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Jugendamt verzeichnet mehr Meldungen über Kindeswohlgefährdung

»Lügde-Effekt« ist spürbar

Harsewinkel (WB). Der »Lügde-Effekt« ist in Harsewinkel angekommen. Nach den schrecklichen Kindesmissbrauchs-Fällen auf dem Campingplatz im Kreis Lippe habe es in der Mähdrescherstadt deutlich mehr Meldungen auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung gegeben, erklärte Regina Stöttwig von der Regionalstelle West im jüngsten Sozialausschuss.

Stefanie Winkelkötter

Kindeswohlgefährdung: Auch in Harsewinkel sind die Meldungen diesbezüglich angestiegen. Waren es in 2017 noch 38 Meldungen, sind es im vergangenen Jahr 94 – immerhin 56 mehr. Foto: dpa

Im Jahr 2017 gab es 38 Meldungen, im vergangenen Jahr 94. Und in diesem Jahr werden es am Ende nach aktuellem Stand noch mehr sein, führte die Mitarbeiterin des Jugendamtes aus. »Es gibt auch deutlich mehr Meldungen auf den Verdacht des sexuellen Missbrauchs«, stellt sie erschreckender Weise heraus.

Anonyme Schreiben, Nachbarn, Schulen, Kindergärten, Verwandte und Bekannte – die Meldungen kämen auf ganz unterschiedlichen Wegen im Amt an, erklärte Regina Stöttwig. »Die Bevölkerung ist deutlich sensibilisiert.« Geht eine Meldung ein, laufe ein standardisiertes Verfahren an, sagte die Leiterin der Regionalstelle West in Harsewinkel. Jede Meldung werde beraten: Wie ist die Lage einzuschätzen? Ist die Gefährdung akut oder latent? Ist ein Hausbesuch am selben Tag notwendig oder reicht er vielleicht auch innerhalb einer Woche?

Stöttwig: »Immer zwei Kollegen übernehmen die Hausbesuche. Manchmal wird deutlich, dass die Familie dringend Unterstützung benötigt.« Bei den Meldungen, sagte Stöttwig, sei es in der Regel so, dass ein Drittel unbegründet seien, bei einem Drittel sei die Situation fürs Kind nicht glücklich, aber auch nicht gefährlich, und bei einem Drittel liege sogar eine Gefährdung vor. In Harsewinkel wurden im vergangenen Jahr 16 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen. »Unser oberstes Ziel ist es aber immer, die Familie zu stärken, damit das Kind dort bleiben kann. Inobhutnahmen sind am häufigsten, wenn das Kind oder der Jugendliche sich selbst bei uns melden.«

Deutlich angestiegen sei im Jahr 2018 auch die Unterbringung von Müttern mit kleinen Kindern in einer Mutter-Vater-Kind-Einrichtung: von sieben im Jahr 2017 auf 18 im Folgejahr. »Diese Unterbringungen sind sehr kostenintensiv«, machte Stöttwig deutlich. Auch ambulante (134; 2017: 116) und stationäre (122; 2017: 96) Hilfen zur Erziehung gab es vermehrt. Leicht zurückgegangen sind die Beratungen nach Scheidung/Trennung (32; 2017: 47), etwas angestiegen aber die Beratungen zum Umgangsrecht (18; 2017: 9) des Kindes mit den Elternteilen.

Größter Schwerpunkt der Regionalstelle West sei aber nach wie vor die Beratung von Familien, sagte Regina Stöttwig. Und genau darum gehe es auch bei der Arbeit des Jugendamtes: Natürlich sei der Schutz von Kindern und Jugendlichen ebenso im Fokus, aber immer werde versucht, durch Förderung und Unterstützung der Familien das beste Ergebnis für alle zu erreichen. Im Idealfall können die Kinder in den Familien bleiben. »Das ist wünschenswert«, sagt Stöttwig.

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