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27. Spökenkiekerfahrt lockt 35 Teilnehmer mit ihren alten Schätzchen an

Wenn das Schnüffelventil richtig läuft

Harsewinkel-Greffen (WB). Eher gemütlich knattern die Zweiräder vom Hof Beckmann in Richtung Farmhouse Jazzclub. Die Rallye, zu der Christa Beckmann eingeladen hatte, ist besser besucht als je zuvor. 35 Teilnehmer – gerne in Lederjacke, braunen Schnürstiefeln und mit fescher Motorradbrille – machen die Spökenkiekerfahrt zu einem kultigen Event.

Gabriele Grund

Nummer 28 bei der Spökenkieker-Rallye: Henk van der Veen aus Holland auf einer Terrot von 1914. Foto: Gabriele Grund

Teilnahmeberechtigt waren Fahr- und Motorräder bis Baujahr 1925. Veranstalter waren, neben Christa Beckmann vom Motorradmuseums in Greffen, wo Start und Ziel der schönen Traditionsfahrt war, auch die Oldtimerexperten Gerhard Lüpken aus Bad Laer und Jörg Ehrich aus Brockhagen.

Initiiert wurde die 45 Kilometer lange »Internationale Pionierfahrt für alte Motorräder« vor 27 Jahren von Heiner Beckmann. Seit seinem Tod im November 2014 führt seine Frau Christa Beckmann das von ihrem Mann Heiner Beckmann aufgebaute Motorradmuseum in Greffen allein.

Fragile »Zweirad-Veteranen« und unverwüstliche Renner

Nach einer kurzen Vorstellung der Teilnehmer und ihrer Vehikel mit den wichtigsten Eckdaten durch Jörg Ehrich gingen die oftmals in Tweed und dicken Lederkluften gekleideten Fahrer im Minutentakt auf die Strecke.

Im Teilnehmerfeld waren teils fragile »Zweirad-Veteranen«, aber auch unverwüstliche Renner von internationalen Herstellern wie Blackburne, Terrot, Wanderer, Douglas, Humber, Royal Enfield, Sunbeam, Marschall Lily, Adler, BMW und Brutus zu bestaunen, die einen wunderschönen Einblick in die technischen Fortschritte des Motorradbaus vermittelten.

Über die schönsten Nebenstrecken fuhr der Tross vom Motorradmuseum zum Farmhouse Jazzclub. Von dort ging es weiter nach Borgholzhausen zum Hof von Konrad Upmann und zurück zur Siegerehrung am Museum von Familie Beckmann. Bei allen Stationen standen die teilweise stilecht gekleideten Besitzer mit ihren wertvollen Zweirad-»Juwelen« im Mittelpunkt.

Die ältesten Maschinen der Spökenkieker-Rallye waren eine aus dem Jahr 1901 stammende französische Brutus mit Direktantrieb, Schnüffelventil und Frühzündung, mit der Jörg Langer aus Querfurt angetreten war, sowie ein aus demselben Jahr stammendes einzylindriges Fahrrad mit Hilfsmotor, eine Clement mit Rundriemen, Batteriezündung und Spritzdüsenvergaser von Ulrich Wesolek aus Castrup-Rauxel.

Höchstgeschwindigkeit liegt bei fast 30 Stundenkilometern

»Das ist eigentlich der Urtyp des heutigen Motorrades, denn man hat damals einfach einen Fahrradrahmen genommen und dann einen Motor eingebaut«, erklärt Ulrich Wesolek, der sein Gefährt vor 20 Jahren auf einem Veteranenmarkt in Mannheim gekauft hat.

Zur eigenen Sicherheit habe er Bremsen, Reifen und Felgen den heutigen Bedingungen im Straßenverkehr angepasst. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei fast 30 Stundenkilometern. Bis zu sechs größere Ausfahrten unternimmt Ulrich Wesolek jährlich mit seiner Clement. Bei der Spökenkieker-Rallye ist er seit vielen Jahren treuer Teilnehmer.

Ebenfalls in die Kategorie »Alte Schätzchen« mussten ein in der Schweiz hergestelltes, mit Rundriemen angetriebenen Dufaux-Motorfahrrad mit Taschen-Hilfsmotor aus dem Baujahr 1903 von Bernd Tafel aus Gyhum sowie eine Peugeot aus dem Jahr 1904 von Geert de Boer aus dem niederländischen Lottum und eine aus demselben Baujahr stammende französische Georges-Richard von seinem Bruder Mark de Boer gezählt werden. Aus Bielefeld waren Jochen Kleine mit einer Progress aus dem Jahr 1904 sowie Hans-Dieter Springer mit einer Wanderer aus dem Jahr 1914 dabei und genossen die 40-Kilometer-Tour.

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