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43-Jähriger soll 2013 einen Lebensmittelmarkt in Marienfeld beraubt haben

Überfall: Wo ist die Beute?

Marienfeld (WB). Maskiert und mit einer geladenen Gaspistole soll der 43-jährige Angeklagte im Dezember 2013 einen Lebensmittelmarkt in Marienfeld überfallen und beraubt haben. Seit Dienstag muss er sich dafür vor dem Landgericht Bielefeld verantworten. Er hat ein Geständnis abgelegt.

Wolfgang Wotke

Diesen Lebensmittelmarkt in Marienfeld soll der 43-jährige Angeklagte im Dezember 2013 maskiert und mit vorgehaltener Pistole überfallen haben. Foto: Wolfgang Wotke

Der Beschuldigte, der aus Montenegro stammt und vor fünf Jahren nach Deutschland kam (»Meine Frau hatte mich plötzlich verlassen«), war erst Ende 2017 festgenommen worden. DNA-Spuren hatten ihn verraten.

Dem Vorsitzenden Richter des Schwurgerichtes, Christoph Meiring, schilderte er, wie es zu der Tat kam: »Zuerst bin ich von Stadt zu Stadt gezogen, habe immer schwarz gearbeitet, dann bin ich irgendwann in Versmold gelandet«, erzählte er. In einer Kneipe will er den damaligen Filialleiter des Marktes kennengelernt haben.

Täter nimmt nur das Hartgeld mit

Der und auch der Kneipier hätten ihn mit einem lukrativen Job gelockt: »Da gibt es viel Geld zu verdienen.« Alle seien eingeweiht, auch seine vier Mitarbeiterinnen. »Er sagte mir, dass es sich dabei um einen Versicherungsbetrug handelt und ich sollte nur das Hartgeld stehlen. Die Scheine habe ich liegengelassen.«

Doch die, rund 15.000 Euro, sind seit dem 21. Dezember 2013, dem Tattag, verschwunden. Der Angeklagte selbst habe die Münzen später gezählt und sei auf knapp 700 Euro gekommen, obwohl ihm der Marktleiter 20.000 Euro Anteil versprochen habe.

Nachdem der 43-Jährige den Überfall begangen habe, habe er sich versteckt und sei am nächsten Tag mit dem Bus nach Osnabrück gefahren. Von dem Leiter des Marktes habe er nie wieder etwas gehört.

Die Staatsanwaltschaft sieht den Fall jedoch ganz anders. Demnach soll er von einem Mittäter unterstützt worden sein, der das Fluchtfahrzeug gelenkt haben soll. Außerdem soll er vom Marktleiter, der mittlerweile zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung wegen Mitwisser- und Mittäterschaft verurteilt wurde , gegen Zahlung eines Beuteanteils Insiderwissen erlangt haben.

»Schnaps-Idee« sei in der Kneipe geboren worden

»Davon weiß ich gar nichts«, erklärte der als Zeuge geladene damalige Filialchef (32), der heute im Dienstleistungsgewerbe selbstständig ist und zwölf Mitarbeiter hat. Zwar habe er 2013 »private Probleme« gehabt und diese Schnaps-Idee sei wohl auch in der Versmolder Kneipe geboren worden, »mehr aber auch nicht.«

Doch Geld für Informationen habe er nicht bekommen. Er sei auch nicht der Drahtzieher des bewaffneten Überfalls gewesen. »Und das mit dem Versicherungsbetrug ist völliger Blödsinn. Davon war niemals die Rede«, meinte er.

»Also waren sie doch eingeweiht und wussten genauestens Bescheid?«, fragte Meiring den Zeugen, der eine seltsame Begründung ablieferte: »Es war der abenteuerliche Reiz, dass etwas passiert. Ich habe mich schließlich darauf eingelassen. Später habe ich das meinem Chef erzählt.« Der Prozess wird am Dienstag, 5. Juni, fortgesetzt.

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