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Harsewinkel

Kandidaten-Check: lebendig und provokant

Harsewinkel (bit) - Die Zukunft des ehemaligen Gasthofs Wilhalm, der nach der jüngsten Ratssitzung unter Denkmalschutz steht, und das vom Land geförderte Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Isek) haben am Dienstag die Kandidatenbefragung vor der Kommunalwahl bestimmt.

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Im Rahmen der Sommer-Kulturbühne im Hof der Gaststätte Vielfalt scheuten die Zuhörer – soweit es die Corona-Abstände zuließen – die kühlen Abendtemperaturen nicht. Noa-Entertainment sorgte für eine lebendig aufgemachte Übertragung auf die Bildschirme daheim.

Kein CDU-Bürgermeister seit 1994 - „Nervt das nicht?“

Die Biobäuerin Stefanie Strotdrees und Martin Liebschwager, Pfarrer der evangelischen Gemeinde, hatten sich durch die Parteiprogramme gearbeitet und fragten entsprechend informiert nach.

Die Moderatorin begann leicht provokant. An Dr. Angelika Wensing (CDU): „Kein CDU-Bürgermeister mehr seit Heinrich Hemker (1994). Nervt das nicht?“ Es nervte nicht. An Reinhard Hemkemeyer (SPD): „Sabine (Amsbeck-Dopheide) könnt Ihr. Und was sonst?“ Hemkemeyer: „Die hat die Stadt verbessert.“

Die Grünen haben das höchste Durchschnittsalter

An Juan Carlos Palmier: „Die Grünen haben das höchste Durchschnittsalter.“ Palmier: „Alter bedeutet Erfahrung. Wir haben Zuwachs. Darunter sind viele Junge.“ Der SPD-Fraktionsvorsitzende Hemkemeyer hob die kulturhistorische Tradition des Hauses Wilhalm hervor. Das gesamte Gebäudeensemble sei schützenswert.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Hemkemeyer hob die kulturhistorische Tradition des Hauses Wilhalm hervor. Das gesamte Gebäudeensemble sei schützenswert. Der SPD-Politiker: „Es war wichtig, das Haus durch die Stadt zu kaufen. Denkmalschutz ist Stadtidentität.“

Haus Wilhalm steht in der Mitte der Diskussion

Die CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Wensing bestritt die Bedeutung des Hauses nicht. Niemand wolle es abreißen. Da es Fördermittel gegeben habe, sei ein Abbruch in den nächsten 20 Jahren auch gar nicht möglich. Nur Denkmalschutz hielt die Sprecherin für falsch, weil er Daumenschrauben anlege. Eine notwendige Sanierung unter Denkmalsschutz werde viel teurer, rechnete die CDU-Ratsfrau vor.

Juan Carlos Palmier (Grüne) ließ das nicht gelten. „Es kann teuer werden, muss es aber nicht“, meinte er. Und FDP-Ratskandidat Philip Steffens fand den Kauf des Hauses Wilhalm richtig, nicht aber die Unterschutzstellung zum jetzigen Zeitpunkt. Steffen: „Das können wir uns zurzeit nicht leisten.“

Morgens Volkshochschule, nachmittags Kaffee und Kuchen, abends ein Bier

Hemkemeyer hielt es durchaus für denkbar: morgens Volkshochschule, nachmittags Kaffee und Kuchen und abends ein Bierchen. Dr. Wensing: „Saal mit Bühne und gemütliche Kneipe im vorderen Teil des Hauses brauchen wir. Die Küche wird zum Abstellraum und ein Kulturmanager eingestellt.“ Der Kulturbeauftragte sei mit der öffentlichen Förderung des Hauses verknüpft, so Palmier. Philip Steffens (FDP): „Wir stellen Gastronomie vor Veranstaltungen.“

Zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept meinte Dr. Angelika Wensing (CDU): „Als wenn wir das nicht schon längst gemacht hätten.“ Der Charme der Innenstadt müsse wachgeküsst werden. Wörtlich: „Man kann es nicht allen recht machen; aber gegen die Bürger geht gar nichts.“

Ladenmieten sind die entscheidende Stellschraube

Reinhard Hemkemeyer (SPD) erinnerte daran, dass jedes Konzept der Verkehrsplanung mit und ohne Einbahnstraße und Fußgängerzone seit Jahren von irgendjemandem schon entwickelt worden sei. Sein Vorschlag: „Wenn etwas steht, dann den Bürger fragen, aber nicht nach den Motto Fußgängerzone Ja/Nein.“

Juan Carlos Palmier (Grüne) empfahl dringend, die Innenstadt nicht schlechtzureden. Die Ladenmieten seien zu hoch, da sei die Stellschraube. Sehr viel hielt der Politiker der Grünen von der Gestaltung des Bahnhofumfelds. Daraus könne ein Zentrum werden, glaubte er.

Mangelt es an Sicherheitsgefühl?

FDP-Kandidat Philip Steffens bezeichnete es als wichtig, dass vom Bahnhof auch eine Mobilität in Richtung Innenstadt ausgehe. Leerstände in der City zum betreuten Wohnen zu nutzen, habe seine Grenzen. Start-up-Betriebe könnten da Abhilfe schaffen.

Zum Thema Sicherheit wünschte sich Dr. Angelika Wensing eine jederzeit ansprechbare Polizeiwache. Es mangele am Sicherheitsgefühl. Hemkemeyer nannte eine rund um die Uhr besetzte Station illusorisch. Da sei der Kreis entscheidend.

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