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28-jähriger Harsewinkeler muss sich vor Gericht verantworten

Polizei findet Kinderpornos

Harsewinkel/Bielefeld (WB). Ermittler haben auf Smartphones und Tablets eines 28-jährigen Mannes aus Harsewinkel Hunderte kinderpornografische Dateien entdeckt. Seit Montag muss er sich dafür vor dem Bielefelder Landgericht verantworten. Ihm wird schwerer sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen.

Wolfgang Wotke

Foto: Archiv Foto: Archiv

Fünf Mal hatte die Polizei im Zeitraum zwischen dem 2. September 2016 und dem 21. April 2017 die Wohnung des Angeklagten durchsucht. Bei den Razzien ging es um den Verdacht der Verbreitung, des Erwerbs und des Besitzes von Kinderpornografie. Die Fahnder wurden fündig. Auf etlichen Handys und iPads sicherten die Beamten unzählige »Objekte der Begierde«, wie es Staatsanwalt Veit Walter gestern ausdrückte, als er die Anklageschrift verlas. Auf den Bildern und Filmen seien abscheuliche, sexuelle Praktiken mit Kindern und Erwachsenen zu sehen. Die Kinder, meist Mädchen, seien zwischen vier und 13 Jahren alt gewesen. Das Material sei in der Intensität des gezeigten Missbrauchs manchmal auch brutal. Es sollen Szenen darunter sein, die schon gedanklich kaum zu ertragen seien. Der Besitz solcher Bilder und Videos ist genauso verboten wie die Verbreitung.

Der 28-Jährige soll über Whats-App Bilddateien verschickt haben

Der Beschuldigte soll außerdem bei insgesamt 30 Gelegenheiten kinderpornographische Bildda­teien über Whats-App mit seinem Handy an Dritte versandt haben. Am 14. Oktober 2016 soll sich der arbeitslose 28-Jährige sogar per Handy mit dem User »Doc« verabredet haben, um dessen Kinder in einer Harsewinkeler Wohnung schwer sexuell zu missbrauchen. Dazu sei es, so der Staatsanwalt, Gott sei Dank nicht mehr gekommen. »An diesem Tag hatte die Polizei nämlich seine Wohnung durchsucht.« Seit dem 3. Mai sitzt er in Untersuchungshaft.

Der Angeklagte, der in Essen geboren wurde und seit einigen Jahren in Harsewinkel wohnt, soll laut Anklageschrift unter einer Lernbehinderung, einer gravierenden kombinierten Persönlichkeitsstörung sowie einer pädophilen Störung leiden. Die Staatsanwaltschaft geht deshalb davon aus, dass er die ihm vorgeworfenen Taten im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit begangen habe, deshalb verfolge man neben der Bestrafung des Angeklagten auch dessen Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Seit dem 21. Juni 2017 befindet er sich in psychiatrischer Behandlung in der LWL-Klinik in Gütersloh. Im Landgericht machte er am Montag einen gepflegten Eindruck: dünner Pullover, blaue Jeanshose, seine Hände fast immer gefaltet. Sein Blick richtete sich ausschließlich auf das Gericht und auf die Akten seines Rechtsanwaltes.

Der Angeklagte will sich zu den Vorwürfen voll äußern

Verteidiger Jann Henrik Popkes aus Schlangen, der den Harsewinkeler vertritt, sagte zu Beginn der Verhandlung, dass sich sein Mandant zu den Anschuldigen und zu seinem Lebenslauf voll äußern wolle. Er beantragte allerdings die Öffentlichkeit auszuschließen, weil Umstände aus dem persönlichen Lebensbereich des Angeklagten zur Sprache kämen, deren öffentliche Erörterung schutzwürdige Interessen verletzen würde. Popkes: »Er wird Fragen zu seinem Sexualleben beantworten.« Das Gericht um Richter Wolfgang Korte stimmte dem Antrag nach kurzer Beratung zu. Der Prozess wird Mittwoch, 20. September, fortgesetzt.

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