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Harsewinkel

Denkmalschutz für Gasthof Wilhalm

Harsewinkel (bit) - Der ehemalige Gasthof Wilhalm an der Ecke Dr.-Pieke-/Gütersloher Straße, der sich seit einiger Zeit im Besitz der Stadt befindet, wird in die Denkmalliste des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe eingetragen. Zudem gilt die Immobile künftig als sogenannter Dritter Ort.

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Ihn fördert das NRW-Ministerium für Kultur und Wissenschaft mit Ministerin Isabel Peiffer-Poensgen als Raum für Kultur und Begegnung im Ländlichen Raum. Beide Entscheidungen fasste der Rat unter Vorsitz von Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide (SPD) gegen den Willen der CDU.

Bürgermeisterin will Förderanträge noch in diesem Monat stellen

Die Bürgermeisterin will die Förderanträge noch in diesem Monat stellen. Laut Richtlinien sind Gesamtkosten in Höhe von 562 500 Euro förderfähig, Nach Abzug des Zuschusses bleibt für die Stadt ein Eigenanteil von 112 500 Euro (20 Prozent) auf drei Jahre verteilt.

In dieser Zeit muss sich auch ein zu entwickelndes Konzept bewegen, das danach drei Jahre ohne Landesmittel fortzuführen ist. Für diesen sogenannten Regelbetrieb von 2024 bis 2026 sind jährliche Kosten von 120 000 Euro kalkuliert.

„Wir wollen kein Heimathaus 2.0 mit Kulturmanager“

Sabine Amsbeck-Dopheide zeigte sich mit dem Ergebnis der Ratsbeschlüsse zufrieden. Denn bei der Beantragung von Städtebauförderungsmitteln nur für den Gasthof mit Saal ohne Kultur hätte die Stadt ein halbe Million Euro aus eigener Tasche zahlen müssen, sagte sie gegenüber dieser Zeitung.

CDU-Sprecherin Dr. Angelika Wensing lehnte die Umwandlung in einen Dritten Ort ab. „Wir wollen wieder eine Kneipe mit Saal um die Ecke haben und kein Heimathaus 2.0 mit Kulturmanager“, argumentierte sie. Ebenso monierte sie Kosten von rund 500 000 Euro zum Ausprobieren eines Projekts, das die CDU nicht wolle. Die CDU-Sprecherin beantragte deshalb einen Ratsbürgerentscheid und eine namentliche Abstimmung darüber.

CDU wehrt sich gegen Denkmalschutz

Dafür wäre laut Fachbereichsleiter Heinz Niebur eine Zwei-Drittel-Mehrheit des Rats erforderlich gewesen. Reinhard Hemkemeyer (SPD): „Ein Bürgerentscheid sollte am Ende, nicht am Anfang des Projekts stehen.“

Das Ergebnis: 14 Ja-Stimmen (Stärke der anwesenden CDU-Fraktion) bei 18 Nein-Stimmen von SPD (10), UWG (5) und Grünen (2) plus Bürgermeisterin. Gegen eine Unterschutzstellung des Hauses Wilhalm als Denkmal wehrte sich Angelika Wensing vehement. Sie versicherte wie ihr Fraktionskollege Rainer Kuhlmann, niemand wolle den alten Gasthof abreißen, aber auch nicht der Stadt Daumenschrauben anlegen bei einer Sanierung unter Denkmalauflagen.

„Vor wem müssen wir unser eigenes Haus schützen?“ - „Vor Ihnen.“

Zur Eintragung des Gasthofs Wilhalm in die Denkmalliste sagte Dr. Angelika Wensing: „Denkmalschutz bedeutet mehr Kosten und Pflichten. Vor wem müssen wir unser eigenes Haus schützen?“ Bissiger Zwischenruf von Hemkemeyer (SPD): „Vor Ihnen.“ Der SPD-Ratsherr plädierte für die Denkmalliste mit dem Argument: „Sicher ist sicher.“

Johannes Sieweke (UWG) reklamierte: „Die Erhaltung des Hauses ist uns zu verdanken. Und dem schnellen Handeln der Verwaltung.“ Wenn die Stadt denkmalwürdige Gebäude der Bürger unter Schutz stelle, die eigenen aber nicht, werde sie unglaubwürdig. Für Ralf Dräger (SPD) gab es keinen Zweifel: „Das Haus Wilhalm hat Stadtgeschichte erlebt.“

Verkehrswert ohne Denkmalschutz mehr als doppelt so hoch

Ein vereidigter Sachverständiger ermittelte den Verkehrswert des Projekts unter Denkmalschutz mit 460 000 Euro und ohne diesen mit einer Million Euro bei Abbruch und Neubau von Eigentumswohnungen. Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide verwahrte sich gegen alle Unterstellungen. Wörtlich: „Dabei handelt es nicht um ein Gefälligkeitsgutachten.“

Sie stellte auch klar, dass kein Kulturbeauftragter im Rathaus nur für das Haus Wilhalm geplant sei – er solle alle Veranstaltungen, in die Steuergelder fließen, in Bewegung bringen.

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