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Bürgerschützen- und Heimatverein feiert 175-jähriges Bestehen mit großem Festakt

Ein Band, das alle Schichten vereint

Harsewinkel (WB). Sprichwörtlich in den Mittelpunkt gerückt wurde Günter Austermann nur ein einziges Mal – doch dieses Lob kam ausgerechnet von allerhöchster Stelle: „Er redet nicht über sich selbst, sondern hat ein ehrendes Wort für all seine Gäste“, schrieb CDU-Politiker Ralph Brinkhaus dem Präsidenten des BSV Harsewinkel beim Festakt des Vereins ins Stammbuch. „Das zeugt von Haltung und echter Wertschätzung“, zollte der Unions-Fraktionsvorsitzende dem Cheforganisator der Feierlichkeiten zum 175. BSV-Geburtstag Hochachtung.

Bilder aus acht Jahrzehnten gemeinsamer Geschichte enthält das Buch-Geschenk an die Familie Claas. Das Bild zeigt (von links) Konzernchef Thomas Böck, Helmut Claas und BSV-Präsident Günter Austermann beim Festakt am Donnerstagabend im Claas-Technoparc. Foto:

„Herzblut, Leidenschaft, Engagement“, der Festredner aus dem Machtzentrum der Berliner Bundespolitik fand am Donnerstagabend im Claas-Technoparc ehrlich gemeinte Worte für Austermann und all die Aktiven unter den 1250 Mitgliedern, „die etwas für die Gemeinschaft tun, ohne Geld dafür zu bekommen“. In Zeiten, in denen die Menschen sich voneinander entfremden, in denen der Kitt der Gesellschaft brüchig wird, sei der Zusammenhalt der Grünröcke nicht hoch genug einzuschätzen, betonte Brinkhaus. Für den Parlamentarier, den die Kontaktpflege an der Basis seiner politischen Heimat nicht selten zum bunten Treiben rund um die Vogelstange führt, nimmt die Uniform einen hohen Stellenwert ein: „Sie ist wie ein gemeinsames Band, das alle Schichten verbindet.“ Wer aber die Schützenvereine allein auf das Feiern reduziere, „der hat nichts, aber auch rein gar nichts verstanden.“

„Im besten Sinne bürgerlich”

Über 22 Monate hinweg hat Austermann am Konzept für das Jubiläum gefeilt – Ideen für die Musik entwickelt, Künstler unter Vertrag genommen, den minutiös getakteten Plan mehrfach nachjustiert. Doch in das Licht der Spots und Scheinwerfer rückte in der Tat nicht der führende Kopf des 1845 aus der Taufe gehobenen Vereins, sondern jene, zu denen „teils schon seit Jahrzehnten eine tief empfundene Verbundenheit besteht“: Ob Claas-Konzernchef Thomas Böck („Vereine wie der Ihre halten die Gesellschaft zusammen“), Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide („Der Bürgerschützenverein ist im besten Sinne bürgerlich“) oder St.-Hubertus-Präsident Matthias Hörster („Ihr seid ein Symbol für Tradition und Brauchtum“) als Vertreter heimischer und auswärtiger Gastvereine.

Den wohl emotionalsten Augenblick des Abends verbuchten hingegen die aus dem 700 Kilometer entfernten Innsbruck angereisten Wiltener Schützen um ihren Ehrenhauptmann Andreas Raass. Als das Kolpingorchester „Dem Land Tirol die Treue“ intonierte, hielt es niemanden mehr auf den Stühlen. Aus fast 500 Kehlen erklang das von reichlich Pathos geprägte Lied. „Freundschaften“, rief Raass dem Publikum denn auch zu, seien wie Salz: „Sie konservieren das Traditionelle und würzen die Zukunft“.

Imagefilm spannt einen Bogen von 1845 bis heute

Eine fein aufeinander abgestimmte Mischung aus Wortbeiträgen, Musikeinlagen sowie Showelementen und Tanzsport hatte BSV-Präsident Günter Austermann auf die Bühne gezaubert. Comedy-Bauchredner Jörg Jará, die Paartänzer der Roten Funken, Karolina Barbie und Fabian Meyer-Wilmes, die Musikanten des Spielmannszuges und des Kolping­orchesters, die Trommelspieler der „Fascinating Drums“ – sie alle wurden mit reichlich Beifall bedacht und lösten beim Publikum zum Teil regelrechte Begeisterungsstürme aus.

Ein gut acht Minuten langer, aber äußerst kurzweiliger Imagefilm spannte einen bunten Bilderbogen über die Anfangszeit des 1845 gegründeten Vereins bis hinein in das Jahr des 175. Geburtstags. Vor Requisiten vom Musikinstrument bis zum Mähdrescher wurden dabei einige handverlesene Persönlichkeiten in Szene gesetzt – darunter Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dop­heide (SPD), die beim Festakt erklärte: „Für euch bin ich jetzt Schützenschwester Sabine – Horrido“, und Claas-Seniorchef Helmut Claas.

Fotobuch zeigt die Mähdrescher-Dynastie

Apropos Claas: Die enge Verbundenheit von Firma und Familie Claas zum Bürgerschützen- und Heimatverein brachte allein schon der Veranstaltungsort zum Ausdruck. Der BSV durfte für seinen Festakt den Technoparc nutzen. Als Dankeschön überreichte BSV-Präsident Günter Austermann ein Fotobuch an Helmut Claas. Die 140 Bilder darin zeigen Familienmitglieder der Mähdrescher-Dynastie auf den Festen und Feiern der Schützen. Zu sehen ist etwa Walter Claas (†), der 1958 als König und 1970 als Kaiser das BSV-Schützenvolk regierte. Oder Erika Claas (†), die 2012 den Heimatorden verliehen bekam.

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