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Der gebürtige Harsewinkeler Gisbert Strotdrees veröffentlicht Buch über Flurnamen

Mehr als »Heimattümelei«

Harsewinkel (WB). Anwohner der Straßen Langer Esch oder Lake mögen sich schon längst gefragt haben, warum ihre Straßen eigentlich so heißen, wie sie heißen. Autor Gisbert Strotdrees, gebürtiger Harsewinkeler, liefert in seinem neuesten Buch die Antworten.

Stefanie Winkelkötter

Diese Aufnahme, entstanden um 1900, stammt aus dem Sauerland und zeigt ein mit Schiefer gedecktes Haus – Schiefer hieß »Leie«. Manche Orte tragen diesen Bestandteil noch in ihrem Namen. Foto:

»Flurnamen in Westfalen« heißt das Werk, das im Verlag für Regionalgeschichte erschienen ist. Auf 184 Seiten, ausgeschmückt mit mehr als 60 Bildern, geht Strotdrees darin Flurnamen wie Woort, Esch, Geist, Kamp, Brink, Walde­mei oder Kopp auf den Grund. Dabei handelt es sich aber nicht nur um eine sprachgeschichtliche Analyse – an den Flurnamen ist vielmehr abzulesen, wie die Menschen in früheren Jahrhunderten ihre Umwelt wahrgenommen und sich darin orientiert haben. Und auch, wie sie die Landschaft durch Besiedlung, Landwirtschaft, Handwerk, Handel und Verkehr verändert haben.

Wissenschaftliche Abhandlung ins Normalverständliche übersetzt

Strotdrees schreibt jede Woche eine historische Serie im »Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben« (Münster). In dieser Serie hat er sich den »Westfälischen Flurnamenatlas« vorgenommen, in dem sich eine Kommission über 30 Jahre mit dem Thema befasst hat. »Allerdings hochwissenschaftlich und für den Laien nicht verständlich«, sagt der 56-Jährige. »Mit wurde angeboten, eine Art ›Zusammenfassung für den Volksgebrauch‹ zu schreiben, die wissenschaftliche Abhandlung sozusagen ins Normalverständliche zu übersetzen.« Aus der wöchentlichen Serie ist nun das neue Buch entstanden.

Etwa 120 Grundbegriffe finden sich im »Flurnamenatlas«. Von diesen hat Strotdrees 100 ausgewählt und erläutert, woher der Begriff kommt, wie er sich verändert hat, warum es ihn zum Beispiel in Ostwestfalen, aber nicht im Sauerland gibt. »Das Wort Flage bedeutet so viel wie weite, offene Ackerfläche«, erklärt der Autor. »So etwas gibt es in Ostwestfalen, aber seltener im Sauerland.« »Brink« bezeichnete Land am Rand, also den schlechtesten Boden. Strotdrees: »Dort haben die Ärmsten der Armen gewohnt.« Die Bezeichnung »Siek« hingegen meinte eine feuchte Wiese an einem Talrand. »Da ging es um die künstliche Anlage von Äckern und deren Bewässerung.«

Flurnamen stammen mindestens aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert

Man könne an diesen Namen erkennen, wie die Menschen in früheren Jahrhunderten Natur und Landschaft wahrgenommen, wie sie diese auch verändert hätten. »Man erfährt ein Stück weit, wie die Landschaft früher aussah.« Viele Flurnamen stammen schon aus dem Mittelalter, die meisten mindestens aber aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert. Vieles sei jedoch ungenau, man müsse vorsichtig sein und dürfe nie von heutiger Schreibweise ausgehen, sagt Strotdrees. Es sind nicht einfach nur Namen, sondern Landschaftsbeschreibungen, die er sich vorgenommen hat. »Eine Landwehr zum Beispiel wurde angelegt, um sich im Mittelalter gegen die Raubritter zu wehren.« Es gehe ihm nicht nur um »Heimattümelei«, sondern über die Überlieferung einer Gesellschaft, einer Generation, die kaum Aufzeichnungen hinterlassen hat.

Das Buch (24 Euro) ist über jede Buchhandlung zu bekommen.

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