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Harsewinkel

Schwergängiger Oldtimer als Flutlicht

Harsewinkel (rob) - Ein äußerst seltenes Feuerwehrfahrzeug wird gerade in Harsewinkel restauriert und instandgesetzt: Zeltverleiher Werner Herbrink hat vor wenigen Wochen einen Mercedes L 207 erstanden, der als Sonderfahrzeug Flutlichtanlage nur wenige Male in Deutschland zugelassen wurde.

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Stolz: Werner Herbrink, hier mit Hund Heidi, hat ein Feuerwehrauto von 1974 erworben, das einen ausfahrbares Flutlicht transportiert.

Betrieben hat das Gefährt einige Jahrzehnte lang das Magistrat der Stadt Witzenhausen. Als Herbrink den Wagen in Versmold bei einem Oldtimer-Händler aufgestöbert hatte, musste er nicht lange überlegen. „Den hab ich noch am selben Abend gekauft“, erzählt er.

Nicht gerade das schnellste Fahrzeug

Witzenhausen ziert mit seinem blauen Wappen noch heute die Türen des Mercedes. Das Sonderfahrzeug war schon bei der Zulassung 1974 nicht gerade eines der schnellsten. Angetrieben von einem 70-PS-Diesel kommt der Wagen nur schwerlich auf 80 Kilometer pro Stunde. Das Tempo ist für den L 207, der optisch einem Hanomag entspricht, auch nicht entscheidend. Der Wagen hat dafür andere Qualitäten: Der Flutlichtmast ist hydraulisch ausfahrbar bis auf eine Höhe von bis zu acht Metern. Oben sind sechs dreh- und schwenkbare Leuchten installiert. Sie werden von einem Stromaggregat, das auf dem Chassis verbaut wurde, mit Strom versorgt. Der Motor ist fast unbenutzt: Lediglich 14 816 Kilometer hat der Wagen in 46 Jahren zurückgelegt. „Das Stromaggregat wird von einem Käfermotor mit Luftkühlung angetrieben“, sagt Werner Herbrink. Das sei eine gute Lösung, denn Käfermotoren gelten als zuverlässig und seien im Schadensfall einfach zu reparieren.

Der Motor liefert 20 Kilowatt Strom. Das Flutlicht beansprucht zehn Kilowatt. Die übrige Stromleistung kann für andere Zwecke genutzt werden. „Ideal für Veranstaltungen“, sagt Herbrink. Demnächst will er die Leuchten gegen stromsparende LED-Strahler tauschen. Dass es nur wenige Fahrzeuge dieser Art gibt, liegt am Modellwechsel, den Mercedes nach der Hanomag-Übernahme einleitete. „Dieses ist einer der letzten Wagen, die vom L 207 gebaut wurden“, weiß Herbrink. „Danach wurde das Modell eingestellt.“

Die Aufbauten wurden von einer Firma namens Polyma nachgerüstet, die sich mit ihrem Logo auf dem Kühler des Fahrzeugs verewigen durfte. Zwei Dinge kamen zusammen, als Herbrink das Verkaufsangebot des seltenen Mercedes stieß. Er habe schon immer ein Flutlicht-Fahrzeug haben wollen für seinen Betrieb – einerseits, um es Kunden, die Feste veranstalten, mit anbieten zu können. Andererseits, um beim Auf- und Abbau unabhängig vom Tageslicht zu sein. „Ich wollte schon selbst etwas bauen. Die Pläne lagen schon bei mir zu Hause“, erzählt Herbrink. Das Thema sei jedes Mal beim Harsewinkeler Oktoberfest aufgekommen, das er zusammen mit Johannsmann 15 Jahre ausgerichtet hatte, sagt der 56-Jährige. „Da mussten wir jedes Jahr eine Anlage mieten.“

Durch Corona bisher noch kein Einsatz

Einen Bedarf gebe es für so ein Licht auf jeden Fall, ist Werner Herbrink überzeugt. „In diesem Sommer hatte ich schon drei Termine fest“, sagt er. Durch Corona fiel alles aus. Zuletzt war das mobile Flutlicht für das Greffener Trecker-Treffen gebucht gewesen. Aber auch das fiel der Pandemie zum Opfer. Durch die Corona-Pause und der Absage fast aller Veranstaltungen, die ihn als Zeltverleiher ganz besonders hart trifft, hat er jetzt Zeit, die Instandsetzung des Mercedes voranzubringen. „Für vieles gibt es schon gar keine Teile mehr“, sagt Herbrink.

Der Kühlergrill aus Kunststoff beispielsweise hatte sich aufgelöst. Herbrink hat einen neuen Grill aus Aluminium nachbauen lassen. Ein Student hatte mittels Software dafür die Konturen zum ausfräsen programmiert. Wenn die Lampen ausgefräst sind, geht der Grill zur Pulverbeschichtung. Die Prüfungshürde der Hauptuntersuchung hat der Wagen schon genommen. Auch die Zulassung als Oldtimer ist erfolgt. Den roten Lack, der an mancher Stelle schon etwas matt ist, würde Werner Herbrink gern noch etwas polieren. Da waren die Feuerwehrleute aus Hessen in den 46 Jahren zuvor scheinbar schon recht eifrig gewesen. „Einige Lackschichten sind dünn gerieben“, sagt Herbrink.

Wegen der aus seiner Sicht unzureichenden Corona-Hilfen für seine Branche hat Werner Herbrink vor wenigen Tagen einen zweiseitigen Brief an den Vorsitzenden der CDU/CDU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus, geschrieben. „Ich dachte, mir fällt das Handy aus der Hand, als sich morgens eine Frau mit ‚Bundeskanzleramt Berlin‘ bei mir gemeldet hat“, war Herbrink von der schnellen Rückmeldung überrascht. Sein Einwand, dass Zulieferer der Gastronomie nicht immer die geforderten „80 Prozent Aufträge für die Gastronomie“ erfüllten und somit keinen Ausfall ersetzt bekämen, soll nun an den Wirtschaftsausschuss der Regierung weitergegeben werden. „Unsere Branche hat seit März so gut wie keine Einnahmen“, fasst er die Lage zusammen. „Stadtfeste, Schützenfeste, Weihnachtsfeiern, Jubiläen und demnächst der Karneval – alles abgesagt.“ Für die Veranstaltungsbranche erwartet er auch im neuen Jahr erstmal keine Verbesserung.

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