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Harsewinkel

Lebensmittelaktion für bedürftige Kinder

Harsewinkel (afri) - Armut ist in Harsewinkel ein Thema. Das ist Gudrun Greve, Leiterin des Familienzentrums Mini-Maxi in Harsewinkel, in den vergangenen Woche und Monaten einmal mehr bewusst geworden. Und deshalb hat sie, wie bereits berichtet, eine Aktion ins Leben gerufen.

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Neue Wege geht das Familienzentrum Mini-Maxi mit der Auslieferung von Lebensmitteln an finanzschwache Familien mit Kindern, die derzeit nicht in die Kita oder Schule gehen können. Foto:

Von der Aktion profitieren Kinder, die wegen des Lockdowns nicht in die Schule oder Kita gehen können.

Kostenlose warme Mahlzeit fällt weg

Wenn das Geld knapp ist, fallen die Mahlzeiten spärlich aus. In einigen Harsewinkeler Familien fehlt es am Nötigsten. Aufgefangen wird das normalerweise ein stückweit in den Schulen und Kindergärten. Denn wenn ein Bildungs- und Teilhabeanspruch besteht, bekommen Jungen und Mädchen aus betroffenen Familien dort einmal am Tag eine kostenlose warme Mahlzeit. Derzeit sind die Schulen und Kitas jedoch geschlossen.

Es wird zwar eine Notbetreuung angeboten. Dorthin müssen die Kinder jedoch eine Lunchbox von zu Hause mitbringen. Jungen und Mädchen aus finanzschwachen Familien gehen also leer aus. Die Mittel, die eigentlich für das Mittagessen vorgesehen sind, fließen zum Jobcenter des Kreises zurück, weil sie nicht direkt an die Familien ausgezahlt werden dürfen.

Dass das Geld nicht ungenutzt herumliegt und die Kinder weiterhin mit geregelten Mahlzeiten versorgt werden, ist Gudrun Greve ein Herzensanliegen. Sie ist kreativ geworden. Gemeinsam mit vier ehrenamtlichen Helfer lässt sie den betroffenen Familien Lebensmittel zukommen.

„Vielen wird jetzt erst die Tragweite der Schulschließung bewusst“

Ganz so einfach, wie es klingt, ist es dann aber doch nicht. Denn aus Datenschutzgründen musste Gudrun Greve einen Umweg gehen, um Kontakt mit den Familien aufzunehmen, die einen Anspruch auf Bildungs- und Teilhabe-Leistungen haben. „Die Schulen und Kitas dürfen die Namen nicht rausgeben“, erklärt die Mini-Maxi-Leiterin. Also schrieb Gudrun Greve einen Elternbrief, der von den Schulen und Kitas an bedürftige Familien übermittelt wurde. In dem Schreiben, das in vier Sprachen (Arabisch, Bulgarisch, Rumänisch und Englisch) übersetzt wurde, informiert Gudrun Greve, was es mit der Aktion auf sich hat.

Schon wenig später zeigte sich, dass Gudrun Greve den richtigen Riecher hatte. 20 Antwortschreiben liegen ihr bislang vor. Und die Leiterin des Familienzentrums rechnet damit, dass sich in den kommenden Tagen noch mehr Familien mit Kindern zurückmelden. „Vielen wird jetzt erst die Tragweite der Schulschließung bewusst“, weiß Gudrun Greve, deren Team aus Ehrenamtlichen schon früher als geplant die ersten Familien mit Lebensmitteln belieferte. Eigentlich sollte es erst im Januar losgehen. Aufgrund der positiven Resonanz fiel der Startschuss dann aber schon im Dezember.

So funktioniert die Aktion: Gudrun Greve nimmt Kontakt zu den Familien auf, die sich auf ihren Brief zurückgemeldet haben. Die Eltern schreiben dann eine Liste mit Lebensmitteln, die sie für zwei Wochen benötigen. Mit dieser an der Hand gehen die Ehrenamtlichen einkaufen und bringen die Lebensmittel zu den Familien.

Spendenbereitschaft ist enorm hoch

„Das ist ein riesiger Aufwand“, sagt die Leiterin des Familienzentrums. Manchmal sei es nämlich gar nicht so einfach, die Listen abzuarbeiten. Andere Nationen, andere Essgewohnheiten. Ein Aufwand, den das Team gern betreibt. Denn am Ende wissen alle Beteiligten, dass sie den Familien und vor allem den Kindern in dieser schwierigen Zeit ein stückweit helfen können. Und mit leerem Magen lässt es sich bekanntlich schlechter lernen. Pro Kind stehen für zwei Wochen normalerweise 30 Euro zur Verfügung. Der Verein streckt dieses Geld für die Einkäufe zunächst vor. Die Auslage wird dann zeitnah aus dem Topf für Bildungs- und Teilhabeleistungen vom Jobcenter zurückerstattet. Derzeit kann Gudrun Greve sogar 20 Euro pro Kind und Einkauf drauflegen. Anfang Dezember hatte die Leiterin um Spenden gebeten, um eine Versicherung für die Ehrenamtlichen abzuschließen. „Wir hatten das Glück, dass die Spendenbereitschaft enorm hoch war“, sagt die Mini-Maxi-Leiterin, die den Überschuss an Spenden für die Dienstreise-Kasko-Versicherung nun an die Kinder weitergibt.

Gudrun Greve freut sich, dass offenbar zahlreiche Harsewinkeler lieber in Projekte spenden, die vor Ort Hilfe leisten, als in solche, wo man vielleicht gar nicht so genau weiß, wem das Geld zugute kommt. Sie hofft nun, dass sie die Summe noch eine Weile auf 50 Euro aufstocken kann. Fortgeführt werden sollen die Lebensmittellieferungen noch so lange der Bedarf besteht.

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