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Harsewinkel

Einkauf statt Personenbeförderung

Harsewinkel (gg) - Das öffentliche Leben steht wegen der Corona-Pandemie nahezu still. Viele Menschen drängt es zwar bei schönstem Frühlingswetter nach draußen, doch ein normales öffentliches Leben gibt es aufgrund von Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren nicht. Und das wird vermutlich noch eine Weile so bleiben. Sehr zum Leidwesen der Taxibranche. Auch sie ist teilweise von akuten Existenznöten bedroht.

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Einer von ihnen ist Ingo Riedel, Inhaber von Taxi Brandes in Harsewinkel. 23 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit stehen mit sieben Fahrzeugen für Taxi- und Kurierfahrten rund um die Uhr zur Verfügung. Seit der Corona-Krise hat sich alles verändert. „Die Menschen sind wie paralysiert“, sagt Ingo Riedel. Die typischen Dienstleistungen, wie Disco-Konzert- und Schützenfestfahrten, Flughafentransfers, Kranken-, Kurier-, Dialyse- und Stammkundenfahrten finden gar nicht bis selten statt.

Betriebspflicht ausgesetzt

Aufgrund der fehlenden Nachfrage hat Ingo Riedel bereits drei Taxen von der Straße genommen und vorübergehend in den Ruhezustand versetzt. Zudem hat er Kurzarbeit angemeldet. „Wir haben einen Umsatzeinbruch von rund 80 Prozent“, beklagt Riedel. Dennoch kann er seinen Betrieb nicht komplett schließen, denn Taxiunternehmer haben eine Betriebspflicht. Das bedeutet, dass Fahrzeuge und Mitarbeiter für Beförderungen bereit und damit einsatzfähig gehalten werden müssen.

Auch wenn der Kreis Gütersloh alle Taxiunternehmer bis zum 30. Juni von der Betriebspflicht befreit hat, minimieren sich die laufenden Kosten kaum. „Genau genommen wäre es vernünftiger den Betrieb komplett zu schließen, denn die Kosten für einen Vollzeitfahrer, selbst bei Mindestlohn, sind höher als dessen derzeitige Einnahmen.“

Weil Ingo Riedel aber dennoch für alle heimlichen Helden, Kranken und Senioren als verlässlicher Partner in der Corona-Krise zur Seite stehen möchte, bietet er unter anderem Botenfahrten und einen Einkaufsservice an. Über die Taxizentrale erhält der Fahrer den Einkaufszettel des Auftragsgebers. Nachdem er alle gewünschten Waren eingekauft hat, liefert er die Sachen vor der Haustür ab und verrechnet kontaktlos Besorgungen und Fahrtkosten.

„Ansteckungsrisiko nahezu auf null minimiert“

„Wenn es gewünscht ist, holen wir auch den Wellensittich aus Hamburg, das Bier von der Tanke und das bestellte Buch aus der Bücherei ab und bringen es dem Kunden“, so Ingo Riedel, der auch gern mehr medizinisches Personal befördern würde.

„Wir desinfizieren unsere Taxen nach jeder Fahrt sehr akribisch. Dazu kommt, dass man im Taxi allein sitzt, was im Vergleich zu Bussen der Bahnen ein Ansteckungsrisiko nahezu auf null minimiert“, so Ingo Riedel. Auch der seit Montag bestehenden Maskenpflicht kommt man bei Taxi Brandes nach. „Sie gilt nicht nur für die Fahrer, sondern auch für Fahrgäste. Unser Fahrpersonal hält Masken bereit, damit diese Verpflichtung unproblematisch umgesetzt werden kann. „Dieser Service ist für Fahrgäste kostenlos“, schreibt das Unternehmen auf seiner Internetseite.

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