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Museum Böckstiegel in Werther erhält prächtige Dauerleihgabe

"Mein Vater" hat ein Geheimnis

Werther

Der alte Herr blickt eindringlich herab auf die Besucher des Künstlerhauses. Wer hätte gedacht, dass das Bildnis seines Vaters, der dem Wertheraner Expressionisten Peter August Böckstiegel so wichtig war, ein Geheimnis hütet?

In Öl auf Leinwand hat Peter August Böckstiegel seinen Vater 1929 portraitiert. Die Leinwand, die er dafür nutzte, war schon vorher ein Kunstwerk. Foto: Christian Ring

Das Museum Peter August Böckstiegel hat aus Bielefelder Privatbesitz ein Gemälde von Peter August Böckstiegel mit dem Titel „Mein Vater“ von 1929 als Dauerleihgabe erhalten. Das Bild ist eines von nur sechs bekannten Einzelporträts vom Vater des Künstlers. Es zeigt Wilhelm Böckstiegel (1856-1931) als 73 Jahre alten Mann mit einem einfachen Strohhut als Brustbild vor einem leuchtend orangefarbenen Hintergrund – es ist eines der expressivsten Bildnisse des Vaters.

Bitte einmal umdrehen

Das Bild wird in Zukunft im Arroder Künstlerhaus in der Dauerausstellung präsentiert und beherrscht durch seine künstlerische Kraft die kleine Deele des Hauses – auch aufgrund des schweren und vergoldeten originalen Rahmens. Ein besonders spannendes Geheimnis gibt das Gemälde allerdings nicht auf den ersten Blick preis: Die Leinwand verbirgt eine bemalte Rückseite, die zwar bekannt war, aber in der kunsthistorischen Forschung immer noch Fragen aufwirft.

Derzeit geschlossen

Laut David Riedel, künstlerischem Leiter des Museum Peter August Böckstiegel, ist das Motiv auf der Rückseite in ähnlicher Weise bereits von Karl Ellermann bekannt. Ellermann ist ein 1910 jung verstorbener Bielefelder Maler und Grafiker, dessen Bild sich gut gehütet in einer Privatsammlung befindet.

Die Rückseite des bekannten Böckstiegel-Bildes zeigt eine „Landschaft“ des jung verstorbenen Bielefelder Künstlers Karl Ellermann, um 1910. Foto: Vincent Böckstiegel

„Möglicherweise hat Böckstiegel das unvollendete Bild von Ellermann besessen, so wie auch andere Werke Ellermanns nach dessen frühem Tod in den Besitz seiner Bielefelder Künstlerfreunde gelangte“, so Riedel. "Dass er dann die Rückseite eines „fremden“ Gemälde für ein eigenes Werk nutzte, ist ungewöhnlich – aber durchaus möglich.“ Das Gemälde wird in Zukunft in einer Sonderausstellung zu den drei Bielefelder Malern Karl Ellermann, Heinrich Landwehrmann und Hermann Stenner eine Rolle spielen.

"Bemerkenswerte Leihgabe"

Dr. Tanja Pirsig-Marshall, stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der Böckstiegel-Stiftung und stellvertretende Direktorin des LWL-Museums für Kunst und Kultur (Westfälisches Landesmuseum) in Münster freut sich über die bemerkenswerte Leihgabe: „Das Porträt seines Vaters war für Böckstiegel ein besonders wichtiges Bildthema, das er mit einem bemerkenswerten Gespür für die Wirkung der Farbe und einer für ihn ganz typischen, bewegt-expressiven Malerei umsetzt. Es ist schön, dass dieses Bild nun bei uns im Museum der Öffentlichkeit zugänglich ist.“

Auch Dr. Heinrich Uekermann und Friederike Jörissen, die das Bild als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen, sehen das Gemälde in Arrode am rechten Ort: „Das Bild ist seit vielen Jahrzehnten im Besitz unserer Familie. Es war der ganze Stolz unseres Vaters, der den Künstler sehr schätzte. Wir haben es gerne der Böckstiegel-Stiftung anvertraut und hoffen, dass es so möglichst viele Besucherinnen und Besucher erfreuen kann.“

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