Patenschaft sucht er sich einen bereits gepflanzten Baum aus“, erklärt Reinhard Nolte, Vorsitzender des Friedhofausschusses. Wer möchte, könne sich “seinen“ Baum per Namensschild personalisieren lassen.

Die Auswahl reicht von Amberbaum bis Zirbelkirsche, auch Obstbäume sind im Angebot. Sie sollen auf einer Streuobstwiese gepflanzt werden. Ein Rasengrab auf der Wiese unter dem Baum – das versinnbildliche den natürlichen Kreislauf von Leben und Tod, “wenn im Frühjahr die Bäume blühen und im Herbst Blätter und Fallobst auf der Wiese liegen“, schildert Steinebel, „so, wie die Birnen in dem Gedicht über Herrn von Ribbeck“.

„Die Spender haben keine weitere Verpflichtung, sich um den Baum zu kümmern.“

Die Pflege der Bäume übernehmen die Friedhofsgärtner. „Die Spender haben keine weitere Verpflichtung, sich um den Baum zu kümmern, das Gießen übernehmen wir “, so Friedhofsgärtner Jörg Korte. Man könne auch einen Baum mitbringen, „der müsste allerdings schon eine gewisse Größe haben, damit es sich lohnt, ihn anzupflanzen.“ Hinter der Aktion stehe das Ziel, zukünftig einen immer größer werdenden Baumbestand als einen besonderen Ort der Trauer, aber auch der Erholung und der Besinnung anzubieten und damit dem zunehmenden Wunsch nach naturnahen Bestattungen über die bereits bestehenden Möglichkeiten hinaus zu erfüllen. Im Mai 2016 habe die erste Baumbestattung stattgefunden, mittlerweile lasse sich fast jeder dritte Verstorbene am Baum beisetzen. Etwa 200 Bestattungen gibt es pro Jahr auf dem Haller Friedhof, der Anteil an Sargbestattungen liegt laut Nolte dabei nur noch bei etwa 50 Prozent.

Auf dem 80 000 Quadratmeter großen Gelände (das ist die Fläche des Leipziger Hauptbahnhofs) befinden sich rund 3500 Gräber. Durch die steigende Anzahl von Urnengräbern werde immer weniger Platz benötig, der Friedhof sei mittlerweile zu groß. Daher werde eine Verkleinerung angedacht. Im unteren, älteren Teil gebe es immer mehr freie Fläche, weil die dort liegenden Einzelgräber nach und nach aufgelöst würden. Die Neubestattungen fänden vermehrt im oberen Teil statt, in dem sich auch die Friedhofskapelle befindet.

Visionen von einem Friedhof neuer Generation mit Teich, Spielplatz und Veranstaltungen

„Ein Friedwald in einem höhergelegenen Waldstück zur Egge hin ist nicht umsetzbar, da haben wir alle Möglichkeiten abgeklärt“, bedauert Kirchenausschussmitglied Dagmar Pahmeyer. Der Wald dort sei FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat, ein Gebiet, in dem die Natur besonders schützenswert ist), deshalb seien dort keine Bestattungen erlaubt. Auch aus praktischen Gründen sei dieses Waldstück ungünstig. „Sie kommen mit dem Rollator nicht hin, es gibt kein WC, der Weg ist steil und steinig, und man darf die Wege nicht verlassen“, erklärt Jörg Korte. „Wenn wir über den Friedhof gehen, merken wir, wie viele verschiedene Möglichkeiten und Örtlichkeiten es gibt, bestattet zu werden“, so Steinebel, „vielleicht sagt jemand: Dieser Baum ist mir besonders wichtig, hier möchte ich begraben werden“.

Grundsätzlich gebe es zwei Antriebsfedern zur Umgestaltung des Friedhofes. Zum einen wolle man den heutigen Ansprüchen der Menschen an Bestattungsformen und Orte gerecht werden, zum anderen „bemühen wir uns, dass diese grüne Oase auch ökologisch sinnvoll ist“, sagt Steinebel. Regenwasser zum Beispiel solle zukünftig nicht mehr einfach in den Gulli abfließen, sondern zur Bewässerung genutzt, die Wege durch das Anpflanzen der Bäume beschattet werden. Insektenfreundlich sei der Friedhof bereits durch die vielen verschiedenen Stauden und Blumen.

Auch Tierbestattungen neben Verstorbenen sind ein mögliches Zukunftsthema

Um einen weiteren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, wurde im Frühjahr eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Nebengebäude der Friedhofskapelle installiert.

„Friedhöfe müssen sich mehr öffnen“, sagt Steinebel und schildert die Vision des „Friedhof next generation“, auf dem auch ein Spielplatz oder ein Teich denkbar seien, vielleicht Veranstaltungen, „man holt den Friedhof gleichsam in das Leben“.

In der Diskussion seien aktuell auch Mensch-Tier-Bestattungen, also die Beisetzung des eigenen Haustieres neben den verstorbenen Besitzer. Hierüber müsse jedoch erst das Presbyterium entscheiden. „In einem solchen Fall muss erst der Mensch bestattet werden, das Tier nach dem Ableben des Menschen“, so Steinebel.

Weitere Informationen zu den Baumpatenschaften oder -spenden über das Gemeindebüro, Tel. 05201 3086 oder hal-kg-halle@kk-ekvw.de . bzw. www.kirchehalle.de/baumspenden-und-patenschaften-auf-unserem-friedhof

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